Ein Buch reichen Inhaltes, als »allgemeine Geschichte des inneren Krieges« von Wert über die Grenzen des Städtleins hinaus, dem es geschenkt ward. In schwarzem Band geheftet, passend für die dunklen Tage der trostarmen Gegenwart, aber wie dunkle Abendsonne des versunkenen Tages deutscher Größe und doch wie goldenes Morgenrot besserer Zeiten leuchtet daraus seine goldene Aufschrift. Hätten doch alle deutschen Orte solchen Geschichtsschreiber, der das, was des Einzelnen Heimat in den Jahren 1914–1920 durchlebte, der Nachwelt so festgehalten! Nach Inhalt und Anlage vorbildlich, hat der Verfasser mit ungeheurem Sammlerfleiß alles Denkwürdige zusammengetragen, Großes und Kleines, Ernstes und Heiteres, Erhebendes und Drückendes, beides innerlich verbindend. Sein Werk wird in keinem Schlettauer Hause fehlen dürfen. Aber es ist mehr als Stadtgeschichte, ein Stück Weltgeschichte mit klaren Einblicken ins ungeheure Geschehen und seinen Zusammenhang. Es ist unmöglich, in diesem Rahmen alle Abschnitte des 375 Seiten starken Buches inhaltlich zu besprechen. Wir greifen aus den fast 50 Abschnitten nur einzelne Überschriften heraus, die die Lust zum Lesen besonders anregen: Schlettau in der großen Zeit der Mobilmachungstage, Freiwillige vor!, die Mobilmachung der Phantasie, die Mobilmachung der Frauen, vaterländischer Hilfsdienst, bedenkliche Mobilmachungen, Stimmungsbilder aus dem Stadtleben, Schlettauer Kriegsausstellung (ein bedeutsames und erfolgreiches Unternehmen!). Rathaus, Kirche, Schule, Post, Bahn, Industrie, Handwerk, Handel, Landwirtschaft im Weltkriege werden, zum Teil mit reichen Zahlenangaben behandelt, auch weniger Wichtiges, aber den Einheimischen Interessantes (Vereins- und Wirtshausleben) wird, zum Teil mit gutem Humor, besprochen. Wir erfahren, wie die Kleinstadt die Revolution erlebte. Ein ganzer Teil zeichnet die Not und ihre Hilfe durch die staatliche und private Arbeit in den verschiedensten Vereinigungen. Auch von der Teuerung und dem Kriegssozialismus erhält man, besonders durch die vielen Zahlenbelege und Vergleiche, ein anschauliches Bild.
Der »Kriegschronik von Schlettau« soll bald ein zweites Buch folgen: »Das Heldenbuch von Schlettau«. Eine Kostprobe aus ihm bietet schon der Anhang der Kriegschronik: »Wie unsere Schlettauer ihr Eisernes Kreuz 1. Klasse erwarben«. Darüber wird später beim Heldenbuch selbst zu berichten sein. Für jetzt sei die Kriegschronik von Schlettau, besonders denen in der Stadt und ihrer weiteren Umgebung, warm empfohlen. In den Volks- und Schulbüchereien des Erzgebirges dürfte sie nicht fehlen!
Pfarrer Ernst Seidel, Beiersdorf (Oberlausitz).
Alt-Bautzen. Neun Federzeichnungen von Dipl.-Ing. Hans Richter. Verlagsanstalt Görlitzer Nachrichten und Anzeiger, Görlitz. Preis M. 15,–.
Die köstlichsten Stadtbilder, Bau- und Kunstdenkmäler vom sächsischen Nürnberg finden wir in dieser Mappe in Schwarz-Weiß-Zeichnungen vereint. In flotter anschaulicher Weise sind sie dargestellt, Heimatbilder von dauerndem Wert, Erinnerungsblätter für alle, die Bautzen lieben ob seiner Schönheit.
Cornelius Gurlitt. Die Pflege der kirchlichen Kunstdenkmäler. Broschiert M. 14,–, Gebunden M. 19,–.
