Häng Küb’l und Seil!

Glückauf!

Die Streitlinde bei Königsfeld

Von Albert Gruhle, Rochlitz

Aufnahmen Hans Mitzscherlich, Rochlitz

Starker Sturm, der in der Nacht vom 9. zum 10. Februar dieses Jahres wütete, hat einem altehrwürdigen Naturdenkmale der Rochlitzer Gegend, der fünfhundertjährigen Streitlinde, argen Schaden zugefügt. Einer der breit ausladenden, weit über zehn Meter langen Äste, wurde von dem Hauptstamme losgetrennt und liegt nun, wie unsere Abbildungen zeigen, auf dem Boden. Nur an einer Stelle besteht noch etwas Zusammenhang zwischen Stamm und Ast.

Die Nachricht von dieser Zerstörung fand in der Bevölkerung allseitiges Interesse, und so lenkten viele ihre Schritte nach Königsfeld, um den beschädigten Baum aufzusuchen. Mancher hat auf diese Weise das erstemal von der Streitlinde gehört und sie gesehen, obwohl sie einen Hauptbestandteil des Landschaftsbildes ausmacht.

Wie und wann der Baum zu seinem Namen gekommen ist, läßt sich nicht nachweisen. Da die Linde im Grenzgebiet zwischen Königsfeld und Köttwitzsch steht, hat sie wahrscheinlich ihren Namen von einem alten Grenzstreit. Der Sage nach sollen sich dort zwei adlige Brüder bekämpft haben.

Willst du, geneigter Leser, den Baum aufsuchen, so wirst du ihn, sobald die Staatsstraße Rochlitz–Geithain die Königsfelder Höhe erreicht hat, links von dem Vorwerk »Heide« erblicken. Mit seiner mächtigen Krone macht er aus der Ferne einen stattlichen Eindruck, obwohl er eigentlich keinen entwickelten Baum darstellt. Der Stamm ist höchstens zwei Meter hoch. Offenbar ist die Linde in ihrer Jugend geköpft worden und hat nun die eigentümliche, wagerecht ausladende Astbildung aufzuweisen. Die Hauptäste zeigen zum Teil den Umfang von kräftigen Baumstämmen. Den Aufnahmen sieht es wohl niemand an, daß der untere Teil des Stammes einen Umfang von sieben Meter und siebzig Zentimeter hat. Es scheint so, als ob in früheren Zeiten auf den Ästen ein gelegentlicher Aufenthaltsort für Menschen gewesen sei. Wenn man den Erzählungen eines Landwirts aus dem nahen Köttwitzsch Glauben schenken darf, so soll unter der Streitlinde einst der Rittergutsherr seinen Frönern ein Fest gegeben haben als Dank dafür, daß sie ihm die Ernte gut haben einbringen helfen, ehe langandauerndes Regenwetter einsetzte.