Bei diesen wenigen Hinweisen auf noch offene Fragen der Kriechtier- und Lurchverbreitung in Sachsen soll es jedoch für heute bleiben, obwohl ich sie leicht noch weiter ausdehnen könnte. Ihr Anschneiden an dieser Stelle soll lediglich eine Anregung für die Leser der »Mitteilungen« sein, nach Kräften an ihrer Lösung mitzuarbeiten. Mitteilungen nimmt der Verfasser (Dresden, Marienstr. 32) jederzeit mit Dank entgegen; sie werden Verwendung finden in der in Arbeit befindlichen »Sächsischen Wirbeltierfauna«, die ich zusammen mit R. Heyder und R. Zaunick bearbeite.
Fußnoten:
[1] Siehe auch: Zimmermann, Rud., Ein Beitrag zur Lurch- und Kriechtierfauna des ehemaligen Königreichs Sachsen. Archiv für Naturgeschichte 88, 1922 A, 8. Heft, 245–267.
[2] Zimmermann, Rud., Das Vorkommen der Sumpfschildkröte im Gebiet des ehemaligen Königreichs Sachsen. Fischerei-Zeitung 24, Neudamm 1921, 250–253.
Otto Altenkirch
Ein Maler der sächsischen Landschaft
Von Edgar Hahnewald
Der Heller flimmert in brandigem Dunst. Die Sandflächen breiten ein fahles Gelbgrau über den Vordergrund, von dem sich einige schmale Heidekrautinseln in trockenem Braunviolett mit vereinzelten grünen Flecken darin abheben. Weiter hinten streckt sich eine Windgrassteppe, weich wie Haar und kupfern in der Farbe, vor einem Waldstreifen, dessen Kiefernwipfel einer schweren Wolke gleich tief auf der Fläche zu liegen scheinen und nur am Rande, wo der Wald sich lockert, von einzelnen Stämmen wie von Stützen über der Erde gehalten werden. Über dem Walde steht hoch, prachtvoll, in einem stumpfen, dunklen Stahlblau eine Gewitterwolke wie ein riesenhaftes Haupt ohne Antlitz, von einer Aureole hervorbrechender Lichter umstrahlt. Sie steht regungslos, als warte sie noch, ehe sie mit rollender Donnerstimme in die Landschaft spricht. Unter diesem Wolkenhaupt drängt sich das bißchen Landschaft noch enger an die bleiche Erde. Nur eine Birke steht ganz allein mitten in der Sandfläche auf einem kleinen zerrissenen Teppich von Heidekraut. Ihr von vielen Stürmen verbogener Stamm, vor dem Stahlblau unwahrscheinlich weiß, überschneidet den fernen Waldstreifen und hält einen Laubbüschel wie eine zerfetzte Fahne hoch vor die drohende Wand.
Und noch jemand steht in der spärlichen Fläche. Ein Maler vor seiner Staffelei. Die Krempe eines in vielen Wettern verblichenen Hutes beschattet seine Augen. Er trägt eine alte, mit allen Farben seiner Palette beklexte Jacke und blank getretene Holzpantoffeln, die ihm das stundenlange Stehen erleichtern. Er sieht in dieser Kleidung einem Handwerker ähnlicher als einem Künstler. Ein Blick auf seine Leinwand auf der Staffelei zeigt, daß er ein Künstler ist. Im kleineren Abbild ist dort die Landschaft noch einmal, der Sand, das Heidekraut, das Windgras, der Wald, die Birke, die Gewitterwand. Das Bild läßt erkennen, was in dieser scheinbar kargen eintönigen Sandebene den Maler reizte: das einsame Aufstehen der Birke über dem ganz tiefgenommenen Horizont, ihr Hinaufweisen in die hohe drohende Wolke, die vier Fünftel des Bildraumes beherrscht. Aber nicht allein das, nicht nur die beinahe trotzige, beinahe tragische Einsamkeit der Birke mit der zerschlissenen Laubfahne in der kargen Landschaft macht diesen künstlerisch gesehenen Ausschnitt zum Bilde. Das rein malerische des Motivs zog den Künstler an. Die flimmernde, von sommerlichen Dünsten geschwängerte Atmosphäre, das irrende Spiel fliehender Lichter am Himmel und über den Farben des Sandes und der Heide, das beinahe Geängstete, Erschreckte dieser Landschaft unter dem schweren Dunkel der riesenhaften Wolke. Der eigenartige Gegensatz zwischen dieser drohenden Erscheinung, die in ihrer stahlblauen Ruhe und Ballung wie ein Dämon wirkt und doch schwere, sommerliche Sättigung verheißt – der Gegensatz zwischen ihr und der flimmernden Unrast, der Erregung in der kleinen Landschaft, die bleich in zitternder Luft sich hinschmiegt, den ersten Donnerschlag fürchtend und doch die Sättigung mit aller Glut des trockenen Sandes erwartend – das ist in freilich literarischer Übertragung der malerische Reiz dieser Landschaft, an der nach der Meinung des Laien »aber auch gar nichts« ist. Einfach: Anreiz für den Maler ist der unendliche Zauber des Lichts, und das landschaftliche Motiv ist nur der Träger, an dem dieser Zauber sichtbar wird.
Der Maler ist stumm an sein Werk hingegeben. Aus dem Hutschatten hervor prüfen die zusammengekniffenen Augen immer wieder bald die Landschaft, bald das Bild. Unter der großen Palette hervor sprießen bereit gehaltene Pinsel wie ein starrer Strauß. Der Maler arbeitet mit dem Spachtel, diesem kleinen Werkzeug aus federndem Stahl, an das hölzerne Heft angebogen wie eine Kelle und schmal wie ein Brieföffner. Auf der Palette mischt der Spachtel leise klingend die gebrauchte Farbe und mit einem Spachteldruck verwandelt sich das Klexchen Farbenpaste auf der Leinwand in einen Büschel violetter Heide, der wie eine lebendige Flamme im bleichen Sande lodert.