Abb. 18. »Alte Hoffnung Gottes« Kleinvoigtsberg. Streckenstoß in der vierzehnten Gezeugstraße an der Christlich Hilfe Stehenden, sechshundertfünfunddreißig Meter unter Tag.

Im Werk ist ein alter Bergmann, der alte Pönisch ([Abb. 19]), der einen besonderen sechsten Sinn hat, mit dem er einen guten Anbruch »an Silber und an Bleien reich« anscheinend zu wittern vermag. Er riecht das Erz! In der Unterwelt ist er zu Hause. In den Tiefen von 600 Meter und mehr unter Tag ist sein nächtliches Reich, wo er beim schwachen Lichtlein seiner Blende die Erzadern der Berge spürt und die Pulse der Tiefe fühlt, in denen das Leben der Grube quillt. Mit seinem faltenreichen grauen Pergamentgesicht voller Runen, den listigen Augen mit »Silberblick« und der gedrungenen Gestalt mit hängenden Schultern auf den kurzen Kurven der kräftigen Beine, gleicht er in seiner verwitterten Bergmannstracht, mit der Blende am Strick, einem der schlauen Zwerge der Unterwelt, welche die Schätze hüten, die Menschen bald narren und necken, bald ihnen zu Reichtum verhelfen. –

»Faltig wird des Bergmanns Miene,

Wenn er ab und zu nicht säuft.«

Das faltenreiche zerknitterte Gesicht des alten Pönisch wäre somit ein Zeugnis in Pergament für seine besondere Enthaltsamkeit und Nüchternheit, die sogar das »Ab und Zu« verschmäht! (?) –

So wertvoll solch findiger faltiger Gnom mit seiner Erfahrung und Witterung sein mag, so mancher schöne Anbruch, der »den Obern Freude macht«, ihm auch zu verdanken ist, so kann er doch nicht auf die Dauer die tatkräftige überlegte und nach wissenschaftlichen Grundsätzen durchgeführte Forschung und auch zu Opfern bereite Aufschlußarbeiten ersetzen.

»Gib Zubuß, arbeit’, wart’ dein Zeit,

Es kommt Ausbeut, die dich erfreut!«

Das ist der Hoffnungsspruch des echten Bergmannes.