In den Mooren werden die Flüsse geboren, die zur Elbe rinnen oder in kurzem Lauf den Südsteilhang hinabspringen. Oft nur wenige Minuten voneinander getrennt sind die Quellböden zweier Wasseradern, die von hier in entgegengesetzter Talfahrt die Tiefe suchen. Aus den benachbarten Moorgründen am Keiblerberg fließt nach Nordwesten die Gottleuba, nach Südosten der Leichengrundbach ab. Ja, mitunter laufen die Wässer aus gleichem Quelland nach Norden und Süden fort. Dies geschieht beim Moor östlich von Streckenwalde, das vom Nitschgrundbach nach Norden, vom Tellnitzbach nach Süden entwässert wird, und der Moorboden nordöstlich von Ebersdorf schickt sowohl zur Elbe wie zur Eger einen Sernitzbach. Aus den Moorgründen zwischen Neustadt und Willersdorf sickern die Wilde Weißeritz und die Flöha. Unzählbar namenlose Gräben füllen die Moorwässer.
Urland sind die Kammoore. Aber selten blieb eines von ihnen unberührt von Menschenhand. Hacke und Spaten haben schon arg gehaust. Ein Fuder schwarzbrauner Boden wird täglich aus der »Moorbodengrube« ins Theresienbad nach Eichwald gefahren, und täglich kommen zwei Fuhrwerke zum »Seemoor«, um dies Urland zum heilkräftigen Bad nach Teplitz zu holen. Drei Meter hoch ragt die Abstichwand, ohne damit die ganze Mächtigkeit des Moores anzudeuten.
Um kargen Lohn steht die Mutter aus dem entfernten Hochdorf auf dem nassen Grund. Vom Morgen bis zum Spätnachmittag hackt sie an der Moorwand. Acht Kronen, sind zehn Groschen, bringt das mühevolle Tagewerk.
Zu Torfstreu wandelten die Neustädter ihren Moorboden. Seit Jahreslauf ruhen sie von dieser Arbeit. Der Sturm stürzte die leeren Horden, darauf Tausende und Abertausende Moorziegeln im Winde vertrockneten.
Abb. 14. Schiefgesunkene Sumpfkiefern im Seemoor
Auf dem Torfstich von Fleyh trocknen auch noch heute die Torfziegel zu Brennstoff für die Siedler.
Jeder Hackenhieb, jeder Spatenstich hilft einem Stück Urlandschaft zum Vergehen, die einen Wesenszug von ernster Schönheit für die Kammhochflächen bedeutet. Mag wirtschaftlich der Moorabbau begründet erscheinen, größer wird der Schaden, den die Wirtschaft trifft, wenn nicht weitschauender Geist in letzter Stunde die natürlichen Wasserspeicher für unantastbar erklärt.
Polsterförmig überzieht das Torfmoos den Boden, bleichgrün bei Trockenheit, hellgrün an Regentagen. Und nimmst du vom Urgrund ein Pflänzchen zwischen deine Finger, so wird dirs schwer zu glauben, daß dies bescheidene Geschöpflein mit seinem Vergehen und seiner wunderbaren Verjüngung zum gewaltigsten Wasserverwahrer werden kann. Nur das Mikroskop vermag dies Rätsel zu lösen. Zwei Zellenarten wechseln im Querschnitt des Blattes miteinander, farblose und grüne. Die grünen bergen Blattgrün, die farblosen bei Trockenheit nur Luft, und die luftgefüllten Räume mit den durchscheinenden Wänden schimmern im auffallenden Licht weiß. Kommt Regen, dann füllen sich die farblosen Zellen, deren Wände kreisrunde Löcher haben, sofort mit Wasser. Das Blatt beginnt zu schimmern. Millionen Pflänzchen vereint schaffen die grünleuchtenden Kissen.
Hast du schon einmal die gigantische Trinkkraft des Torfmooses geprüft?