Novembertag
Am Hellergut
Der Maler zeichnet mit dem Pinselstiel seinen Namen in die frische Farbe des Bildes: Otto Altenkirch. Dann packt er sein Malgerät zusammen. Während er die Mischfarben von der Palette wischt, sieht er den Frauen nach, die schon weit fort als zwei dunkle Körperchen über den bleichen Sand eilen. Er lacht leise, freundschaftlich, so wie jemand, der in andere Lebenskreise hineingewachsen ist, einmal über eine naive Äußerung seiner alten Mutter lacht, voller Liebe und voller Achtung vor der einfachen Tüchtigkeit, der er selber alles zu danken hat.
Mit erhobener Stimme donnert die Wolke. Sie reckt sich riesenhaft über den Himmel. Und während der Maler seinem Arbeitsquartier in der alten Hellerkaserne hinter den hohen Bäumen zuschreitet, schlagen die ersten groschengroßen Tropfen in den durstig zerfallenden Sand.
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Am 2. Januar 1925 feiert Professor Otto Altenkirch seinen fünfzigsten Geburtstag. Er wird ihn im Kreise seiner Freunde feiern, lächelnd und wortkarg, wie es sein Wesen ist. In jener Gelassenheit, die es fertig bringt, mit einer Antwort, einem Einwand auf eine Frage zurückzugreifen, die acht Tage zuvor in der Runde besprochen wurde, und es so zu tun, als sei eben in diesem Augenblick die kleine Pause im Gespräch eingetreten, in der er nun sprechen kann. Es ist jene Gelassenheit des märkischen Blutes, neben der wir Sachsen, denen doch nicht gerade das Temperament aus den Poren spritzt, wie nervöse Wiesel wirken. Sie ist ohne Schwere, sie ist nur Ruhe.
Alte Linden
Am Hellergut