Abb. 9. Paulinerkirche. Blick auf die Orgel vom Chore aus
Die Paulinerkirche, die mitsamt dem umfangreichen Gebäudekomplex des dazugehörigen Klosters nach dessen Säkularisation 1543 an die Universität kam und seitdem als Universitätskirche dient, hat ihren letzten Umbau zusammen mit dem Neubau der Universitätsgebäude in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durchgemacht. Sie ist dabei im Inneren ihrem allgemeinen Charakter nach eine spätgotische Hallenkirche von etwas kleineren Dimensionen mit drei Schiffen und einem dreigeteilten Chor geblieben. Auch die Einzelformen, die sie durch die zwei letzten Bauperioden der Dominikaner erhalten hatte (um 1485 und 1520), sind im allgemeinen erhalten worden. Für die Beleuchtungsverhältnisse und die Raumwirkung des Langhauses ist es von Bedeutung, daß, wahrscheinlich im sechzehnten Jahrhundert, das obere Stockwerk über dem an die Südwand der Kirche anstoßenden Kreuzgangflügel als Erweiterung der rechten Empore in den Kirchenraum einbezogen worden ist. Die Emporen, die das Schiff auf drei Seiten umrahmen, stammen in ihrer heutigen Gestalt aus dem Beginn des achtzehnten Jahrhunderts, die prachtvolle geschnitzte Kanzel in frühem Rokoko aus dem Jahre 1738.
Abb. 10. Paulinerkirche. Kanzel von Valentin Schwarzenburger (1738)
Abb. 11. Paulinerkirche. Epitaphien G. T. Schwendendörffer (1685), M. H. Horn (1686), J. J. und H. E. Pantzer (1673)
Vor der Reformation war der Chor durch einen schlicht gehaltenen gotischen Lettner abgeschlossen, wurde aber bei Einrichtung der Kirche für den protestantischen Kultus gegen das Langhaus zu geöffnet. Damals ist auch der gerade erst wenige Jahrzehnte zuvor auf den Zwinger der Stadtmauer herausgeschobene Chorabschluß beseitigt und durch eine einfache Wand mit einem großen Fenster ersetzt worden. Die an die linke Seitenschiffwand angebauten Kapellen sind zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts abgetragen worden, und die zahlreichen Epitaphien von Angehörigen der Universität, sowie einige Denkmäler aus der Periode der Dominikaner hat man darauf zum Teil im Kreuzgange aufgestellt, zum Teil aber, so gut es ging, an den hohen Schranken angebracht, die den Hauptchor von den Nebenchören trennen. Dort bieten sie sich aber, in enger Folge aneinandergedrängt, dem Beschauer nicht allzu günstig dar. Das ist um so bedauerlicher, als sich unter ihnen hervorragende Werke aus fünf Jahrhunderten befinden, die mehr als lokales Interesse beanspruchen dürfen, angefangen von der buntbemalten hölzernen Statue des 1307 in Leipzig ermordeten Markgrafen Dietzmann, die mit dem heute vor dem rechten Nebenchor aufgestellten Sitzbild des heiligen Dominikus der bedeutendste Zeuge des hohen Standes der Leipziger Plastik im vierzehnten Jahrhundert ist. Aus den folgenden Jahrhunderten stammen schöne bronzene Grabplatten und Epitaphien in den strengen Formen der Renaissance und daneben in den kühnen, gewaltig bewegten des Barock. Der große Wandelaltar aus dem Beginn des sechzehnten Jahrhunderts ist neuerdings sorgfältig restauriert und ergänzt worden, und sein geschnitzter Hauptteil hat auf dem Altarplatz im Chor seine Stelle gefunden, während man die gemalten Flügel im Nordchor untergebracht hat.
Abb. 12. Paulinerkirche. Epitaph des Dr. Joachim von Kneitlingen (1553)