21. Konrad ist eine althochdeutsche Zusammensetzung aus kuoni = kühn und rât = Rat, als Name vornehmer Herren überaus häufig, daher mit Hinz zusammen in der Koseform Kunz allmählich zur Gattungsbezeichnung für den Bauern herabsinkend. Charakteristisch ist der Name des süddeutschen Bauernbundes »Der arme Konrad«, der fälschlich als »Kein Rat« gedeutet wurde. Für die Häufigkeit dieser und ähnlicher Vornamen und ihre typische Bedeutung spricht recht deutlich das Personenverzeichnis eines Lustspiels aus dem Jahre 1540 (mitgeteilt Z. f. d. U. 10, 395). Es führt folgende »Menner« an: Heintz der erst Schultheis, Contz sein son, Gotz der nachbeuren son, Seitz (< Siegfried) sein zechgesel, Ditz (< Dietrich).

22. Laban, in der Ra. »langer Laban« in Norddeutschland ein langer, aber schlaffer Mensch; in Schlesien ist dafür der Ausdruck »Labander« üblich.

23. Leonore, Lenore aus dem englischen Eleonore gekürzt, mit der weiteren Kurzform Lore. In Neustadt und in der Lausitz erhält ein in weiblichen Handarbeiten ungeschicktes Mädchen den Spitznamen »Pfefferlore«.

24. Lorenz, aus lat. Laurentius, verkürzt zu Lenz. Die Deutung Faulenzer als einen faulen Lenz, der bei Hans Sachs als »Der faul Lenz« vorkommt und zur Schreibung Faullenzer Anlaß gegeben hat, wird jetzt allgemein abgelehnt. Man sieht in der Tätigkeit faulenzen eine der für Süddeutschland charakteristischen Bildungen auf -enzen = nach etwas schmecken, riechen, aus der dann erst das Hauptwort Faulenzer entwickelt worden ist. Wenn aber eine tiefe Verbeugung »krummer Lorenz« genannt wird, so ist dabei an den Menschen zu denken, der sie ausführt.

25. Ludwig, der schöne altgermanische Mannesname, ist auch in der französischen Form Louis seit dem Sonnenkönig Louis XIV. in Deutschland außerordentlich häufig und hält sich in manchen Gegenden, so im Vogtlande, mit Hartnäckigkeit, obwohl er infolge der Sittenlosigkeit am Hofe der französischen Ludwige in seiner Bedeutung tief gesunken ist. Er bezeichnet den Zuhälter, in Frankreich insbesondere die Dirne, während für jenen die Namen Adolphe und Alphonse, wahrscheinlich literarische Typen, gebräuchlicher sind.

26. Magdalene, biblischen Ursprungs, eigentlich die aus Magdala am galiläischen Meer Gebürtige, verkürzt zu Lene, gilt in Frankreich als Gemeinname für gefallene Mädchen und solche von lockerem Lebenswandel.

Lene kann auch Kürzung aus Helene sein. »Die fromme Helene« ist ein durch Wilh. Busch geschaffener Typus.

27. Margarete ist im Mittelalter bereits außerordentlich verbreitet, so daß Margret, Grete eine weibliche Person schlechthin bezeichnen: Hans und Grete, eine faule Grete (Liese). Wie Marie < Maria, als Name der Gottesmutter während der mittelalterlichen Marienverehrung auf Millionen frommer Lippen, schließlich so gemein wurde, daß er verächtlich das derbe Bauernmädchen bezeichnete – noch jetzt wird die reiche altenburgische Bauersfrau in den angrenzenden sächsischen Gebieten als Bauernmärge (-marie) und ein plumpes bäurisches Mädchen auch in der Stadt als Bauernmieke (Koseform für Marie) verspottet, so gilt auch Grete, Grite oder Gritte als Gemeinname für ein boshaftes Frauenzimmer.

28. Martin, der Name des Heiligen, dem der 11. November geweiht ist. In Süddeutschland tritt der Pelzmärtel an die Stelle des Knecht Nikolaus oder Ruprecht; er heißt auch der gute Märtel. Meister Martin ist der mittelalterliche Sammelname für die Metzger.

29. Matthias und Matthäus < Mathis, Mathes > Matz in Hemden-, Hosen-, Spiel-, Tändel-, Plaudermatz oder in Verbindung mit einem den Familiennamen nachahmenden Übernamen wie Matz Fott = unmännlicher, feiger Mensch, Matz Pump = einfältiger Mensch oder Matz Klotz = derber, plumper Gesell; aus der bloßen Namensform Matz für einen einfältigen Menschen entwickelte sich die Verkleinerung Mätzchen zur Bezeichnung von Narrenspossen. Nach Schmellers bayr. Wb. bedeutet auch Hiesel < Matthias einen dummen Menschen; von dem Gemeinnamen wird die Tätigkeit hieseln = jemanden zum Besten haben, abgeleitet wie von Gabel, Gaberl < Gabriel gabeln = übereilt handeln.