Einst ritt sie eine Strecke, als Jägerin in das Holz,

Da saß in einer Ecke ein Bär, in Ängsten stolz.

Gleich stieg sie von dem Pferde, das stolze, kühne Weib,

Und schoß mit ihrem Pfeile, das Untier durch den Leib.

Das Roß mußt ihrer warten, sie eilt von ihm zum Wild –

Wen erblickt sie? Eduarden, in Bärenhaut gehüllt.

Und kaum verging’n sechs Wochen, verzehrt von Gram und Schmerz,

Begrub man ihre Knochen, zu Füßen Eduards.

(Krostau.)

Doch nicht mit diesen Tönen wollen wir eine Abhandlung über Volkslieder der Sächsischen Oberlausitz schließen. Das soll eine kurze Betrachtung mundartlicher Dichtungen tun. Mundartliche Lieder, die über den Interessenkreis eines bestimmten Dorfes (Beziehungen auf bestimmte Personen und Vorkommnisse) hinausgehen, sind nicht zu zahlreich. Ihr gemeinsames Merkmal besteht darin, daß sie fast ausnahmslos Scherzlieder sind. Da werden die üblichen Berufe einer scherzhaften Prüfung unterzogen. – Die besorgte Mutter schlägt der Tochter aus jedem Berufe »Einen« vor. Aber das Töchterchen ist wählerisch. An jedem hat sie auszusetzen: