Abb. 4. Die Streitlinde. Von Osten aus gesehen
Soweit die hauptsächlichsten Ratschläge zur Erhaltung des Baumes. Hoffentlich sind die Maßnahmen mit Erfolg gekrönt. Allerdings, die frühere Schönheit des Baumes ist für immer dahin. Man wird froh sein müssen, wenn der Eindruck auf [Abbildung 1] in Zukunft erhalten bleibt. Eine Mahnung an alle Naturfreunde, schon beizeiten zur Erhaltung der Naturdenkmäler beizutragen, ehe es zu spät ist.
Möge der altehrwürdige Baum noch viele Jahre hinaus dauern zur Freude des sinnenden Wanderers!
Vielleicht sieht sich mancher Leser der »Mitteilungen« durch diese Zeilen veranlaßt, seine Schritte einmal in die Rochlitzer Pflege zu lenken und unsern Schützling an Ort und Stelle aufzusuchen. Bietet er auch den Anblick eines alternden Greises, so erfüllt uns doch Achtung vor dem ehrwürdigen Alter der Streitlinde. Über der Mulde drüben kannst du dafür den herzerfreuenden Anblick eines kraftstrotzenden Baumes haben, der Zettlitzer Eiche, die seit 1914 unter Naturschutz steht.
Die »nackten Jungfern«
Von Albert Ficker, Harthau
Alljährlich, wenn die Schneeschmelze vorüber, lockt es mich zu einem Naturdenkmal, das weit und breit nicht seinesgleichen hat.
Die »nackten Jungfern« Drebachs haben es mir angetan. Die beiden Hänge des Drebacher Tales sind übersät mit lilaen Krokusblumen. Wer das erstemal diese vielen Tausende des Frühlingssafran, Crocus vernus, erblickt, ist erstaunt von der Pracht, die sich seinen Augen enthüllt. »Nackte Jungfern« nennt sie der Volksmund, weil zuerst nur die Blüte ohne jedes Blatt zum Vorschein aus dem nackten Boden kommt, der noch keinerlei Grün zeigt.
Drebach verdankt diese Seltenheit dem medizinkundigen Pfarrer David Rebentrost. Außer der Verwaltung seines geistlichen Amtes befaßte sich dieser Herr noch mit der Heilkunde, hatte er doch neben der Theologie auch Medizin studiert. In Joachimstal war er sogar einige Zeit Stadtarzt gewesen. Sein Laboratorium mußte er auf Anraten der Superintendentur, bei welcher 1673 anläßlich einer Kirchenvisitation Beschwerden über das Treiben des Pfarrers einliefen, verlegen. Er kaufte sich eine wüste Stätte und erbaute dort das heutige »Pfarrgut«. Hier richtete er sein Laboratorium ein und konnte nun dort seinen medizinischen Studien obliegen.