12. Gottfried, Gottlieb und Gottlob sind gleicherweise, besonders aber die beiden letzteren, stark in der Wertschätzung gesunken, seit naive Frömmigkeit der Aufklärung als rückständig erschien. Die Kurzformen Fried, Lieb und Lob müssen es sich darum gefallen lassen, einen beschränkten, schwerfälligen Menschen zu bezeichnen, besonders in den Zusammensetzungen: Märlieb, Quatschlob. Ein Breilob ist mit Brei aufgezogen, darum ein schwächlicher Mensch ohne Saft und Kraft in Rede und Tat.

13. Heinrich, ebenso wie Konrad, mittelalterlicher Lieblingsname nach den zahlreichen Fürsten, die ihn im Laufe von mehreren Jahrhunderten trugen, hat eine ganze Reihe von Kurzformen entwickelt: Heinz, Hinz, Heinze, Heinzel, Hein, Heun. Nach Fr. L. Jahn war Hinz Blaufink der Anführer der Gassenbuben in den Hansestädten. Neben anderen Namen wurden die aus Heinrich abgeleiteten Kurzformen auf geisterhafte, dem Menschen freundliche oder feindliche Wesen übertragen: Freund Hein (der Tod), Heinzelmännchen. Die Soldatensprache kennt den Leichenheinrich = Lazarettgehilfe. Der Quasselheinrich ist ein Schwätzer, der Kulmuckenheinrich ein Kopfhänger und Eigenbrötler (Erzgeb.).

14. Jakob, ein hebräischer Mannesname von schwer festzustellender Bedeutung, erzeugt je nach der Betonung die Kurzformen Jäckel, Jockel (schweizerisch Joggeli) und Köpke. Wie man in Frankreich 1358 die aufständischen Bauern les jacques (les jacquiers) und die furchtbare Bewegung Jacquerie nannte, weil der Anführer Guillaume Caillet (Charlet?) den Beinamen Jacques Bonhomme führte, einen Namen, der den einfältigen Bauern, nach Larousse sogar das ganze französische Volk bezeichnete, so galt auch Jäckel im 16. Jahrhundert z. B. bei Fischart Garg. 73 als Gesamtbezeichnung für die Bauern, und zwar mit besonderer Betonung ihrer rohen Dummheit. Die Zusammensetzungen Pferde-, Hunde-, Tauben-, Bienen-, Bilderjokel oder -gokel, unter denen Liebhaber und leidenschaftliche Sammler zu verstehen sind, müssen wohl eher zu Gokel in der Bedeutung Narr gestellt werden. Albrecht führt für die Leipziger Gegend Jokel = Bursche, Kerl an. Der englische Name des Bereiters Jockey ist die Verkleinerung von Jock, das im nördlichen England üblich ist für Jack = Jakob.

15. Jeremias, der große jüdische Strafprediger, hat den Untergang seines Volkes in ergreifenden Liedern beklagt. Wie französisch Jérémie bezeichnet darum auch der deutsche Name verächtlich einen Menschen, der endlos klagt und jammert, einen Jammerlappen.

