Dem Sturme zum Opfer gefallene tausendjährige Linde am Kirchhof in Kleinolbersdorf bei Chemnitz
So folgte ein Abschnitt des Lebens auf den anderen, bis dann der letzte Weg herannahte. Manch ernster, stiller Zug ging durch das Tor, tränenden Auges folgten wehe Herzen in verzweifeltem Schmerz dem Sarge, der das Liebste für immer entführte zur letzten Ruhestätte. Die greise Mutter, deren einziges Kind, die Stütze ihres Alters, der unerbittliche Tod genommen, der gebeugte Witwer, der mit seinen jammernden Kleinen das Grab der treuen Kameradin aufsuchte, die verzweifelte Braut, deren blühendes Liebesglück des Todes eisige Faust unbarmherzig zerstörte: sie alle gingen den Weg durch das Tor des treuen Baumes.
Als die schweren Kriegsjahre kamen, gingen tiefbewegte Menschen durchs Lindentor, um im Gotteshause Schutz und Hilfe für teure Angehörige zu erbitten, und in der folgenden Zeit ward mancher Kranz mit Ehrenschleife hindurchgetragen, um der Nachwelt als Erinnerungszeichen das Angedenken Eines wachzuhalten, der für das Vaterland sein Leben dahingegeben. Es kam der Tag, an dem unsere liebe Glocke in früher Morgenstunde ihren letzten Gruß durchs Dörflein hallen ließ. Groß und klein stand unter der Linde, und manche stille Träne rann.
So teilte unsere alte Linde mit uns Freud und Leid; sie war uns allen ans Herz gewachsen. Sie gehörte zu uns. Wie stolz waren wir, wenn Schüler und Touristen auf der Wanderung unsern lieben Baum, das seltene Naturgebilde, anstaunten und abzeichneten.
Längst schon bestand er nur noch aus geborstener Rinde, und es war ein Wunder, daß er sich dennoch frisch erhielt, weiter grünte und blühte. Sorgsam stützten wir den Hauptast, als sich Altersschwäche bemerkbar machte, durch einen Pfeiler, und doch sollte der Tag kommen, an dem unser treuer Baum, der fast ein Jahrtausend allen Stürmen getrotzt hatte, morsch in sich zusammenfiel. Ein heftiger Wirbelwind knickte eines Abends den Bogen, so daß nur noch ein trauriger Stumpf stehen blieb, der wohl oder übel entfernt werden mußte. Wie groß war die Bestürzung, als diese Botschaft durchs Dorf lief. Manches Auge wurde feucht.
So ist mit unserm lieben Baum ein Zeuge vergangener Jahrhunderte dahingesunken; aber in unseren Herzen wird das Gedenken an unsere treue Lebensfreundin fortleben; Kindern und Kindeskindern werden wir noch dankbar und stolz erzählen von unserer alten Linde.
Leineweber-Weihnachten auf der Neusorge vor fünfzig Jahren
Von William Bergmann, Sebnitz
Als ich im Jahre 1866 auf der Neusorge das Licht der Welt erblickte, war Sebnitz ein armes Weberstädtchen. Von seinen Weihnachtsfeiern will ich erzählen.