Abb. 9. Stube in Neustadt. Im Hintergrund der weißgetünchte Backofen. Anfeuern geschieht von der Hausflur aus
Entsagen müssen die Häusler jeglicher Obstfrucht, kein bunter Apfel, keine Birne reift da droben. Nur in der Ferne schauen sie unten ein üppiges Obstland. Grünen Bändern gleich dehnen sich die Fruchtbaumreihen in gelben Weizenflächen und an Straßen. Dort liegt gebender Boden. Dort scheint die Sonne wärmer. Entsagen muß auf der Kammweite das Auge dem Anblick von manneshohem, windgewelltem Halmenmeer, darinnen Rot und Blau und Weiß mit Ährengelb zum Farbeneinklange sich schart.
Abb. 10. Grenzgraben in der Kiefernweiche
Der Siedler kann zuweilen nur kniehoch den Brothalm sensen. Erst spät im Herbste reift mit Müh der Hafer. Zum seltnen Klang im Dorfe wird des Flegels Polterschlag. Abgerungen will der Boden seine karge Gabe haben. Bodentreue Herzen gebiert dies Hochland, zufrieden in ihrem Entsagen. Und lieb, lieb gewinnen sie ihr Fleckchen Heimaterde im werbenden Schweiße. –
Ein tüchtig Holz gilts auch immer bereit zu halten, denn keine Kohle kocht das Mahl, und der Backofen will ein kernig Scheit haben, wenn das Brot geraten soll. Zwei, drei und zuzeiten auch mehr behäbige Holztürme aus Stockholz und Scheiten stehen ums Häusl, hoch bis zum Schindelgiebel. Die besten Mitkämpfer sinds gegen des Winters Tücken, für die Zeit, da aus schneeträchtigen Wolken vom Abend zum Morgen, vom Morgen zum Abend ein begrabend Niederschütten anhebt. Langsam, unaufhaltsam versinken Weg, Brücke und Strauch im Schnee. Im Wald schart sich das weiße Flocken zur drückenden Last, knickt Ästchen, bricht Äste, senkt Wipfel, verzaubert Baum und Bäumchen zu bittenden, drohenden, fliehenden Menschen- und Tiergestalten.
Am Wetterhäusl vor der Haustür schaufeln die Leute den Weg frei zum Brunnenhäusl, schaufeln und schaufeln, es schneit und schneit, bald wird die Haustür am Giebel zum Ausgang.
Abb. 11. Drei Meter hohe Abstichwand im Seemoor