Abb. 8
Am Aschberg
Im Spinnen der Gedanken ist die Zeit vergangen. Das Bähnle dampft bereits durchs Schwarzbachtal und hält zum letzten Male. Nur wenig Leute steigen aus; fast alle sind Wanderer, die nach allen Himmelsrichtungen frohgemut davon eilen. Einer wendet sich ostwärts, der Sonne entgegen, die schon über den Hohen Stein hereinlugt und mit den dichten Nebelmassen des Tales in heftigem Kampf liegt. Das graue Gewoge wallt durcheinander, zieht hierhin und dorthin, steigt empor, umhüllt die Bergwände, die Gipfel, wird von der Sonne wieder zurückgedrängt und muß sich zu guterletzt doch als überwunden erklären und sich als Tau im Tale niederschlagen. Die Erlbacher schlafen noch. Warum sollten sie’s auch nicht! Sie feiern eben den Sonntag auf ihre Art. Würden es ja doch nicht verstehen, daß so närrische Stadtleute schon in der Nacht sich auf und davon machen, um den Aufgang der Sonne, ihren Kampf mit den Nebelgeistern zu erleben. Nun schlaft nur zu! Um so feierlicher wird es droben im prächtigen Waldesdom sein, der so nahe schon seine Bogen schlägt und den Wanderer in sein geheimnisvolles Reich ladet. Der friedliche Marktflecken liegt zurück, der Wanderer zieht grüßend den Hut vor dem Hohen Brand und dem Kegelberg, den beiden Torwächtern zum engschluchtigen, weltabgeschiedenen Landesgemeinder Tal, Einlaß heischend. Steil steigt der Hochwald hinauf. In dusterem Schatten steht die Mühle, feiernd, und daneben ein moderner Bau, Holzbaracken als Unterkunft für erholungbedürftige Großstadtkinder. Ein Blick durch die angelaufenen Scheiben fällt noch auf schlafende Gesichter. Empfindliche Kühle herrscht im engen Tal, und der Mittag wird wohl herankommen, bis die Sonnenstrahlen hier unten den dicken weißen Reif auflecken werden. Das Auge wendet sich empor und sucht den Weg hinauf in sonnigere Höhen, dorthin, wo der Wald in den klarblauen Himmel ragt. Vom unteren Floßteich führt am Nordhang ein ansteigender Saumpfad über den Wettinhain zur Paßhöhe hin. Beim Emporkommen gibt der Wald ab und zu den Blick frei hinüber zu den südlichen Hängen und hinunter ins idyllische Tal, durch das der Fahrweg in großen Windungen sich bergwärts schlängelt und mit seinen Ebereschen einen gelbroten Saum in das dunkle Grün des jenseitigen Fichtenwaldes webt. Aber das dunkle Kleid zeigt jetzt auch im Innern viel Farbe. Verschwenderisch gibt sie der große Maler Herbst in allen Schattierungen von Gelb, Braun, Rot, Violett, und weckt ein ehrlich Entzücken. Alte prächtige Buchen stehen am Weg. Kräftige Silberstämme tragen wohlgeformte Kronen; kühn ragt ihr Gezweig gen Himmel, und ein Meer flüssigen Goldes und Silbers wogt im sonnenwärts gerichteten Blick. Schnell bereit ist die nie fehlende Begleiterin, die alte treue Strahlenfalle, zu einer Gegenlichtaufnahme. Leider noch unzulänglich ist die Silberplatte, vermag noch nicht das blendende Bunt wiederzugeben und verhilft nur zu einem Schwarzweißbild, aus dem man nur in der Phantasie die farbenprächtige Wirklichkeit erschauen kann. Lautlos fallen die Blätter, unablässig, immerzu; am Boden schichtet sich das dürre Laub, und raschelnd mahnt der Tritt an das große Sterben. Aber keine trüben Gedanken kommen auf, sind nur frohgestimmt und glückerfüllt von dem großen Wunder Natur, denken weiter, sehen auf dem kahlen Gezweig sich die weißen Flocken häufen, die Brillantsternchen blitzen, braune Knospen schwellen, gelbgrüne Seidenblätter werden, und hören das sommerlich geheimnisvolle Raunen des dichten Blätterdaches wieder, als wäre es heut. Herbst und Winter haben nichts Schreckhaftes mehr für den Naturfreund, werden beide neben ihren anderen Brüdern gleichviel geliebt.
Abb. 9 Der Kranichsee[1] (930 m)
Soweit die verkrüppelten Sumpfkiefern wachsen, reicht das riesige Hochmoor an der Grenze zwischen Sachsen und Böhmen, zwischen Erzgebirge und dem Vogtland
Abb. 10 Baumatzengrund zum Silberbach, von links nach rechts Aschberg (böhm. Seite) 936 m Großer Rammelsberg (963 m) und Großer Hirschberg (942 m)
Abb. 11
Silberbach und der Aschberg (böhm. Seite) 936 m