Aufnahme von Dr. Bachmann, Dresden
Abb. 4 Zustand des Schmuckfeldes über einem Bogen des Wallpavillons nach Ablaugen der Ölfarbe
Bücherbesprechung
1923 ist bei der Franckh’schen Verlagshandlung in Stuttgart ein Heft erschienen: R. H. Francé, Die Entdeckung der Heimat. Wenn das Büchlein infolge seines beschränkten äußeren Umfanges auch mehr anregend als erschöpfend darstellen kann, so hat es doch eine besondere Bedeutung: war »Heimat« bisher nur ein starkes, jedoch auch dunkles Gefühlserlebnis vieler – durch dieses Buch wird uns das bloße Gefühl zu klarem (wer brauchte heute nicht Klarheit!) Erkennen. Das heißt: Wer es noch nie gefühlt haben sollte (es gibt solche Großstädter), der muß es beim Lesen dieses Buches erkennen, und wer es bisher dunkel fühlte, der »entdeckt« es jetzt klar und deutlich: Heimat ist eine Großmacht, unbesieglich und letzten Endes auch unzerstörbar. Wenn wir sie zerstören, dann zerstören wir uns nur selbst. – Es gibt kein größeres Unglück als heimatlos zu sein. Heimatkunde ist die Königin alles Wissens und Heimatkunst die Krone alles Schaffens. – Eine Schule, die den ihr Anvertrauten die Fertigkeiten des Berufs und dazu als Untergrund und Erdreich aller seelischen Blüten eine richtige Heimatkunde mitgibt, kann nicht mehr übertroffen werden. – Das sind keine Schlagworte. Durch sachliche, objektive Anschauung in der Natur (Pflanze und Tier, Klima und Bodenbeschaffenheit) gelangt der Verfasser – und mit ihm muß das jeder ehrliche Leser tun – zu den angeführten Folgerungen. Zu ihnen will das Büchlein jeden führen. Ein solches grundlegendes, Klarheit schaffendes Werk müßte in jedes Heimatfreundes Hände gelangen (zumal es nur 1.20 M. kostet); und wer noch kein »Heimatfreund« ist, der sollte es erst recht lesen!
Das ist des Buches besonderer Wert: Heimat bleibt nicht nur ein Teil unsrer Gefühlserlebnisse, sondern Heimat wird uns auch die wichtigste Entdeckung unsres Erkenntnisvermögens.
Günther Lamm.
Naturdenkmal
Aufnahme von Josef Ostermaier, Blasewitz-Dresden