Die Umgrenzung des östlichen Erzgebirges als einheitliches, zusammenhängendes Naturschutzgebiet kann sich naturgemäß nicht mit den bei geographischer Betrachtung gegebenen Umrissen decken. Und ebensowenig kann hier der angewandte Naturschutz auf diesem in seiner Beziehung zur Erdgeschichte so kleinen Gebiete der urgewaltigen Sprache folgen, welche die geologische Wissenschaft so eindringlich zu uns redet. Die locker zu haltende Umrandungslinie hat vielmehr dasjenige zusammenhängende Gebiet zu umfassen, welches auf seiner Oberfläche die große Mehrzahl der zu schützenden Naturobjekte trägt.

Die natürlichen Grenzlinien des Gebietes, im Sinne des Naturschutzes, ergeben sich ganz zwanglos aus den Einflußzonen der fünf großen Basaltdurchbrüche, deren Verwitterungsprodukte von allergrößtem Einfluß auf die floristische Besiedelung des Gebietes gewesen sind. Dem achthundertdreiundzwanzig Meter hohen Geisingberge, dem jenseit der grünweißen Grenzpfähle bis auf siebenhundertvierundzwanzig Meter aufragenden Sattelberge, dem fünfhundertfünfundsiebzig Meter hohen Luchberge bei Dippoldiswalde, dem schon in die Großstadt Dresden aus vierhundertachtundsiebzig Meter Höhe hereinschauenden Wilisch und dem durch jetzt eingestellten Steinbruchsbetrieb stark eingeschrumpften Cottaer Spitzberg mit einer Höhe von dreihunderteinundneunzig Metern. Das von diesen fünf Basaltkuppen eingeschlossene und von ihren Zersetzungsprodukten nach außen stark beeinflußte Gelände, bis an die Weißeritz in Westen, die Elbtalmulde in Norden, das Sandsteingebiet in Osten und den Gebirgskamm in Süden, stellt das östliche Erzgebirge vom Gesichtspunkte des erstrebten Naturschutzes aus dar.

Eine besondere Betrachtung der so mannigfaltigen Pflanzendecke des Gebietes kann an dieser Stelle unterbleiben. Es sei auf die von Professor Dr. A. Naumann bearbeitete, erschöpfende Darstellung der »Vegetationsverhältnisse des östlichen Erzgebirges« hingewiesen. Sie ist eine ebenso nötige, wie wertvolle Ergänzung dieses Heftes[2]. Es heißt dort unter Bezug auf die schon genannten Basaltberge: »Ihre nach Norden abgeführten kalkigen Verwitterungsprodukte haben die Wiesen mergelig gemacht und die Vertorfung gefördert, so daß gerade in den Bergwiesen dieses Gebietes ein Reiz liegt, der zusammen mit den von Hochstauden bestandenen rauschenden Wasserläufen, den parkartig anmutenden Mengwaldinseln und den über diese liebliche Landschaft verstreuten Siedelungen jeden Besucher, auch den Nichtbotaniker, mit unvergeßlichen Eindrücken erfüllen wird.« –

Um alle Schutzmaßnahmen schnell und ohne Verzug durchzuführen und die geschützten Objekte leichter überwachen zu können, ist das Gebiet in fünf kleinere Bezirke, mit vorhandenen oder noch zu schaffenden Mittelpunkten in Gottleuba, in Liebstadt, Glashütte, Lauenstein und Geising-Altenberg, zergliedert worden. Von hier aus ist schon viel verdienstliche Arbeit geleistet, der Heimatschutzgedanke in immer weitere Kreise und bis in die entlegensten Dörfer getragen und auch denen nahe gebracht worden, die bisher noch nichts davon gehört hatten.

An den wichtigsten Verkehrspunkten weisen geschmackvolle größere und kleinere Holztafeln auf die Schonung von Pflanzen und Tieren hin. Tausende von Plakaten sind in den Ortschaften, Gasthäusern, Schulen und Gemeindeämtern des Gebietes verteilt und erinnern Einwohner und Besucher an den Schutz der heimischen Natur. Die schon erwähnten bunten Tafeln, mit den durch die Pflanzenschutzverordnung geschützten Pflanzen, sollen in Kürze die gleiche Verbreitung finden. In einer Anzahl besonders günstig gelegener Einkehrstätten werden die Mitteilungen und sonstigen Veröffentlichungen des Heimatschutzes ausgelegt und in den genannten Mittelpunkten der Unterbezirke ein für jedermann zugängiger Gastraum eines vorteilhaft gelegenen Gasthofes mit Bildern und Veröffentlichungen des Heimatschutzes, sowie mit den vom Heimatschutz beeinflußten Erzeugnissen der Volkskunst und der bodenständigen Kleinkunst ausgestattet. Lichtbildervorträge und Studienausflüge nach geschützten Naturdenkmälern werden die Schönheiten des Heimatlandes auch denen erschließen, die bisher achtlos an ihnen vorübergegangen.

Damit wären in großen Umrissen das Gebiet und die in ihm zu lösenden Aufgaben skizziert. Die eingestreuten Bilder veranschaulichen besonders charakteristische Pflanzenstandorte und einige geschützte Einzelobjekte.

In dem beigegebenen Verzeichnisse sind die Pflanzen zusammengestellt, von denen sich Standorte unter der Obhut des Heimatschutzes befinden. Hier an diesen Örtlichkeiten, deren einige schon seit mehreren Jahren von menschlichen Eingriffen verschont geblieben sind, bietet sich dem Botaniker ein reiches Feld interessanter Beobachtungen, deren Auswertung für Wissenschaft und Naturschutz gleichermaßen nützlich sein wird. – Und nun auf, du große Heimatschutzgemeinde zur Tat!

Wohl wissen wir, daß unser östliches Erzgebirge als Naturschutzgebiet ein anderes Aussehen haben wird und haben muß, wie die unter Schutz stehenden Landesteile im nördlichen Deutschland oder im Hochgebirge. Die dichte Bevölkerung im Sachsenlande und seine volkswirtschaftlich so bedeutsame, bis in die entlegensten Gebirgstäler vordringende Industrie im Verein mit der fast restlosen Bodenkultur weisen uns andere Wege. Sie zeigen uns aber auch klar und deutlich, daß letzten Endes in ihnen selber die tiefsten Impulse liegen, unser Heimatland schön und reich zu erhalten, – denn nur die Kräfte, welche lebendig werden, wenn Heimat- und Naturliebe das Herz mit Licht und Wärme füllen, sind der Lebensodem, welcher das kurze Menschendasein erhebt und verschönt.

Verzeichnis der im östlichen Erzgebirge besonders zu schützenden Pflanzen

(Die auf geschützten Standorten vorkommenden sind kursiv gedruckt)