37. Ruprecht, gleich den Nebenformen Rupert, Robert, aus ahd. hruod-beraht = der Ruhmglänzende (vgl. Bertha < Berchtha), begleitet als des Christkindleins getreuer Knecht dasselbe bei der weihnachtlichen Bescherung. Die Kinder fürchten die polternde Gestalt mit der Rute als den Rupert oder Rupperich, so daß der Name die allgemeine Bedeutung »Schreckgestalt« annimmt. Nach Eisels Sagenbuch des Vogtlandes werden da und dort gewisse schauerliche Waldstätten »Rupprechte« geheißen; ein solcher Rupprecht schließt sich nach Eisel an die Talschlucht Lerche bei Tscherma an und ist arg verschrien.
Die Koseform Rüpel < ahd. Rûpilo, Rûpo, war noch im 16. Jahrhundert, z. B. bei Fischart, Eigenname; als Familienname Rüp(p)el hat sie sich erhalten. Da der Knecht Ruprecht vermummt oder geschwärzt auftrat, mit grober Stimme redete und derb zuschlug, in den Weihnachtsspielen den Spaßmacher darstellte, nahm der Name die appelativische Bedeutung einer schwarz aussehenden Gestalt einerseits wie eines groben, ungezogenen Gesellen anderseits an. Wer von der Sonne verbrannt ist, sieht schwarz aus wie ein Riepel (Rüpel), die Mohren sind schwarze Riepel, und der Essenkehrer heißt im Erzgebirge und Vogtland, ohne daß dabei sein Benehmen getadelt wird, Feierriebel = Feuerrüpel. Auf der anderen Seite steht der Rüpel als der ungeschliffene Grobian mit seinen Rüpeleien. Abgeleitet ist das Tätigkeitswort rüpeln.
Die französische Koseform Robin < Robert ist zum Gemeinnamen des tölpelhaften Bauern geworden, der den Pfiffigen spielen will, im weiteren Sinne bezeichnet sie den Spaßvogel, in Sprichwörtern den Menschen überhaupt. Robinette ist der Name der Dienstmagd.
38. Susanne, hebräisch die Lilie. Man spricht auf Grund des biblischen Berichts von einer »keuschen Susanne« ebenso spöttisch wie von der frommen Helene. Die gekürzte Form Suse, die allgemein eine langsame, träge, träumerische Person (Mär-, Traumsuse) bezeichnet, aber auch andere tadelnswerte Eigenschaften hervorhebt (Heulsuse), wird häufig sogar auf männliche Personen angewendet. Mörike nennt im »Stuttgarter Hutzelmännlein« ein aufgeputztes Mädchen eine »Susanne Preisnestel« nach dem Saum (Preis) am Hemde und dem zum Einfassen gebrauchten Band.
39. Thomas, nach Joh. 20, 24 ff. der hartnäckige, erst durch den Augenschein überzeugte Zweifler wird zum Typus des Ungläubigen: ein ungläubiger Thomas.
40. Ulrich, Koseform Uz, wird in den Ra. »den Ulrich anrufen« = sich erbrechen und »Ulrich von der Feuerwehr« (letztere im Vogtland gebräuchlich für irgendeinen Menschen, der zum Spott herausfordert) verwendet. Von Uz wird auch uzen = foppen abgeleitet, wenn auch diese Herleitung nicht allgemein anerkannt ist.
41. Ursula, lateinischer Name = Bärin, appellativisch in der Form Ursel, Urschel für eine dicke Frau; französisch Ursèle ist die alte Jungfer oder die Magd.
42. Wenzel aus dem Slawischen ins Deutsche gedrungen; der Brogl = Wenz ist bei Mörike (Stuttgarter Hutzelmännchen) der Prahler (sich broglen = prahlen).
Vornamen dienten seit jeher als Glimpfnamen (Euphemismen) für Personen oder Wesen, die man aus abergläubischer Furcht nicht bei ihrem wirklichen Namen zu nennen wagte. Daß der Henker Meister Hans, Schnürhänslein, Peter oder Matz gerufen wurde, ist bereits angeführt worden, ebenso daß Kobolde und Wichte Heinzel- oder Petermännchen, Peterlein, Hollepeter, Chiemke (nd. Verkleinerung von Joachim), Wolterken (Walterchen) oder Nissen hießen. Der Name des Metalls »Nickel« entstand, wie Kobalt aus dem neckenden Kobold, aus der Bezeichnung des Bergdämons, der die Häuer äffte, indem er ihnen Kupfer vortäuschte. Der Tod ist Freund Hein oder Henn. Unendlich mannigfaltig sind die Bezeichnungen des Teufels, die er teilweise mit dem Henker gemeinsam hat: Hans, Hanske = Hänschen, Junker Hans, Grau- oder Grünhans, Hans vom Busch, Heinrich, Grauheinrich, Hinz, Kunz, Nickel, Großnickel, Marten oder Merten, Kaspar oder Käsperle, Dewes = Tobias, Rüpel, Stöffel oder Junker Stof = Christoph, Peterlein, Velten = Valentin unter Anlehnung an mhd. vâland usw.