Abb. 7 Blick vom Kohlberg zum Luchberg und Grimmschen Wasser
Hochfläche mit Basaltberg
(Aus den Vorarbeiten für den Bilderatlas zur Dresdner Heimatkunde von Weicker und Wiese)
Das üppige Pflanzenleben der Braunkohlenzeit fiel durch einen seltsamen Klimawechsel der Vernichtung anheim. Im hohen Norden, in Skandinavien, begann jene kühlfeuchte, schneereiche Periode, die der Geolog als Eiszeit bezeichnet. In Firn und Eis hüllte sich ganz Nordeuropa. Langsam, alles Leben ertötend, kroch die Eiskappe nach Deutschland hinüber, bis sie an der Mittelgebirgsschwelle sich staute und der Schmelzung anheimfiel. Auf den Höhen unseres Erzgebirges lag der Winterschnee den größten Teil des Jahres, und eine polare Pflanzenwelt fand in dem kurzen Sommer kärgliche Lebensbedingungen. Auch während der Eiszeit hörten die Bodenbewegungen nicht ganz auf. Ob es erneute Schrägstellung war oder auffällige Tieferlegung der nördlich angrenzenden Gebiete – sicher ist ein neues Einschneiden der Täler nachzuweisen, und die schönsten unserer Gebirgstäler, Strecken, wie z. B. der Rabenauer Grund, mögen nicht älter als eiszeitlich sein. Allmählich besserte sich das Klima; das nordische Eis gab den deutschen Boden wieder frei. Stürme brausten über das öde Land, das von zahllosen Schmelzwasserströmen zerschnitten wurde. Erst ganz langsam eroberte der Wald das Gebiet. Das Mammut und das Ren, die Bewohner der Tundra wichen nordwärts aus; Höhlenraubtiere folgten; Bären und Wölfe bargen sich im Urwald – die geologische Gegenwart und die Urzeit der Menschengeschichte setzen ein.
Abb. 8 Müglitztal mit dem Hahneberg bei Glashütte
(Aus den Vorarbeiten für den Bilderatlas zur Dresdner Heimatkunde von Weicker und Wiese)
Und nun, nach dieser kurzen erdgeschichtlichen Vorbereitung, ergreifen wir Rucksack und Wanderstab, wandern hinauf zu den Kammhöhen unseres Gebirges und halten dort eine erste Überschau. Von dem allbekannten Mückentürmchen oder der hochragenden Kaiserwarte bei Nollendorf aus zeigt uns die erzgebirgische Landschaft am besten ihre Wesenszüge. Nach Norden baut sich Welle hinter Welle; weite Talmulden wechseln mit teilweise bewaldeten sanften Rücken. Es ist die uralte »Rumpfebene«, deren Geschichte wir kennen lernten, die sich vor uns ausbreitet, bis sie in der Ferne verklingt, wo in feinen Dunst gehüllt sich die Randhöhen des Elbtals und die Lausitzer Hügel anschließen. Freundliche Dörfer huscheln sich in langgestreckte Täler, verschwinden oft ganz im Gewelle. Oder sie klettern aus den höchsten, ausgebreiteten Talbecken bis auf den Höhenrand, wo das wettergraue Kirchlein weithin die Landschaft beherrscht. Oder endlich Bergbausiedelungen, wie Zinnwald, bauen sich in regellosem Haufwerk der kleinen Schachtelmannshäuslein mitten auf die schutzlose Hochfläche mit ihren sturmzerzausten »Vugelbeerbäumen« und den unfreundlichen Steinhalden vergangener Bergbauherrlichkeit. Lange Straßenzüge, deren Baumreihen sich oft scharf vom Horizont abheben, betonen im Kulturbild die gleiche, große und sanftgeschwungene Linienführung, die die Natur der Rumpfebene uns zeigte.
Abb. 9 Lockwitzgrund und Wilisch
Aufnahme von Georg Marschner, Dresden
Wo sich ein Waldrücken stärker aus dem Gesamtbild abhebt, wie der nordwärts steil abgebrochene Kahleberg oder seine in der Tellkoppe gipfelnde Fortsetzung, da handelt es sich meist um »Härtlinge«, deren festes Gestein (z. B. Porphyr, Quarzschiefer) der Verwitterung besser trotzte als die benachbarte Gneis- oder Schieferfläche. Nur ein paar Bergpersönlichkeiten sitzen schroff, fast fremdartig, auf der Hochfläche. Es sind die Reste der Vulkanbauten aus der Braunkohlenzeit, jugendliche Nachgeborene und Härtlinge zugleich: schwarze Basaltmassen, die bei der Abkühlung in zierliche Säulen zersprungen sind – hier der Geising mit seiner Grabhügelform, dort der Sattelberg, der uns unter dem Schutze seiner Lavamasse auch noch ein Stück der alten Sandsteindecke erhalten hat. Weiter nordwärts der schöne Kegel des Luchberges und der einseitig abfallende Wilisch.