Trüber Tag
Dresdner Heller
Über den Heller kommen zwei Frauen mit Heidelbeerkrügen. Das drohende Gewitter hat sie aus dem Walde vertrieben. Beim Maler bleiben sie stehen. In seiner beklexten Jacke, in seinen Holzpantoffeln halten sie ihn für ihresgleichen, für einen erwerbslosen Malergesellen vielleicht, der auf diese Weise sich ein paar Mark zu verdienen sucht. Sie halten darum mit ihrer Kritik auch nicht hinterm Berge. Sie meinen, es gibt schönere Sachen, die man malen könnte als da den Sand und die dumme Birke. Aber die Wolke mit dem dahinter hervorbrechenden Licht findet ihre Anerkennung. Und wie lange er an einem solchen Bilde male? So – im Varieté hat die eine Frau einmal einen Schnellmaler gesehen, der malte in fünf Minuten ein Bild, größer als das hier, mit einem Fluß und Bergen, Schiffen und einer Windmühle. Und gleich so mit dem Pinsel los. Der konnte was!
Der Maler antwortet auf die naiven Fragen der Frauen, ohne sich lustig zu machen. Er ist innerlich dem einfachen Volke nahegeblieben, aus dem er stammt. Ihm ist diese einfache Gedankenwelt vertraut. Und es gab eine Zeit, wo er als arbeitsloser Malergeselle in Bukarest Hintergründe für ein Panoptikum malte. Damals malte er an eine Kerkerwand, vor der Maria Stuart in Wachs sitzen sollte, einen Schwerverbrecher in stahlblauen Fesseln.
Sommermorgen
Dresdner Hochland
Die eine der Frauen sieht den Spachtel, mit dem der Maler arbeitet. Vielleicht meint sie, der arme Teufel wolle die teuren Pinsel schonen. Aber ein bißchen muß sie doch lächeln darüber, daß der Maler mit diesem blechernen Ding »malt«. Dann fragt sie, wie viel er denn für so ein Bild bekomme. Der Maler nennt mit einem leisen diabolischen Vergnügen den ungefähren Preis. Das Gelächter der Frauen schallt über den Sand. »Und das bringen sie Ihnen auch noch ins Haus, was!« Die eine lacht über den vermeintlichen Witz, die andere aber lacht mit einem Streifblick auf die Holzpantoffeln und mit einer Miene, die deutlich sagt: Es kann diesen Malern noch so schlecht gehen – große Aufschneider bleiben sie doch!
Das hohe Wolkenhaupt spricht einen ersten verhaltenen Donner in den von Spannung erfüllten Raum. Ein Schauer fährt in die Birke. Am Rande des Hellers erhebt sich eine graue hinwirbelnde Sandsäule.
Die Frauen verabschieden sich eilig und gehen.