Gewidmet seinem lieben Freunde,
dem guten Jäger Forstmeister i. R. Paul Schneider
von Bernhard, Tharandt

Wald und Wild. Schon dem ähnlichen Klange beider Worte nach möchte man annehmen, daß Wald und Wild zusammengehören. Das Wild ist an den Wald nicht unbedingt gebunden. Wild ist in den Eiswüsten des hohen Nordens, in den Steppen von Asien, Afrika und Amerika vorhanden, ist in den Feldern und im Wasser heimisch. Dagegen ist der Ur- und Naturwald wohl nicht ohne Wild denkbar. In ihm hält das Raubwild das Wild, das sich von Pflanzenstoffen nährt, und dadurch bei Überhandnahme dem Walde schaden könnte, kurz. Es hält aber auch gleichzeitig den Stand dieses vom menschlichen Gesichtspunkt aus als Nutzwild zu bezeichnenden Wildes hoch, weil es Auslese trifft, alle schwachen und kranken Stücke des Nutzwildes vernichtet und nur die besten und schönsten Stücke zurückläßt, die dank ihrer hervorragenden Eigenschaften in der Lage sind, sich den Fängen des Raubwildes dauernd zu entziehen. Anders im Kunstwald, im Forste, im Walde der Gegenwart, im Walde unserer Gegenden. Seine Gaben muß der Mensch versuchen, sich nutz- und dienstbar zu machen, das Holz zu gewerblichen Zwecken, das Wild zur Volksernährung und nicht zuletzt zum menschlichen Vergnügen, zur Ausübung der Jagd. Das Raubwild im Nutzwalde hält der Mensch kurz, damit das Nutzwild sich ungehindert vermehren kann, so kurz, daß z. B. der Heimatschutz in Sachsen zugunsten verschiedener Raubwildarten hat eingreifen müssen, um sie aus unseren sächsischen Wäldern nicht ganz verschwinden zu lassen. Ich erinnere nur an den Baummarder, an den Uhu, an den Hühnerhabicht u. a. Dieser Schutz bekommt dem Nutzwilde aber nur dann gut, es entartet nur dann nicht, wenn der Jäger, der das Jagdrevier bejagt, wirklich Weidmann ist, nicht nur Schießer, sondern auch Heger. Wenn er beim Abschuß Zuchtwahl übt, alle edlen der Fortpflanzung würdigen Tiere erhält, alle der Fortpflanzung unwürdigen, schwächlichen und kranken Stücken aber der Kugel verfallen läßt, und wenn er dafür sorgt, daß dem Wilde auch jederzeit die zur vollkommenen Entwicklung nötige Äsung geboten wird. Diese Äsung aber immer rechtzeitig und vollwertig in unserem jetzigen Nutzwald zur Verfügung zu stellen, ist schwierig. Sehen wir uns unseren Wald in Sachsen an, meist besteht er aus dicht geschlossenen reinen Nadelholzbeständen. Der Boden ist bedeckt mit reiner Nadelstreu, kein Sonnenstrahl dringt zu Boden, kein Gräschen kann fern von der Sonne im dicken Nadelpolster gedeihen. Aus den Jungbeständen aber, die sich noch nicht geschlossen haben, in denen Sonne und Regen noch zum Boden können und wo noch Gras und saftige Kräuter sprießen, wird das Gras als Futter für das Vieh oder als Einstreu in die Ställe oder der Verdämmung der jungen Holzpflanzen wegen ausgeschnitten und verkauft, vielfach ohne Rücksicht darauf, daß mit der dauernden oder wenigstens häufigen Entnahme des Grases dem Boden Kraft entzogen wird. Auch die Laubhölzer, deren Blätter, namentlich im jugendlichen Zustande, unser Wild so gern äst, sind durch unsere Wirtschaft aus unserem Walde verdrängt worden. Ebenso ist die Mast von Eicheln und Buchen im dichten Stande des Kunstwaldes geringer, als beim raumen Stande des Naturwaldes. Wo soll da das Wild in unserem Walde die nötige Äsung hernehmen? Vernichtung des Raubwilds, Veränderung des natürlichen Zustandes des Waldes fordern, wenn das Nutzwild erhalten bleiben, gehegt werden soll, unbedingt sachgemäße Fütterung – neben weidgerechtem Abschuß –, vor allem aber dann, wenn das Wild, womöglich noch durch ein Gatter um den Wald am Austritt auf die Felder verhindert wird, sei es zum Schutze für die Felder, sei es zum Schutze seiner selbst vor den benachbarten Jagdeigentümern. Solche Fütterung aber kostet Geld, das uns mangelt, und entzieht unserem Volke außerdem mittelbar oder unmittelbar noch Nahrungsmittel, die wir so wie so schon zur Befriedigung des Bedarfs teilweise aus dem Auslande einführen müssen. Mit dem Mangel an Äsung, vor allem mit dem Mangel an Lieblingsäsung und an Abwechslung bei der Äsung gewöhnt sich das Wild aber auch Untugenden an, mit denen es dem Walde stark schadet. Im Kampfe gegen diesen Schaden kommt der Forstmann in Widerstreit mit dem Jäger. Der Forstmann sucht seinen Wald, der Jäger sein Wild zu schützen. Der Forstmann ist verpflichtet, aus seinem Walde bei möglichst sparsamen Aufwand an Kapital und Arbeit in möglichst kurzer Zeit dauernd möglichst hohe Werte herauszuwirtschaften. Dies Ziel zu erreichen, hindern ihn die Untugenden des Wildes im Walde, die sich besonders durch Schälen und Verbeißen der Holzpflanzen äußern. Das Wild schält dreißig bis vierzig Jahre alte glatte Fichtenstangen in Reichhöhe seines Geäses und den dritten Trieb von der Spitze her etwa zehn Jahre alter Kiefernjungwüchse. Die Schälstellen der Fichten verharzen und überwallen zwar wieder und der Baum selbst bleibt erhalten, aber er wird im Innern faul und im Ganzen wertlos, mindestens wird sein Wert stark vermindert. Bei den Kiefern stirbt der Baumteil oberhalb des geschälten Triebes meist ab und die Kiefer muß durch Aufrichten eines Seitentriebes einen neuen Schaft bilden, der natürlich nie so grade wie der ursprüngliche Schaft wird, sondern an der Abzweigung vom ursprünglichen Stamme stets eine Krümmung aufweist. Durch diese Krümmung wird der Stamm entwertet. Durch Verbeißen werden die jungen Pflanzen zum Teil ganz vernichtet, zum Teil so stark an der Bildung eines guten Schaftes behindert, daß ihre Entwicklung erheblich verzögert und ihre Erzeugung von Nutzholz wesentlich beeinträchtigt werden. Als Mittel zur Bekämpfung dieser Schäden am Walde durch das Wild stehen dem Forstmann zur Verfügung: Schutz der einzelnen Pflanzen durch Verwittern mit übelriechenden Klebmitteln und Umstecken mit Reisig oder Einzäunen der jungen Bestände, um das Wild am Zutritt zu den zu schützenden Waldteilen überhaupt zu hindern. Letztere Maßnahme beschränkt die Äsungsmöglichkeit des Wildes stark. All diese Maßnahmen kosten auch viel Geld. An Geld aber mangelt es uns jetzt in Deutschland. Wenn der Forstmann kein Geld aufwenden darf, für Mittel zum Schutze seines Waldes vor Schäden durch das Wild, wenn er keine Mittel bewilligt erhält, sein Wild im Kunstwalde reichlich und gut zu füttern, so bleibt ihm nichts anderes zu tun übrig, als die Zahl des Wildes in seinem Walde so weit zu beschränken, daß die in seinem Walde vorhandene spärliche Äsung zur Ernährung seines Wildstandes völlig ausreicht und der Schaden, den das Wild dem Walde zufügt, nicht mehr so stark wie bisher in die Augen fällt. Diese Maßnahmen sind um so nötiger zu einer Zeit, in der die Forstleute, wie gegenwärtig in Sachsen, bestrebt sind, dem reinen Nadelwalde wieder Laubholz einzufügen und in der jede junge Laubholzpflanze aber vom Wilde – vom Hasen bis zum Hirsch – als willkommene Abwechslung in der einförmigen Äsung des eintönigen Kulturwaldes betrachtet und vernichtet wird. So entsteht in unserer armen und dadurch nüchternen Zeit die Frage, wird der Schaden, den das Wild dem Kulturwald zufügt und der in Sachsen sich nach Millionen beziffert, aufgewogen durch die Rente, die die Jagd abwirft. Und hier setzt der Heimatschutz ein, mit der Antwort, bei der Verdrängung des Wildes aus dem Walde handelt es sich nicht nur um materielle, sondern auch um ideelle Güter; denn das Wild belebt den Wald, sein Anblick im Walde fördert das Waldbild und jede Verschönerung des Waldbildes wirkt erhebend auf das menschliche Gemüt. Die Hebung des Waldbildes durch Wild ist nur möglich, wenn es sich wirklich um »Wild«, um freies, edles, in Form und Bewegung schönes Wild handelt. Wild im Gatter, im Tierpark, überhegtes Wild, das auf Äsung aus Menschenhand wartet, ist kein Wild mehr, dessen Schutz sich der Landesverein Sächsischer Heimatschutz zum Ziel setzen darf und kann. Nicht jedem laut daherpolternden, singenden Wandervogel muß es vergönnt sein, draußen im Walde »viel Wild« zu sehen und womöglich gar ein Rehkitz in der Wiese zu finden, und anstatt es ruhig an seinem Platze zu belassen, es zum nächsten Forsthause zu tragen. Nein, nur der echte und wahre Naturfreund, der mit heiligem Schauer das Leben der Natur betrachtet, soll auf seinen stillen Morgen- und Abendgängen hier und da ein stolzes Stück Wild in freier Wildbahn über den Weg ziehen oder auf der Waldwiese am Bestandsrande äsen und den Kopf zur Sicherung aufwerfen sehen. Und so deckt sich auch meiner Ansicht nach das Ziel des Heimatschutzes gegenwärtig mit dem Ziel des Forstmanns und Jägers in unserem Kunstwalde: kräftiges, gesundes und edles Wild in der Zahl bis zu besseren Zeiten durchzuhalten, in der es unser Wald auch wirklich ernähren kann. Nur der wirkliche Naturfreund, nur der echte Heimatschutzmann werden von diesem Wild aber hier und da noch ein Stück zu Gesicht bekommen und sich an seiner Schönheit erfreuen, ebenso wie es der Weidmann tut, dem es darauf ankommt, nicht zu schießen, sondern sich mit den Gewohnheiten seines Wildes so vertraut zu machen und sich selbst so zu beherrschen, daß er trotz Unterlegenheit an Sehkraft und Gehör und trotz des Mangels des beim Wilde so stark ausgeprägten Geruchsinns stets der Überlegene bleibt. Die Freude am jagdlichen Erfolge steigt beim Jäger mit der Schwierigkeit, den Erfolg zu erringen. Auch beim Naturfreund wird sich die Freude, »Wild« zu Gesicht zu bekommen, mit der Seltenheit und Schönheit des Anblickes nur erhöhen.

