Mit tränenfeuchten Augen steht ein Häusler im kleinen Kirchhof, überblickt versonnen die Hügel: Oh, ihr Gewesenen, wüßtet ihr, wie’s steht im Landl. Nichts mehr gilt deutsche Meinung, Haus um Haus verliert das Dorf an fremde Art. Ein grausam Wort: Froh wird der Deutsche sein, als Ochsenknecht einst hier zu frohnen, an euren Hügeln nur wird deutschen Laut er sprechen dürfen. O qualvoll Schicksal: Zu sein ein Heimatloser in der eigenen Heimat!
Abb. 13. Kapelle in Grünwald
Mancher ahnte schon das Zukunftsbild, und mahnend hieß er seine Enkel treu zu bleiben deutschem Wesen. Nur gut, daß auch im weltfernen Schulhaus ein mutiger Mann den Kindern kernig deutsche Sprüche an die Wand hing. Sie mahnen Stund um Stunde: Flieht nicht! Bleibt treu der Heimat, treu dem Boden, den des Vorfahrs Schweiß genetzt! Habt starke Herzen, wenn friedloses Sein die Treue will zermürben und rastloses Bangen um ererbten Grund zum Schollenflüchtling drängt!
Und doch könnte es einen Einklang geben zwischen dem Deutschen und Tschechen, denn mancherlei gemeinsam haben beide Völker. Gemeinsam ist die Freude an den Tönen, gemeinsam ein mystisch Neigen zur Natur. Sitte, Brauch und Sage ähneln einander.
Freilich herrschen will der Slawe, seit ihm die Macht ward, Deutsche wie Ware zu verhandeln. Nur wenn gleichberechtigt die Deutschen neben den Tschechen schaffen können, dann wird ein friedlich Wohnen auf gleichem Boden möglich sein.
Wandere hinauf zu den Heimattreuen im Kammland! Wenn die Nebel wie ein Sorgenschleier die Hütten verhüllen, dann raste darinnen! Manch schlichtes Wort wird dir kundtun, wie tief diese Menschen durch Geschichte und Kulturgeschehen mit ihrem Ahnenboden verbunden, hüben und drüben. Achtung vor ihrem Ringen um Brot und Heimatboden wird dir kommen, wirst dann nicht gleichgültig weitergehen, wenn solche Herzen entdeutscht werden sollen.
Auf deine Art hilf stärken ihre Bodentreue!
Bedeutungswandel von Vor- und Familiennamen
Von Dr. phil. R. Trögel, Auerbach i. V.