Wenn Wochen hindurch die Mittsommersonne über dem Urboden scheint, dann gibt er dem Fuße sicheren Grund. All die kleinen, flachen Wassertümpel verdunsten: Überall schwarze, rissige, brüchige Erdflecken. Dann strecke dich zur Rast auf das Heidekraut, pflücke mit lässiger Bewegung die Trunkelbeere, beschaue die purpurnen Moosbeerblütchen und die zierlichen Blättchen der Krähenbeere.

Im »Seemoor« verträume die Mittagsstunde zwischen den niederkauernden, sich bückenden, knienden, schleichenden Gestalten. Im weichen Grund sanken die Sumpfkiefern schief. Ihre Lichtstrebigkeit half die krummen Stämme formen. Ja, wenn du im Südteil dieses Moores weilst, darfst du getrost sagen: Hier schaue ich das urhafteste Krummholzmoor vom östlichen Erzgebirge.

Abb. 18. Fünf verschiedene Schindelgiebel in Fleyh

Im Mittagswinde schwingen die weißen Schöpfe vom Scheiden- und Binsenwollgras, schwanken die langen Halme der Fadensimse. Kein Vogellaut klingt.

Eine Spur im teigigen Boden verrät des Hochwildes Wechsel. Und nachts schreckt das Moor auf, wenn vom hohen Stand der Kugeltod darübersaust.

Über die »Kiefernweiche« mußt du wandern, wenn das Moor tagelang das Regenwasser trank und die Krummholzkiefern wie tückische Gespenster im Bergnebel lauern. Dann ruhen neben den großen Tümpeln noch viele, viele kleine, trügerisch überdeckt vom Heidekraut. Mit jedem Schritt wird das Moor laut unter den lastenden Füßen, strahlt das braunrote Moorblut empor.

Da, schnell auf dies feste Büschel! Im Augenblick schon sinkt der Fuß in Schlamm. Wie rettende Arme ergreifst du die Äste der Moorkiefern, tastest nach sichrem Boden. Auf und nieder geht der Körper. Im Schuh kluckst das Moorwasser. O, das macht müd, übers satte Moor zu gehn. Schwankender Boden macht heiß. Und gewinnst du ein festes Eiland zur Rast, dann wird dir bang vor dem tiefen Moorschweigen.

Abb. 19. Forsthaus in Fleyh