Schloß Augustusburg als Reichsdenkmal für unsere im Weltkrieg Gefallenen

Von Otto Eduard Schmidt

Aufnahmen des Heimatschutzes

Der Gedanke, der Gesamtheit unserer im Weltkrieg Gefallenen unter Beteiligung des ganzen Volkes von Reichs wegen ein würdiges Denkmal zu weihen, lebt immer von neuem auf und ist trotz des für uns ungünstigen Ausganges des Krieges unabweisbar. Denn in welcher anderen Zeit hätte wohl das deutsche Volk, in Sonderheit seine Frontkämpfer, ein größeres, ergreifenderes und wirkungsvolleres Heldentum an den Tag gelegt? Aber unser Schicksal und unsere Lage ist derart, daß sie uns nicht zu einem stolzen und prunkvollen Neubau hindrängt. Aus dieser Empfindung heraus ist der Plan entstanden, eine unserer altberühmten Burgen zum Reichsdenkmal der Gefallenen zu weihen. Zu den Burgen und Schlössern, die dafür in Betracht kommen, ja sogar zu einer schon getroffenen engeren Auswahl unter denselben gehört auch unsere sächsische Augustusburg, und ein durch seine Vaterlands- und Heimatsliebe wohlbekannter Mann, Geheimrat Meinel auf Tannenbergstal in Sachsen, hat soeben in einer an den Reichsminister des Innern gerichteten Eingabe diesen Plan mit warmen Worten empfohlen. So wird er binnen kurzem die Öffentlichkeit beschäftigen. Deshalb hat mich der Vorstand des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz ersucht, in den »Mitteilungen« von den mir naheliegenden landeskundlichen und geschichtlichen Gesichtspunkten aus über das genannte Schloß und die darauf sich erstreckenden Pläne zu berichten.

Abb. 1. Vorhof der Augustusburg mit der Auffahrt

Abb. 2. Die Augustusburg mit dem inneren Tor