Abb. 96 Schriftbild vom Grillenburger Wald-Kreuz
In besonderen Abschnitten bespricht er die Standorte, die Größe und Gesteinsart, die Ausstattung, die Sagen und Überlieferungen, sowie die Urkunden, deren sechs neue Beispiele abgedruckt sind. Zwei Zusammenstellungen nach Landkreisen und alphabetischer Folge weisen den stattlichen Bestand von fünfhunderteinundvierzig schlesischen Steinkreuzen an vierhundertacht verschiedenen Orten, sowie dreiundvierzig verschwundene Stücke nach. Ortsbeschreibung, Größenmaße und Gesteinsart vervollständigen die Listen, und dreizehn Tafeln mit einfachen Strichzeichnungen veranschaulichen das Aussehen und die Einkerbungen von vierhundertvierunddreißig dieser Steine.
Alles in allem verkörpert gerade diese Arbeit trotz ihres relativ geringen Umfanges eine Unsumme von Mühe und Sammeltätigkeit und bildet einen wertvollen abgeschlossenen Beitrag zu den deutschen provinzialen Forschungen.
Abb. 97 Kürbitz bei Plauen i. V.
Nur nebensächlich ist von Steinkreuzen und von einzelnen sächsischen Stücken in einem Werke des Prälaten Dr. Franz Přicryl »Denkmale der Heiligen Konstantin (Cyrill) und Methodius in Europa« die Rede[7]. Das deutsch geschriebene Buch ist nach verschiedener Richtung bemerkenswert und gründet sich auf dreißigjährige Reisen und Studien, die der geistliche Herr aus persönlichem Interesse unternommen hat. Es ist eigentlich ein echtes Heimatschutzwerk slawischen Inhalts mit allen Vorzügen und allen Schwächen einer fleißigen Dilettantenarbeit. Dagegen muß die Darstellung hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Geltung mit Vorbehalt behandelt werden und erfordert eine besonders kritische Betrachtung, weil ihr Verfasser, als Diener der orthodoxen Kirche durch das Dogma des Glaubens von vornherein in seinem freien Urteil über die Geschehnisse stark beengt erscheint und mit seinen Schilderungen offensichtlich eine Verherrlichung slawischer Kulturanfänge verfolgt.
Phot. K. Sippel, Plauen i. V.
Abb. 98 Gospersgrün bei Plauen i. V.
Die Frage der alten Steinkreuze, die uns hier an dem Buch allein interessiert, ist durchaus einseitig vom kirchlich-legendären Standpunkt aus behandelt. Wie fast alle übrigen Altertümer im slawischen Sprachgebiet, so bringt der Verfasser auch sämtliche Steinkreuze, die er auf seinen Reisen antraf oder sonstwie in Erfahrung brachte, ohne weiteres mit den beiden Slawenaposteln in Verbindung. Selbst der Name »Heilige Quelle, Heiliges Wasser, Heiliger See, Heiliger Hain«, der allerorten einmal wiederkehrt, genügt ihm als Beweis, daß Cyrill und Methodius dort die Heiden getauft und das Christentum verkündet haben. Weder hier noch bei Kirchen- und Klosterbauten aus älterer Zeit wird auch nur der geringste Versuch gemacht, einen geschichtlichen Nachweis irgendwelcher Art zu erbringen. Ohne weitere allgemeine oder einzelne Begründung behandelt er infolgedessen auch jedes alte Steinkreuz als Zeugnis dafür, daß einer der Heiligen an der Stelle geweilt und gepredigt oder wenigstens auf Missionsreisen vorübergekommen sei. Bei dieser vorgefaßten Meinung erwähnt er nicht einmal die nächstliegende und offenkundige Tatsache, daß jene Kreuzsteine nur in gewissen Gegenden vom Volksmunde als Cyrill- und Methodiuskreuze bezeichnet werden.