(Aufnahme von Walter Möbius, Dresden)
Abb. 14 Glockenturm in Graupen
Bei dem Rückwege erreicht der Wanderer die sächsische Eisenbahn am nächsten in Geising. Wer auf der Heimfahrt durch das Müglitztal einen Zug überspringen will, dem rate ich, es in Glashütte ([Abb. 17]) zu tun und so den Eindruck der ältesten Bergstadt des östlichen Erzgebirges durch den der jüngsten zu ergänzen und in gewissem Sinne zu krönen.
(Aufnahme von Walter Möbius, Dresden)
Abb. 15 Altes Giebelhaus in Graupen
Der Name Glashütte hat nichts mit der Erzeugung von Glas zu tun, er bezeichnet einen Ort, wo Glaserz oder Glasköpfe (bestimmte Arten von Silber- und Eisenerz) verhüttet werden. Glashütte ist im fünfzehnten Jahrhundert am Nordrande der das Müglitztal begleitenden Bergbauzone entstanden. Die sächsischen Herzöge waren die besonderen Gönner der kleinen Bergorte: Georg der Bärtige gab dem Orte 1506 Berg- und Stadtrecht und betrieb dort aus eigenen Mitteln seit 1511 den Bau einer etwa 1535 vollendeten Kirche. Eins ihrer großen Fenster enthält in guter Glasmalerei das herzoglich-sächsische Wappen und das des Meißner Bischofs Johann X. von Maltitz, der die Kirche 1539 persönlich weihte. Es war ein letzter Versuch, die Stadt bei der alten Kirche zu erhalten. Denn schon 1521 hatte der Pfarrer Jakob Seydler ein Weib genommen und die evangelische Predigt eingeführt. Herzog Georg glaubte, dies als Grundherr nicht dulden zu dürfen und ließ den Pfarrer zum geistlichen Gericht vor den Bischof nach Stolpen bringen. Die Sage berichtet sogar, dieser habe ihn im Kerker erwürgen lassen. Aber dem Bischof Johann VII. von Schleinitz war solch ein Ketzergericht offenbar unangenehm und er ließ Seydler entwischen. Noch 1539, als der Herzog gestorben und sofort im ganzen Land die Reformation durchgeführt worden war, ließ die Gemeinde Glashütte laut der Kirchenrechnung ihrem unterdes wohl etwas heruntergekommenen ehemaligen Pfarrer eine Spende reichen. Die Glashütter Kirche verwahrt in einer Truhe ein gesticktes geistliches Gewand; aber es ist vielleicht gar nicht aus katholischer Zeit, sondern von solchen evangelischen Christen gestiftet, die ihren Pfarrer wenigstens einmal im Jahr, etwa beim Weihnachtsfest, in einer farbig- und goldschimmernden Amtskleidung sehen wollten. Ich habe dergleichen Brauch auch in der Niederlausitz, z. B. in Altdöbern, gefunden. Auf der schönen messingenen Taufschüssel steht am Rande der Spruch: »Allzeit Wart Geluck« (Immer warte auf das Glück). Das bezieht sich zunächst auf die Heilswirkung der Taufe, auf jene geistige Wiedergeburt, die der eigentliche Inbegriff des Wortes »Renaissance« ist, dann aber vielleicht auch auf den zu erwartenden Segen des Bergbaues, der in Glashütte schon früh zu wünschen übrig ließ. Läßt doch auch die für den kleinen Ort sehr stattliche und wohlausgestattete Martinskirche auf die damals unter den Bergbauenden verbreitete Ansicht schließen, daß die Himmlischen, mit Altären und Messen gut versorgt, dafür auch in der Tiefe vollgültige Erze wachsen lassen würden nach dem Spruch:
»Es grüne die Tanne, es wachse das Erz,
Gott schenk uns allen ein fröhliches Herz.«