Hunderte strömen alljährlich nach Drebach, um sich an diesem Frühlingswunder zu erfreuen.

Daß aber diese Krokusse nirgends anders gedeihen, wie von Ortseinwohnern versichert wird, ist ebenfalls nicht zutreffend, was einzelne Versuche bereits widerlegen.

Wenn auch nicht die Gefahr besteht, daß die Krokusse durch Pflücken ausgerottet werden könnten, hat sich doch der dortige Erzgebirgszweigverein des Schutzes dieses Naturdenkmals angenommen. Besonders die Eibe und die doldige Vogelmilch, welche beide im östlichen Erzgebirge sehr selten sind, bedürfen der Erhaltung.

Wer aber Zeit finden kann, der pilgere an einem sonnigen Frühlings- oder Ostertag nach Drebach im Erzgebirge und weide sich an dem lilaen Teppich der »nackten Jungfern«.

Botanisches vom Krokus, insbesondere den Drebacher »nackten Jungfern«

Von Prof. Dr. Arno Naumann, Pillnitz

Mit Originalzeichnung des Verfassers und photographischen Aufnahmen des Herrn Joseph Ostermaier, Blasewitz

Die meisten Besucher Drebachs finden das holde Frühlingswunder der Krokusblüte so entzückend, daß sie sich gar nicht die Mühe nehmen, an einem zum Kauf angebotenen Sträußchen die Einzelblüte in ihrem reizvollen Bau zu betrachten. Wir haben eben gar keine Zeit mehr zu »beschaulichen Betrachtungen«, und müssen uns vor lauter Sorge um nötige Pflicht und lastende Not mit dem äußeren Schein der Dinge begnügen.

Einige Minuten aber wollen wir uns gönnen, um uns in die Blütengeheimnisse der Krokussippe versenken zu können. Da gibt es allerhand, von dem uns unsere Schulweisheit nichts träumen läßt.

Lange schon war die Blüte im Schoße der winterlichen Erde vorgebildet; schützend lag sie in der Spitze der Erneuerungsknolle geborgen. Es bedurfte nur einer Erwärmung der vom Schmelzwasser durchfeuchteten Erde, um die bereits fertigen Blütenknospen durch den erweichten Boden emporzuheben. Der vorher kurze Blütenstiel streckt sich durch sein von der Wärme angeregtes Längenwachstum und bringt die Blüte, gleichsam über Nacht, ans Licht. Die Sonne kleidet sie in das reizende Lila und küßt die Knospe wach, so daß die sechs zu einer dunkelvioletten Röhre verwachsenen Blütenhüllblätter – der Botaniker nennt sie Perigon – sich tulpenartig auseinanderspreizen. Wenn aber eine dunkle Wolke die Sonne längere Zeit verhüllt, ein verspäteter Schneesturm über die Wiesen jagt, oder sich der kühle Lenzabend herniedersenkt, schließen sich die Blüten wie in frostigem Schauer. Und doch vermögen die noch nicht erschlossenen, empordrängenden Blütenknospen so stark zu atmen, daß die gebildete Atmungswärme dünne Schnee- und Eisdecken zu durchschmelzen weiß: Per aspera ad astra!