Im A. Deichertschen Verlage (Leipzig und Erlangen) ist unter diesem Titel ein neues kleines Werk des genannten Verfassers erschienen. Gurlitt, der unermüdliche Vorkämpfer deutscher und insbesondere sächsischer Denkmalpflege, beabsichtigt, wie er im Vorwort ausführt, nicht Kunstgeschichte oder Altertumskunde hiermit zu lehren. Es soll vielmehr das Buch den berufenen Hütern des Kunstbesitzes unserer Kirchen, den Pfarrern und auch den Kirchenvorständen ein Ratgeber und Führer sein in Fällen, wo eine Änderung im alten Bestand der Gebäude sowohl, wie ihrer Ausschmückung sich als nötig erweist. Es soll aber weiter auch darüber hinaus das Verständnis und die Liebe zu diesen Dingen stärken und wecken, eine Mahnung, die gerade in unserer heutigen Zeit des »Fortschrittes« besonders angebracht erscheint. Das kleine Werk wird aber über den bescheidenen, im Titel genannten Rahmen hinaus jedem Freunde und Sammler alter Kunstwerke gar vieles bringen, denn nicht nur der feinsinnige Kunstkenner, sondern ebenso der alte Praktiker der Denkmalpflege spricht hier zu uns.
Der erste allgemeingehaltene Abschnitt des Buches beschäftigt sich mit der Umgrenzung der Aufgaben kirchlicher Denkmalpflege und umreißt in sicheren Linien Fragen der Zweckmäßigkeit und Schönheit im Bau von Kirchen. Das Verhältnis von Künstler und Kunstwerk zur Gemeinde wird weiter dargelegt. Von Fragen des Stils und Geschmacks finden wir gute Worte in den folgenden Kapiteln, in denen auch die Leitsätze moderner Denkmalpflege ausgeführt werden. Vom Werte alten Kunstbesitzes handelt das Schlußkapitel, und wer würde da nicht wünschen, daß Gurlitts schöne Worte: »Ein schlechter Erbe der, der zwar das hinterlassene Gut annimmt, den Geber aber vergißt und ein Gedächtnis verfallen läßt, die mit dem Gute übernommene Verpflichtung nicht durchhält,« in weitestem Maße Beherzigung finden möchten.
Im zweiten Abschnitt ist das wissenswerte über die Organisation der heutigen Denkmalpflege in Kürze für Geistliche und Kirchenvorstände zusammengestellt. Praktische Winke für Bau und Umbau von Kirchen, Wahl des Architekten und dessen Verhältnis zum Bauherrn bilden hier den Hauptinhalt. Der dritte Abschnitt handelt von der Pflege kirchlicher Baudenkmäler gemeinhin, von Bau- und Schmuckmaterialien, von Anlage und Schutz der Friedhöfe, der Gräber und Grüfte. Im vierten Abschnitt endlich gibt Gurlitt aus seiner reichen, lebenslangen Erfahrung als Denkmalpfleger heraus praktische Winke über die Pflege kirchlicher Einrichtungsstücke. Was hier ausführlich behandelt wird, möchte von allen denen beherzigt werden, denen die unersetzlich wertvollen Kunstwerke unseres Kirchenbesitzes anvertraut sind. Denn wieviel wird gerade hier und oft in bester Absicht gesündigt. Falsche Behandlung ist aber zumeist, die neben oft schwerverständlicher Unkenntnis dieser Dinge schon immer den schlimmsten Schaden angerichtet hat, und eindringlich betont Gurlitt immer wieder die Notwendigkeit in schwierigen und in Zweifelsfällen nichts ohne sachverständige Beratung zu ändern, oder zu »verbessern«. Der Wunsch nach einer besseren Überwachung gerade des kirchlichen Kunstbesitzes ist es ja auch vor allem gewesen, der in den deutschen Staaten fast überall und neuerdings auch in Sachsen zur Ausstellung besonderer Denkmalpfleger (Landeskonservatoren) führte.
So erfreulich die Fortschritte sind, die in den letzten Jahren die Bestrebungen der Denkmalpflege und des Hand in Hand mit ihr gehenden Heimatschutzes gemacht haben, so berechtigt erscheint aber auch noch in unseren heutigen Tagen Gurlitts Mahnung im Schlußwort des Werkes: »Erfüllt euch selbst mit der Liebe zur Heimat«.