Wenn der liebe Herbst herankam, die Abern – Kartoffeln klang fremd – im Keller lagen, finstere Nächte begannen, die Erde in Dunkel zu hüllen, dann leuchteten aus der Ferne die ersten Strahlen des kommenden Weihnachtssternes in die Nacht. Jetzt begann die Zeit der seligen Weihnachtsträume. Jeder Tag und jede Nacht wurden gezählt.
Die Anfangsvorbereitungen galten der Christmette, welche den Glanzpunkt des Festes bildete. Wochenlang vorher fing man an, die Lichter zu kaufen, die man zur Mette brauchte. »Pfenglichtel« hieß man sie damals, die man nur nach und nach kaufen konnte, denn es gab weniger Pfennige als heute. Die meisten Kinder – auch Erwachsene – hatten jedes einen langen Nagel am Fenstergewändel, an welchem die Lichter aufgehängt wurden, und zwar so, daß man sie durchs Fenster von außen sehen konnte.
Es wurde gewetteifert, soviel als möglich Lichtel zusammenzubringen, und man war stolz und glücklich, wenn sich die »Globbe« vermehrte. Nun ging es in die Nachbarschaft gucken. Siehe da: Der Hillemann Emil hatte schon zwölf, ich erst acht, der Schwach Karle hatte noch mehr, aber der Just Elwin hatte wieder weniger, das war ein Trost.
Die weiteren Vorboten kamen in Gestalt der Zimmermann Karoline, Funkhähnel Male, Adler Mine und Pate Biesold seiner Mutter, welche mit Pfefferkuchen in allen möglichen Farben, Figuren und Formen hausieren gingen. Damit zu Weihnachten der nötige Vorrat da war, wurden immer einige Stück gekauft und hingelegt.
Die Ausstellungen hatten begonnen. Man besichtigte bei Henkbäcken, Hillbäcken, Krachbäcken, Heymannbäcken, Endlerbäcken, Laubnerbäcken, Giebnerbäcken, Hochbäcken, wo ich Pfefferkuchen mit malen durfte, weil seine Frau die Gruhnert Guste von der Neusorge war, mit Bewunderung die Fenster mit den ausgestellten Männern, Frauen, Reitern usw. Die schönsten Pfefferkuchen hatte der Güntherbäcke …
Sorgenvolle Stunden bereitete die Ruprechtzeit. – Ob er heute kommen wird? … Da plötzlich schlug die Rute unbarmherzig an die Fensterläden. – Der Ruprecht kommt! der Ruprecht kommt! – Vor Schreck schleunigst alle unter die Leineweberstühle gekrochen und gebetet. – Die Äpfel und Nüsse mußten in allen Ecken und Winkeln zusammengesucht werden und wurden sofort verspult. Aus den leeren Nußschalen wurden Schnepperchen gemacht, Zwirnsfäden drumgebunden und Holzspänel hineingesteckt. Damit wurde bis Weihnachten geschneppert.
Haufens Großer parierte immer nicht. Den hat der Ruprecht in den Sack gesteckt und mitgenommen. Der hat aber gezappelt und gegorgelt …
Das Ausschneiden der Modellierbogen spielte eine große Rolle. Es entstanden Kirchen, Häuser, Burgen, deren Fenster mit buntem Papier überzogen, durch Lichtel erleuchtet, einen herrlichen Anblick boten.
Zum Kammerfenster wurde jeden Morgen hinausgeguckt. Oh, es hat geschneit! Diese himmlische Freude! Von diesem Tag an mußten alle Pferde auf den Straßen Glockengeläut tragen, und dieser Klang läutete in unsere Herzen die seligmachende, gnadenbringende Weihnachtszeit ein.
Während der Adventszeit erfüllte die Leineweberstube täglich der Gesang der Weihnachtslieder: »Ehre sei Gott in der Höhe«, »O Tannenbaum, o Tannenbaum«, »Ihr Kinderlein kommet« oder »Stille Nacht, heilige Nacht« usw.