Abb. 15. Im Sumpfkieferndickicht des Seemoors
Lege zwei Gramm wochenlang ohne Wasser gewesenes Torfmoos fünf Minuten lang wieder in das belebende Element. Dann wiege die vollgetrunkenen Pflänzchen. Achtundzwanzig Gramm sinds geworden, das vierzehnfache ihres ursprünglichen Gewichtes. Und das bedeutet für dich: Wiegst du angenommen sechzig Kilogramm, dann mußt du in fünf Minuten eine Wassermenge von achthundertundvierzig Kilogramm schlucken, wenn deine Leistung dem Können des Torfmooses nicht nachstehen soll. Achthundertvierzig Kilogramm Wasser sind achthundertvierzig Liter, zu trinken in fünf Minuten!
Abb. 16. Häuslerhütte mit sehr hohem Dach am Wege von Neustadt nach Willersdorf Nebeltag
Nur an feuchten Orten vermag das Torfmoos zu leben, trägt es ja doch nur in seiner Jugend Haftfasern gleich Würzelchen. Wenn es später wurzellos wird, dann müssen ihm Tau und Regen helfen, dann zieht es den Nebel ein, der hier oben seine Heimat hat und über manches Kammdorf hundertfünfzig sonnenlose Jahrestage breitet.
Abb. 17. Schindelgiebelmuster in Oberwillersdorf
Hebst du ein Stück Polster in die Höhe, so kommt dir ein Gewirr blätterloser brauner Stengel vors Auge. Eine noch dunkler gefärbte Masse lagert darunter. Das ist Torf, aus den Stengeln geworden, die aus Mangel an Luft und Licht abstarben. Das saure Moorwasser ließ sie nicht vollkommen verwesen. An der Spitze wächst das Torfmoos unaufhörlich weiter. Jungwerden am Spitzentrieb, Sterben in den unteren Teilen, das ist sein Lebenslauf. Und nach jedem vierten Blättchen an jedem seitlichen Ästchen setzt sich ein neues Zweigbüschel an. Dessen Sprossen gabeln sich wieder. So breitet sich in endlosem Fortgang Geschlecht neben Geschlecht.
Einen Heidestreifen durchschreitest du beim Gang zum Moor, durchzogen von Rinnsalen, die das Moor entwässern. Dann betrittst du den Boden, den noch keine Menschenhand bändigte, kein schollenstürzender Pflug wendete.