Abb. 24. Schmelzhütten an der Zschopau bei Wolkenstein
Der im Jahre 1571 in einem hessischen Städtchen geborene Zeichner wurde kurze Zeit nach seiner Anstellung in Sachsen mit der Herstellung der Pläne und Anschläge für den Neubau des Riesensaales im Schlosse zu Dresden beauftragt. Er schlug vor: »zuförders oben in dem Bogen der stichbogig gewölbten Decke die kur- und fürstlichen auch gräflichen Wappen, unten aber in dem Fries die der kursächsischen und meißnischen Ritterschaft anzubringen, zunächst über dem Hauptgesims aber die Contrafukturen der vornehmsten Städte des Landes Meißen und des Kurkreises (eine jede nach ihrer Qualität) mit einem gebührlichen Emblemata condecoriret usw.« Die Vorschläge Dilichs fanden die Genehmigung und den Beifall des Fürsten, der auch alle die Wünsche und Forderungen bewilligte, welche seitens des Oberlandbaumeisters – diese Würde hatte ihm der einsichtsvolle Landesherr in Berücksichtigung seiner Verdienste als Zeichner, Architekt und Ingenieur verliehen – zwecks der Aufnahmen geäußert worden waren. Obwohl bereits fünfundfünfzig Jahre alt, erklärte sich Dilich, in dem der Trieb zum Wandern, Schauen und Zeichnen lebendig war, wie in seinen jungen Jahren, bereit, die Städtebilder selbst aufzunehmen. Im Frühjahr 1626 begann Dilich die Aufnahmen im Kurkreise. Im Jahre 1628 ist er im Meißner Kreis und im darauffolgenden Jahre »im Gebürg« (erzgebirgischen Kreise) und im Vogtland. Der kunstgeschickte Städtezeichner hat sich bei einigen Städten nicht mit der Herstellung eines »Abrisses« begnügt, er machte von Leipzig, Dresden, Torgau, Wittenberg zwei, drei und auch vier Aufnahmen. Noch erwähnen wir, daß der bekannte Verfasser und Herausgeber der »Obersächsischen Topographie«, Merian aus Frankfurt, zwanzig sächsische Städtebilder von Dilich nachweislich als Vorlage benutzt hat.
Abb. 25. Schinderei (Waldheim)
Abb. 26. Windmühlen
Zu unseren Mitteilungen über die Geschichte der Entstehung der Städtezeichnungen von Dilich, die wir auf Grund des von Dr. Krollmann verfaßten Lebensabrisses gaben, fügen wir noch den Hinweis, daß auf der im »Bilder-Atlas zur Sächsischen Geschichte« von Schmidt und Sponsel Seite 50 stehenden Abbildung des Riesensaales im Schlosse zu Dresden die Verwendung der Städtezeichnung bei Benützung eines Vergrößerungsglases sehr gut erkannt werden kann.
Es war eine einzigartige Betätigung des Heimatgedankens, über hundertdreißig kursächsische Städte, Burgen, Schlösser, Dörfer und Badeorte in künstlerisch ausgeführten Bildern wahrheitsgetreu an einer ausgesucht passenden und viel besuchten Stätte vorzuführen. Zwar fiel der Riesensaal im Jahre 1704 einer Feuersbrunst zum Opfer, aber während eines Zeitraumes von siebzig Jahren bot er doch ungezählten Besuchern die Anschauung hervorragender Sehenswürdigkeiten des durch landschaftliche Reize reich ausgestatteten Sachsenlandes. Welche vielseitigen Anregungen und welche wirksamen Belehrungen werden von diesem Bilderwerk, von dieser vorbildlichen Heimatkunde, ausgegangen sein! Unsere Gegenwart hat nichts aufzuweisen, das sich diesen farbigen Vorführungen Kursachsens Örtlichkeiten ebenbürtig an die Seite stellen könnte. In dem Wändeschmuck der Wartesäle des Dresdner Hauptbahnhofs, wo auf Porzellantafeln einige der wirksamsten Städtebilder des Königreichs Sachsen und die besuchenswerten schönsten Punkte des Landes eine künstlerische Darstellung gefunden haben, hat der Gedanke Dilichs, den er in der Bilderreihe des Riesensaales verwirklichte, eine Neubelebung erfahren.
Fußnoten: