Sollen die Tiefen ihren vollen Reichtum erschließen, dann muß die modernste Wissenschaft und Technik unter Tage und über Tage ihre Kräfte entfalten und mit Beharrlichkeit und Treue auf Hoffnung und Erfüllung bauen, denn »Bergwerk will haben Verstand und eine getreue Hand!« –
Der Erzwagen, in dem das gewonnene Erz zur Verhüttung nach den nahen staatlichen Hütten in Halsbrücke geschafft wird, mit seinem geschlossenen Kasten auf den breiten Rädern, bespannt mit zwei kräftigen Pferden, hält vor der Tür. ([Abb. 20.]) Es ist ein charakteristisches Bild bergmännischer Art. Was dieser Wagen immer wieder davonträgt, ist in schwerer Arbeit dem heimischen Boden abgerungen und soll mit dazu dienen, unser Volk aus der Tiefe heraufzuführen zu Licht und Freiheit. Gegenwärtig werden nach Angabe der Betriebsleitung wöchentlich zweiundvierzig bis fünfundvierzig Kilogramm Silber und etwa fünf Doppelzentner Blei geliefert, wofür ein Gegenwert von 4200 bis 4600 Mark entsteht.
Abb. 19. »Alte Hoffnung Gottes« Kleinvoigtsberg. Der Häuer Pönisch
Schmerzlich ist es uns, daß doch vielleicht der Tag nicht gar so fern ist, daß auch diese Schätze der Tiefe, diese Quelle der Kraft nicht mehr genutzt werden, wenn nicht aus Mangel an Mitteln der Betrieb zu moderner Wirtschaftlichkeit umgestellt werden kann. Hier muß mit starken Mitteln eingegriffen und geholfen werden! Betrachten wir die Leistungen der Grube seit der Aufnahme des Betriebes im Jahre 1742, so hat sie bis zum Jahresschluß 1920 folgende Ergebnisse gehabt:
| 177 571,737 | Kilogramm Silber |
| 33 364,697 | Doppelzentner Blei |
| 64 168,329 | Doppelzentner Schwefel seit 1843. |
Leider sind in früheren langen Jahren Aufschlußarbeiten und planvolle Forschungen durch Querschläge unterblieben. Auch in neuester Zeit wird der wöchentliche Reingewinn von rund 1000 Mark nur erreicht, indem Aufschlußarbeiten ganz eingestellt und die dadurch gewonnenen Leute zum Abbau der anstehenden Erze in Doppelschicht herangezogen werden.
Abb. 20. »Alte Hoffnung Gottes« Kleinvoigtsberg. Erzwagen
Dieser Abbau ohne Vorsorge für weitere Zukunft, welcher schon in früheren Jahrhunderten so manche wertvolle Grube viel zu früh zum Erliegen brachte, droht auch hier der »Alten Hoffnung Gottes«, der letzten Silbergrube Sachsens Verderben zu bringen, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen und mit starker Hand eine neue Entwicklung nach oben geschaffen wird.