Abb. 4 Blick vom Naturfreundehaus nach Nordosten (Winterberg)

Wenn man bedenkt, daß der größte Teil des Geschaffenen durch den Idealismus einiger weniger zum Teil in schwierigen Kriegszeiten entstand, in denen man oft Material und Werkzeug von Schandau bis hierher tragen und in dem notdürftig überdachten Keller übernachten mußte, so wird man das Haus mit noch ganz anderen Augen ansehen. Als Heimatschützler aber wollen wir uns freuen, daß trotz diesen Schwierigkeiten hier ein Bau entstanden ist, der in die umgebende Landschaft paßt wie selten einer. Auf vielen Fahrten in einem mehr als zwanzigjährigen Wanderleben habe ich kaum ein Haus gefunden, das den Ansprüchen, die man an ein Wander- und Erholungsheim stellen muß, so entspricht wie das Dresdner Naturfreundehaus. Um so befremdender wirkt es darum, wenn man immer wieder bekannte Wandrer und Wanderführer findet, die sonst in der Sächsischen Schweiz und ihren Herbergen aufs beste Bescheid wissen, die diese Musterhütte nicht kennen. Vielleicht regen diese Zeilen manchen dazu an, diese Unterlassungssünde wieder gut zu machen. Den Naturfreunden aber, die zu Ferien- und Feiertagszeiten hier Freude und Erholung suchen, möge immer Verwirklichung des verheißungsvollen Worts erblühen, mit dem das am Anfang zitierte »Hüttenlied« schließt:

Du wirst stets froh und glücklich sein

In unserm Haus am Zirkelstein!

Abb. 5 Blick vom Naturfreundehaus nach Südosten (Kaltenberg, Rosenberg)

Bäume und Menschen

Erziehungs- und auch Heimatschutzgedanken von Th. Leuschner, Dresden-Loschwitz

Ich liebe die Bäume. Ich habe sie schon immer geliebt. Ob sie dichtgeschart einer neben dem andern im Wald große Landflächen bergauf und bergab mit ihrem satten Dunkel bekleiden – ob ein großer, mit seinen Ästen weitausgreifender Baum auf einem langen Bergesrücken wie ein Wahrzeichen steht, auf Stadt und Land gleich einem Herrscher herabschaut und die Wanderer zu weiter Rundschau herauflockt – ob sie in langer Reihe links und rechts an der Landstraße stehen, ihr weithin sichtbar das Geleite geben und sie von oben herab mit ihren zusammenstoßenden Kronen beschatten – ob die beiden Pappeln wie zwei Wächter hüben und drüben vor der Hofeinfahrt stehen und über den First des Bauernhauses auf die Felder hinausschauen – ob sie in den langen Reihen des Obstgartens regelmäßig ausgerichtet einer neben und hinter dem andern stehen.

Ich liebe die Bäume: ob sie im Winter kahl und schwarz dastehen, daß sie sich bis in ihre feinsten Zweige hinauf von dem grauen Himmel wie ein vielgestaltiges Gewebe abheben – ob sie sich im Lenz mit ihrem ersten helleuchtenden Grün leise schmücken, als wenn sie den Winterschlaf abgeschüttelt hätten – mag dann im Sommer die Sonne in die vielen tausend Spiegelchen des Blätterdaches scheinen – und mag dann der Herbst sie aufleuchten lassen in Gelb und Braun und Rot wie ein Scheidegruß, ehe Sturm und Reif den Kehraus machen.