Kein Holz kann aus dem Wald in die Werkorte geführt werden. Die Brettmühlen im Dorfe feiern. Aber auch Schnee gibt Brot. Das Herdfeuer in der Schmiede kommt nimmer zur Ruhe. Gleitschiene um Gleitschiene muß es für die Schlitten hitzen. Ungeduldig verlangen die Zuggäule nach den Wintereisen an ihre Hornschuhe. Dann kommen Männer, vermummt gegen Kälte und Schneesturm, und holen Hacken und Schaufeln, die der Schmied angriffsfest schuf zum Kampf gegen Wächten, Wehen und Eis. Auf der Bezirksstraße schaffen sie um ihren Tagelohn. Über der regsamen Schar streicht der »Schneevogel« (Goldammer) hin und wieder.
In den stockholzdurchwärmten Stuben schleißen Frauen und Kinder die Federn der mühsam gezogenen Gans, binden die gesammelten Reiser zu Besen, vollenden manch kunstvoll Bast- und Strohgeflecht, schnitzen die Väter Stiele für Hämmer, Rechen und Karst, biegen den Sensenwurf, schärfen Axt und Säge für kommende Waldarbeit.
Und draußen dehnt sich die verschneite Weite, glitzert in müder Wintersonne, schattenbemustert in vollmondheller Frostnacht. Schneegeborgen träumt der verschüttete Jungwald. Ruhe liegt über dem Kammland und die Einsamkeit hält Wacht.
Wiegender Boden
In weiten, flachen Mulden, am Grunde mit wasserstauendem Ton und Lehm gedichtet, sammelten sich die Wasser von Regen und Schneeschmelze zu kleinen und großen Seen. Sie waren die Augen der Hochflächen, darinnen gewaltiger Wolkenflug und blauer Berghimmel ihr Widerbild fanden. Millionen kleinster Lebewesen schwammen oder schwebten darin, deren verwesende Leiber den Grund mit Faulschlamm deckten. Da fanden die Wassergräser nährenden Boden. Bald nisteten die Torfmoose unter ihnen. Brüderlich verschlangen sie sich zu einem einzigen, unzerreißbaren Filze. Langsam, unaufhaltsam erblindeten die hellen Augen der Hochflächen.
Abb. 12. Seemoor mit Nebelflug
Ein Stück Eigenart der Kammlandschaft sind die Hochmoore. Über ihnen schwebt Wehmut. Den Hochsiedlern sind sie vertraute Fleckchen. Jedes bekam seinen besonderen Namen. Der Bergwanderer durchquert die »Bildwiese« bei Jungferndorf, verweilt »in den Nässen« von Obervoitsdorf, steigt in die »Moorbodengrube« bei Hinterzinnwald, erinnert sich der Sage vom »Gräfinsbad«, schaut vom Hochstand über die »Kiefernweiche« bei Georgenfeld, erschauert vor den Spukgestalten der Sumpfkiefern auf dem »Seemoor« am Bornhauberg, verweilt »in der Klietsch« bei Ullersdorf, schreitet hier auch über »die Quieke« und »Moosbeerpresse«, rastet in der »Moorlislheede« bei Willersdorf.
Abb. 13. Schiefgesunkene Sumpfkiefern im Seemoor