16. Johann, Johannes, der Name des Apostels, außerordentlich gebräuchlich und darum eine fast unübersehbare Fülle von appellativischen Bezeichnungen entwickelnd. Johann ist der Hausknecht, der Kutscher der Herrschaft, ebenso wie in Frankreich Jean, in England John und in Rußland Iwan. Die Koseform Hans lebt in Verbindungen wie: Hans im Glück, Hans in allen Gassen (oder in allen Hägen bei Reuter), Hans Dampf in allen Gassen – Titel einer Erzählung von Zschokke –, Hans Guckindieluft, Hansnarr, Hanskaspar (Dreikönigsspiele!), Hans Unvernunft, Hanswurst, die lustige Person, die in Jean Potage ihr französisches Gegenbild hat; das Mittelalter kannte Gaff-, Knapp-, Lauf-, Schnarch- und Prahlhansen; die großen Hansen waren die vornehmen Herren. Nur die Gegensätze Prahlhans und Küchenmeister Schmalhans leben jetzt noch fort. Ein langer Mensch ist ein langer Hans oder sächsisch ein Hansdromnaus (Hans oben hinaus) genannt; der alberne Hans hat nur Torheiten im Kopfe. Im Volkswitz hieß der Henker, dessen unehrlichen Namen man ebenso ungern aussprach wie den gefürchteten des Teufels, Meister Hans oder Schnurhänslein (neben Meister Peter oder Matz). Der hochdeutschen Form Johann entspricht die niederdeutsche Jahn, Jan in Janhagel, das als Spottname der Seeleute eine wie durch Hagelschlag zusammengebrachte Volksmenge bedeutet und von Bürger als Johann Hagel verhochdeutscht worden ist. Ähnlich beschimpften sich Bauern und Landsknechte gegenseitig als Hanst Mist und Hans Marter. Der Dummrian ist nichts anderes als ein Dummerjahn, wie aus der Schreibung dummer Jan in Seb. Francks Sprichwörtersammlung hervorgeht. (Die übrigen Hauptwörter gleicher Bildungsweise stellen eine satirische deutsch-lateinische Mischbildung der Humanisten dar: Grob-ianus, > Grobian, Schlendrian, Liedrian, Stolprian.)

Im Erzgebirge und den angrenzenden Gebieten nennt man einen Tierquäler einen Schinderhannes nach dem berüchtigten Räuberhauptmann Johannes Bückler. Mörike spricht im »Stuttgarter Hutzelmännlein« von einem einfältigen Menschen als von einem Hans Leand oder Leard, < Johann Leonhard und leitet davon die Tätigkeit, verhansleardlen mit der Bedeutung, »auf eine einfältige Weise verlieren, versäumen« ab.

17. Josef, unter einem »böhmischen Seff« versteht der Sachse allgemein den Böhmen, insbesondere den böhmischen Maurer.

18. Karl, latinisiert Cárolus, davon abgeleitet der weibliche Name Karoline > Karline, der als Schelte üblich ist, »so eine alte Karline!« Die Soldaten scheinen besondere Vorliebe für Karl zu hegen: Der Schellenbaumträger bei der Regimentsmusik heißt Bimmelkarl, der Arresthausaufseher Fockenkarl; die Sachsen nannten im Felde den Fahnenschmied Hufkarl. »Klebekarl« für den Gerichtsvollzieher ist nach Müller-Fraureuths Wb. der obersächs. und erzgeb. Ma. ein Dresdner Ausdruck.

19. Kaspar, Melchior und Balthasar waren die drei Könige aus dem Morgenlande, beliebt beim Volke seit den im 15. Jahrhundert aufkommenden Sternsingerumzügen. Kaspar war »der schwarze und der kleine«, von dem Goethe singt: »... und mag wohl auch einmal recht lustig sein«. Die Bedeutung spaltete sich: »Der schwarze Kasper«, unheimlich und gefürchtet, wurde zum Beinamen des Teufels; anderseits trat das Merkmal des »Lustigmachers« in den Vordergrund, so daß Laroche im 18. Jahrhundert dem wiederbelebten Hanswurst den Namen Kasper gab. Im Kasperletheater ist noch jetzt Kasperl den Kindern liebvertraut. Jeder närrische Mensch, der herumkaspert, erhält die Bezeichnung Kasper. Wer Suppe leidenschaftlich gern ißt, wird als Suppenkasper verspottet.

20. Katharine > Käthe, Kathrine, Trine. Die Koseformen haben wie die anderer weiblicher Vornamen – Trude, Trutschel, Trautschel < Gertrud, Liese < Elisabeth – meist wegwerfenden Sinn: Dumme Trine, Heulliese, Bauerntrutschel. »Das laufend Katterl«, »Die schnelle Katharina« und »Jungfer Kathrine« sind verhüllende Bezeichnungen und vielleicht als eine Art Schulwitz aufzufassen (Katarrh?).