Unser Bild 5 zeigt eine Mühle, die durch die vielen Fenster bemerkenswert ist. Vierzehn große Fenster sind zu sehen, auf der uns abgekehrten rechten Seite weist sie ebenfalls sechs auf, gibt zwanzig Stück. Dazu kommen noch drei kleine, zwei über, eins unter dem vorspringenden Dache. Sie ist die größte von den noch »gehenden« Windmühlen. Auch im Innern weist sie eine Sonderheit im Vergleich zu andern auf, indem außer Spitzgang und Mahlgang noch ein Walzenstuhl aufgestellt ist. Eine beherrschende Stellung nimmt die »Hetzemühle« in dieser Windmühlenlandschaft ein, da sie einmal ziemlich in der Mitte derselben liegt und zum andern auf einem in diesem Gelände besonders hervortretendem Hügel ([Abb. 1]). Siebzehn Windmühlenstandorte sind von ihm aus zu sehen. Aber nur noch fünf Windmühlen, und davon wieder nur vier kann der »Hetzemüller« gegenwärtig beim Mahlen beobachten.

Abb. 5 Hetzemühle mit torartigem Sterz

Wie behaglich ist es, mit dem Windmüller im kleinen Mahlstübchen der Zimmermannmühle auf dem staubigen »Kanapee« zu sitzen. Am Fenster huschen die Flügel vorbei. Das Gebälk knarrt. Das Mahlstübchen mit dem Kanapee und uns schaukelt ganz merklich. Der Lehrbursche besorgt für eine Viertelstunde des Meisters Arbeit.

Abb. 6 Hetzemühle im Innern: Mahlpumpe mit Kühlschiff (rechts der runde offene Behälter)

Auf die Frage, warum soviele Windmühlen »eingegangen« seien, erzählt der Windmüller vom Aufkommen der Dampfmühlen, daß viele Windmühlen zum Aufstellen von modernen Mahleinrichtungen nicht geeignet gebaut waren, daß die Eisenbahn viel Mehl ins Dorf brachte und mit Wichtigkeit von schlechten Windjahren. Oft brachte der Bauer sein Korn erst zur Mühle, wenn er das letzte Mehl gerade verbrauchte. Nun sollte der Müller gleich mahlen. Ja, gern, aber der Wind blieb aus! Viele Bauern gingen zum Bäcker, der ihnen aus seinem Vorrat sogleich Brot und Mehl gegen ihre Körner eintauschte. Dadurch zogen die Bäcker die Bauern an sich. Der Windmüller hatte das »Zugucken«, er kam um seine Arbeit.

Abb. 7 Burgmühle in Kottmarsdorf. Kottmar im Hintergrund
Höchstgelegene Windmühle in der südlichen Oberlausitz

Und auf die zweite Frage, warum trotz dieser Umstände sich einige Windmühlen bis auf den heutigen Tag gerettet haben, gibt er uns den Bescheid: »Das ist durch den Krieg geworden.« In den Kriegsjahren waren die meisten Bauern »Selbstversorger«. Der Bäcker konnte ihnen kein Mehl und kein Brot für ihr Getreide geben; denn sein »zugeteilt bekommenes« Mehl mußte ja mit den von ihm »abgegebenen« Brotmarken übereinstimmen. Der Selbstversorger bekam keine Brotmarken, mithin war mit dem Bäcker »nichts zu machen«. Schaffte er seine Körner in die Mühle, so bekam er dafür sein ihm zustehendes Mehl und Brot, da der Windmüller in den meisten Fällen auch einen Backofen hat. Während der Inflationszeit kamen dem Windmüller die Kohlenteuerung (Dampfmühlen!) und die hohen Frachtsätze der Eisenbahn und Lastautos zugute; denn der Bauer fuhr sein Getreide in die Mühle, anstatt beim »teuren« Bäcker zu kaufen oder zu handeln. So lebte ein Stück Windmühlenzeit noch einmal auf. Wie lange? Ist es ein letztes Aufflackern? Dann gehört auch Julius Lohmeyers Reim vom Windmüller der Vergangenheit an: