Abb. 7 Kahleberg Blick nach Norden
Als wir nach Absolvierung der fünfzehn Stationen in Reick landeten, war alles schwarz: Himmel und Erde. Ein Ahnen von nahen Veilchen und Schneeglöckchen stieg aus der feuchten dampfenden Elblandschaft auf. In unseren Herzen vermählte sich das Lenzhoffen des Niederlands mit dem Glanz, den vor wenigen Stunden der scheidende Gebirgswinter um uns ausgebreitet hatte. Am nächsten Morgen aber wußte Karl nicht, was ihn von dem Winter-Frühlingsglück am meisten freuen sollte: der steckengebliebene Zug mit den zwei Lokomotiven oder der Kalkofener Streuselkuchen, den er aus den Tiefen des Rucksacks ausgegraben hatte.
Abb. 8 Kahleberg Blick nach Altenberg und dem Geising
Aus Ritter Turmfalks Burg und Kinderstube
Von Stadtbaurat Rieß, Freiberg[1]
Hoch über alle Dächer der alten Bergstadt recken sich die Petritürme zum Himmel und schauen weit in die Ferne. ([Abb. 1.]) Weit liegen Wiesen und Felder und im immergrünen Kranze die Wälder gebreitet. Blinkende Teiche blitzen auf mit silbernem Spiegel und die Halden des alten Bergbaues grüßen herauf als Zeugen vergangener Bergherrlichkeit und harter Arbeit hundert zäher Bergmannsgeschlechter.
Und zu Füßen drängen sich die Dächer und Häuser, die Höfe und Gassen zusammen, und es wimmeln dort unten die Menschen im eiligen Hin und Her und scheinbar so zweckloser Hast, von der es nur wie das Rauschen einer Brandung verworren heraufklingt.
Diese ruhevolle Höhe mit weitem Blick in alle Himmelsfernen ist so recht ein Platz für Leute, die über die Alltäglichkeit sich erheben wollen, denen Einsamkeit mehr gibt als Zwang und Drang des engen Zusammenhausens, als das Rennen und Hasten mit und in der Menge.