Schauen wir einmal hinein in eines Parkes waldgrüne Nacht. Wie durchsonnte Vorhänge von gelbgrüner Seide hängen der Parkbäume Zweige herab, als wollten sie ein trautes Geheimnis hüten, daß es kein Auge der Welt sehen möge, oder wollen sie verwundete Herzen, die am Sterben sind, mit Lebensgrün überdecken wie des Kirchhofs Gräber? Ich weiß es nicht, weiß nur eins, daß es Sorge und zerschlagenes Glück in Hütte und Palast gibt und daß das Trümmerfeld der Hoffnungen nicht ein Eigengebiet des einfachen Mannes ist.

Abb. 4. Winzerhof bei der Friedensburg

Der Mond aber ist weitergewandert über den jenseitigen Bergen, und in den Büschen bei dem alten Winzerhaus ([Abb. 4]) schlägt eine Nachtigall. Singe, du kleiner feiner Sänger der Nacht, singe von Liebe und Frieden im Menschenherzen, singe von Glück und goldenem Leuchten, das trotz alledem doch tags und nachts über die alte Erde geht.

M. D. Pöppelmann und die Zwickauer Torbrücken

Von Regierungsbaumeister Dr. Weißbach, Holzminden

Wir leben jetzt in den Tagen, in denen der Name Pöppelmann uns besonders nahegerückt ist. Es geht um die Erhaltung des Dresdner Zwingers, des großartigsten Werkes dieses fürstlichen Baumeisters.

Während der Zwinger weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt und berühmt ist, sind andere Bauten Pöppelmanns teils weniger bekannt, teils vergessen, weil sie entweder nicht so bedeutend oder schon wieder verschwunden sind (Augustusbrücke). Manches kann ihm auch nicht mit Sicherheit zugesprochen werden. Viele kleinere Arbeiten sind naturgemäß überhaupt nicht bekannt geworden. So auch seine Vorschläge für die Torbauten in Zwickau.

Wie aus folgendem zu ersehen ist, erstreckte sich Pöppelmanns Tätigkeit nicht nur auf die Hauptstadt. Als Oberlandbaumeister hatte er auch auf andere Städte gewissen Einfluß. Das beweisen zwei wenig umfangreiche Aktenstücke[1] im Ratsarchiv der Stadt Zwickau. Es handelt sich um den Umbau der Stadttore.

August der Starke hatte ein selten feines Kunstverständnis und verband damit eine großzügige Art die Mittel für seine Bauten bereitzustellen. Auf diese Weise war Pöppelmann Gelegenheit gegeben, sein ganzes Können zu entfalten. Anders war es in Zwickau. Da konnte nicht so aus dem vollen gewirtschaftet werden. Und wenn schon einige Ratsherren Sinn für das Schöne hatten sowie den Wunsch, die Pläne Pöppelmanns durchzuführen, so wurden sie doch von den sorgsamer rechnenden Stadtvätern überstimmt. Die Vorschläge des Oberlandbaumeisters konnten der Kosten wegen nicht verwirklicht werden. Doch ist diese Tatsache insofern ohne Belang, als die Tore schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei Schleifung der Befestigungswerke und infolge der Ausdehnung der Stadt und der Steigerung des Verkehrs wieder verschwinden mußten. Aber in den genannten Akten sind uns die Zeichnungen erhalten geblieben. Der zugehörige Schriftwechsel, ergänzt durch die Beschlüsse in den Ratsprotokollen, eröffnet uns ein anschauliches Bild von der Tätigkeit und dem sicheren künstlerischen Urteil Pöppelmanns.