Abb. 6. Neustädter Häusergruppe im Nebel
Hat die Kuh ihr kräftig Heu, dann gibts auch Nahrung und von der Milch bescheidenen Erlös, erworben im stillen Heldentum der Arbeit. Der Bergwanderer nimmt das Mühen wahr, wenn er zu früher Morgenstunde am Steilhang weilt. Wägelchen auf Wägelchen, beladen mit zwei, drei und vier Milchkannen, rollt hinab in die Kurstadt und ihre Vororte. Dem Verkauf folgt die dreistündige, kraftfordernde Heimfahrt. Täglich wird der sechsstündige Lauf vollbracht neben aller Häuslerarbeit, auch wenn die Wiese höchste Kraft verlangt zu ernster Heuzeit.
Abb. 7. Nebel im Wald bei Willersdorf
Erst wenn die knisternde Ernte unters hohe Schindeldach gezwängt ist, dürfen sich die müden, schmerzenden Glieder in gewohnter Arbeit erholen. Dann folgt dem stillen Belebtsein auf den Hochwiesen durch die Heumacher ein ander Leben. Glöckelnd grasendes Milchvieh schreitet darüber und verwischt mit geräuschvollem Grasen die bogigen Sensenspuren. Des Hüters greller Ruf schreckt das Bergschweigen.
Abb. 8. Ebereschen im Nebelsturm bei Neustadt
Nur wenige Wochen genießen des Häuslers Kuh und Ziege den freien Weidegang. Während ihre Artgenossen im Tieflande sonnige Gilbhardtstage im Freien verbringen, hocken sie schon wieder im engen Stalle. Und draußen streicht feuchtender Nebel. Draußen heult der Sturm. Im Reif frösteln die Hochwiesen.
Ist die Heuernte geborgen, dann werden die Krüge mit Blaubeeren gefüllt, auf dem Moore die Rauschbeeren gestreift. Einen guten Korn gießt der Vater darüber, dann gibts nach einigen Wochen einen wohltuenden Trunkelbeerschnaps für Magen und Unwohlsein. Und weit habens die Häuslerkinder in ihrer Kunst gebracht, »Schwämme« aufzustöbern. Es muß auch ein großer Vorrat sein, wenn im Winter oft das Schwammlmahl auf dem Tische stehen soll. Der Winter ist ja so lang, so lang.