Obwohl der nach diesen Grundsätzen unternommene Schutz der heimischen Natur sich bisher in der Hauptsache auf das Sattelberggebiet erstreckt hat, so kann doch schon heute gesagt werden, daß der Erfolg ein sehr erfreulicher, in vielen Fällen sogar die gehegten Hoffnungen weit übertreffender, gewesen ist. Es wurde fast überall ein unerwartet hohes Verständnis für die Notwendigkeit des Schutzes unserer Heimatnatur und bereitwilliges Eingehen auf die angeregten Schutzmaßnahmen bei der einheimischen Bevölkerung vorgefunden. Seit Jahren angeknüpfte und sorgsam gepflegte Beziehungen zur eingesessenen Bevölkerung haben hier reiche Früchte für Natur- und Heimatschutz getragen. Hier am Sattelberge weiß jedes Kind, wer wir sind und was wir wollen. Manch biedrer Alte ist uns hier zum lieben Freunde geworden, ist doch hier so vieles noch lebendig, was andernorts schon längst als überlebt zur Seite geschoben wurde. Freilich – eine Landschaft lernt man schneller kennen als ihre Bewohner, wer sich aber bemüht, die Letzteren in ihrer Eigenart und ihren Besonderheiten kennen und verstehen zu lernen, dem wird manche landschaftlich schöne Gegend nicht mehr stumm gegenüberstehen, sondern sie beginnt zu reden von Land und Leuten und erzählt vom Gegenwärtigen und vom längst Vergangenen.

Botanisch bedeutungsvolle Landschaft bei Bienhof
Aufnahme von Georg Marschner, Dresden

Nur dieser Weg leitet den angewandten Naturschutz zum Ziele. Er führt fast immer über das Vertrauen und durch die Herzen der auf eigner Scholle sitzenden Landbevölkerung. Das Wort eines Einheimischen wiegt meist viel schwerer, als die eindringlichsten Erläuterungen eines ortsfremden Sachverständigen. Deshalb sind alle Natur- und Heimatfreunde, welche durch Beziehungen irgendwelcher Art mit einer Ortschaft des Gebietes verknüpft sind und sei es das entlegenste Dörflein, besonders willkommene Helfer an dem begonnenen Werke.

Elsebeerbaum in Hellendorf Sorbus torminalis
Aufnahme von Georg Marschner, Dresden

So mancher Standort schöner, von vielen bisher niemals in der Heimat geschauten Pflanzen, so manche buntblumige Bergwiese, manch altehrwürdiger Baum konnte bisher der Heimat erhalten werden. Viel, sehr viel bleibt zu tun übrig, ehe das ersehnte Ziel in seinen gesicherten Umrissen erkennbar wird: »Das östliche Erzgebirge, unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Verhältnisse, als einheitliches Naturschutzgebiet und alle seine Besucher durchdrungen von den sich hieraus ergebenden Rücksichten.« –

Botanisch bedeutungsvolle Landschaft am Sattelberge
Aufnahme von Georg Marschner, Dresden