Abb. 6. »Alte Hoffnung Gottes« Kleinvoigtsberg. Kunat- und Treibeschacht
(Aus Bleyl, Baulich und volkskundlich Beachtenswertes aus dem Kulturgebiete des Silberbergbaus usw.)

Ja, ein Heimatbild voll poetischen Reizes ist dieses alte Treibehaus mit seinem stillen heimlichen Gärtlein und den grünumwucherten Terrassen, als könnte hier ein altes Volkslied oder ein liebes Kindermärchen Gestalt und Wahrheit gewinnen, Erzählungen von den Zwergen, den Bergleuten der Märchenzeit, die die Schätze der Unterwelt gewinnen und hüten, dem Guten spenden, die Bösen aber narren und necken. Das Wächterglöcklein oben im Dachreiterlein klingt in regelmäßigen Zeitabständen anschlagend und meldet, daß unten in der Tiefe das Gestänge und die Wasserhaltung in Ordnung ist und der Bergmann ruhig und vertrauensvoll seine Schicht in der dunklen Grubennacht verfahren darf. Die Esse ragt hoch über die ganze Gebäudegruppe hinaus, ohne das Gesamtbild zu stören. Nein, im Gegenteil scheint sie den Eindruck noch zu steigern und zu erhöhen wie ein starkes Symbol. Sie ist der zum Himmel emporgereckte Zeigefinger der harten Faust der Arbeit, welche hier als festgeschlossenes Bauwerk über den Halden sich zusammenballt: ein Weiser aus dunkler Tiefe, durch harte Arbeit empor zur Höhe.

Um das Treibehaus herum lagern sich noch mehrere niedrigere Werkgebäude, welche einen Hof locker umschließen. Da ist das Maschinenhaus, das Kesselhaus, die Schneidemühle und der Zimmerschuppen. Mächtige Stämme von Buchen und Birken aus dem nahen Zellwalde lagern am Kesselhause, um für die mannigfachen Zwecke des Bergbaues verarbeitet zu werden. Eben kommt auf ächzenden Rädern mit schweren dampfenden Pferden ein Wagen mit wahren Urwaldsstämmen langsam daher und wohlgefällig prüft der Bergzimmerling ihr kerniges Holz. Drinnen im Schuppen arbeiten sie an der Herstellung von Gestängeteilen für die Wasserhaltung. Das ist Zimmermannsfeinarbeit, an der kein Tadel sein darf, da jeder etwaige Mangel sich bald durch Bruch im Betriebe rächt. Künstler der Axt gibt es dort, welche z. B. ungeheure Wellen mit der Axt aus freier Hand aus Stämmen zurechthauen und glätten, als hätte ein Drechsler auf überweltlicher Riesendrehbank sie feingedreht und ohne Fehl gerichtet.

Wir werfen einen Blick in das Maschinenhaus und bewundern die ungeheuren Seiltrommeln, auf denen die Seile zur Fahrt in die Tiefe sich auf- und abwickeln. Auf einer Art Pegel, dem »Teufenzeiger« neben der Maschine gehen Gewichte auf und nieder entsprechend der Auf- und Abwicklung des Seiles und zeigen genau an, in welcher Tiefe sich das Fahrgestell jeweilig befindet. Wir schauen auch in die schlichten Räume der Betriebsleitung in dem oberen Stockwerk des alten Treibehauses. Schöne Kristalle und Erzstufen, funkelnder Bleiglanz und Stufen mit gediegenem Silber, die hier zu Tage gefördert wurden, erzählen uns von dem, was unten in unerschlossenen Tiefen noch der Erlösung aus dunklem, schwerem Banne harrt. Ja, da fühlten wir die innige Bedeutung des Grußes Glückauf, des Glückaufs, das jubelnd einem guten Anbruch entgegengebracht wird, denn neue Arbeit, neuer Verdienst und Gewinn lacht mit dem blinkenden Erz der ganzen Belegschaft und auch »den Obern, die es recht gerne sehen«.

Glückauf! dem Steiger sei’s gebracht,

Sein Anbruch werde schön,

Daß es den Obern Freude macht,

Die es recht gerne sehn,

Wenn man ihn’n schöne Erze zeigt,