30. Max < Maximilian, spätlat. Maximinianus, ist eigentlich der zum Geschlecht des Maximinus Gehörige. Volkstümlich wurde er besonders durch den »letzten Ritter«. »Max und Moritz« sind nach Busch zwei Musterknaben. Während des Weltkrieges entstand »Knallmaxe« als humorvoll-grimmige Benennung für die unaufhörlich schießenden Franzosen. Die Ra. »den Maxen machen«, bedeutet den Geprellten spielen. »Ein strammer Max« ist im Kaffeebaum zu Leipzig ein mit gehacktem Rindfleisch und einem rohen Ei belegtes Brot.

31. Mechthild, neben Mathilde veraltet, ist in der Kurzform Metze ein Schulbeispiel für die Bedeutungsverschlechterung: Aus dem stolzen Namen der Fürstin wird allmählich der überaus häufige Vorname von Bauernmädchen – in dem bereits erwähnten Personenverzeichnis des Lustspiels aus der Reformationszeit erscheint Metz als die Tochter der alten Genßhertin – die Pfaffenköchin und Lagerdirne und damit das verächtliche, feile Weibsbild überhaupt.

32. Michael, der biblische Erzengel, verschmolz bei den christlichen Germanen mit dem Schlachtengott Wodan, wurde darum in der Kurzform Michel – das ahd. Ew. mihil = groß, stark, mag mit eingewirkt haben – auf die deutschen Kämpfer übertragen und zur Bezeichnung der Deutschen überhaupt: Der deutsche Michel. Das Schlagwort hat mannigfache Wandlungen erfahren, ehe es seit den Freiheitskriegen zum Sinnbild des gesamten deutschen Volkes wurde. In der Reformationszeit galt es allgemein als Spottname für den einfältigen, tölpelhaften Deutschen, so daß es Stieler im »Teutschen Sprachschatz« Sp. 2277 durch idiota, indoctus erklärt. Diese Bedeutung lebt in der Gegenwart fort: Quatsch-, Heulmichel; Linkmichel (in der Kundensprache ein Handwerksbursche, der sich noch nicht aufs Fechten versteht). Nach Mörike (Novelle »Der Schatz«) wird im Schwäbischen ein Jüngling, der das weibliche Geschlecht ängstlich meidet, ein »kalter Michel« genannt. Vetter Michel, den Goethe mit überlegener Ironie malt, wenn er sagt: »Laßt den Witzling uns besticheln, glücklich, wenn ein deutscher Mann seinem Freunde Vetter Micheln guten Abend bieten kann,« ist das Urbild des deutschen Philisters. Sich anbiedern wird darum auch durch: sich vettermicheln, sich anmicheln gegeben. Michelei, Micheltum sind Neubildungen der letzten Jahre.

In der dichterischen Anschauung nimmt jedes Volk von ausgeprägter äußerer und innerer Eigenart persönliche Gestalt an. Das französische Volk wird durch Marie-Anne, das Weib aus dem Volke, versinnbildlicht, das nach Heine als Sinnbild der wilden, ungebändigten Volkskraft 1830 »eine fatale Bürde abwirft«. John Bull ist die Verkörperung der englischen Wesensart, am nächsten verwandt mit ihm ist der amerikanische Vetter Uncle Sam. Tommy, wie die deutschen Soldaten jeden Engländer nannten, ist der Schottländer, Paddy (Koseform von Patrik, dem Schutzheiligen der Insel) der Bewohner des grünen Eilands, Tom der Neger. Im Elsaß ist Méchel (Michel) der Spitzname der Deutschen.

33. Nikolaus, der Name des früh schon heilig gesprochenen Bischofs zu Myra in Lyzien, kommt schon bei Oswald von Wolkenstein im 15. Jahrhundert in der Kurzform Nickel als Personenname vor. Er verband sich frühzeitig mit der Vorstellung des Kleinen, Unbedeutenden, die aus dem bei Luther vorkommenden Gegensatz des kleinen Nickels zum großen Hansen hervorging. Deshalb bezeichnet man damit nicht bloß Kinder, im Schwäbischen eigensinnige Mädchen, sondern auch erwachsene Personen, die mit etwas Tadelnswertem, das den Wert des Menschen herabsetzt, behaftet sind: Gift-, Zorn-, Filz-, Gron-, Laus- und Notnickel, Sau-, Schweinnickel; Schinder-, Schimpf-, Rußnickel. Auch auf liederliche Weibspersonen wird Nickel angewandt. Hansnickel war um 1680 zu Mühlhausen in Thüringen der Scharfrichter.

Der heilige Nikolaus war der Schutzheilige der Seefahrer. Darum heißt der Matrose außer Jack auch Klas, häufig mit wertverminderndem Beiwort: grober, dummer Klas, Drömklas.

In der Adventszeit – der 6. Dezember ist sein Namenstag – kehrt der Nikolaus bei den Kindern ein, und sie beten: »Ach lieber Sankt Nikolaus, schütt doch den Sack voll Nüsse aus.« (Auch Knecht Niklas oder Pelznickel.) Wenn im Französischen Nicolas den einfältigen Dummkopf – auch in der Verkleinerungsform Colas – bedeutet, so ist sicherlich die lautliche Ähnlichkeit mit nigaud von bestimmendem Einfluß gewesen. Das weibliche Colette bezeichnet ein zimperliches Frauenzimmer (Zimperliese).

34. Oskar ist ein im Norden (Schweden) häufiger Name < Ansgar. Eine Person von zudringlicher Frechheit wird mit der Ra. »frech wie Oskar« charakterisiert. Der Name ist im Französischen zur Bezeichnung des Zuhälters herabgesunken, auf welchem Wege, deutet H. Taine an: Ossian avec Oscar, Malvina et sa troupe, fit le tour de l’Europe et finit vers 1830 par fournir des noms de baptême aux grisettes et aux coiffeurs.

35. Peter < Petrus wird in appellativischer Verwendung gleich dem Hans bevorzugt: Dummer, fauler, hölzerner, trauriger, langweiliger Peter, Heul-, Quatsch- oder Seich-, Schrei-, Märpeter, Lügen-, Dreck-, Karnickelpeter (Liebhaber von Karnickeln); Tran- und Traumpeter. Ein strubbliger d. h. zerzauster Kopf verhilft seinem Besitzer zur Bezeichnung Strubbelpeter, literarisch berühmt geworden als »Struwelpeter« durch den Dichter Heinrich Hoffmann. Chamissos Peter Schlemihl lebt auch unter denen, die die Dichtung nicht kennen, in der Ra. »Du bist mir ein schöner Schlemihl« fort. Wer dasitzt, wie Peter Bumm, ist völlig teilnahmslos. In sächsischen und thüringischen Gegenden wird ein schlechter Mensch als Peter Meffert verächtlich gemacht.

36. Philipp, aus dem Griechisch-Lateinischen stammend, abgekürzt > Lipp, Lips. Ein unruhiges Kind wird als »Zappelphilipp« oder Zappelliese getadelt. Der »Vater Philipp« ist in der Soldatensprache der Arresthausaufseher (vgl. Fockenkarl).