Verwaiste Storchniststätten im Niederlande um Oschatz

Von Georg Dörfel, Calbitz b. Oschatz

Er ist ein seltener Gast bei uns geworden, Freund Stelzbein mit seinen leuchtenden deutschen Farben schwarzweißrot. So selten ist er geworden, daß das letzthin verwaiste Nest auf der Malkwitzer Friedhofslinde als ein Naturdenkmal allerersten Ranges galt, als eine Art Nationalheiligtum der Vogelwelt westlich der Elbe. Und doch waren früher die Störche bei uns bekannte Gäste, mit deren Rückkehr man im Frühjahr ebenso rechnete, wie mit der anderer Zugvögel. Die Chronisten bezeugen uns, daß früher das Storchengeschlecht über ganz Sachsen verbreitet war, mit Ausnahme des rauhen Obererzgebirges. Auch im mittleren Erzgebirge nisteten sie, in Gegenden, wo man sie heute vergeblich sucht. So lebten und brüteten welche bis ins siebzehnte Jahrhundert hinein in der Gegend von Schneeberg, wie ein Chronist Meltzer in seiner »Bergläuffigten Beschreibung der Bergstadt Schneeberg« aus dem Jahre 1684 erzählt. Krenkel berichtet dasselbe in seinen »Blicken in die Vergangenheit der Stadt Adorf« unterm Jahre 1862. Georg Fabricius erzählt in seinen »res misnicae« unterm Jahre 1564, daß der weiße Storch (ciconia alba) mit seinem Vetter, dem schwarzen Waldstorche (ciconia nigra), der heute nur noch ganz vereinzelt in Norddeutschland brütet, in den Elbauen ein guter Bekannter war. Was sagen die Chroniken aus dem nordsächsischen Flachlande über die Störche? Sie waren einst hier überaus häufig. In der Chronik der früheren Stiftsstadt Wurzen berichtet Christian Schöttgen, daß 1679 zu 1680 der Winter so warm gewesen ist, daß die Leute barfuß gingen und die Störche bereits am 19. Hornung wiederkamen. Hieraus sieht man, daß man mit ihrer Wiederkehr ebenso rechnete, wie mit der anderer Zugvögel, selbst in der alten Pleißenstadt Leipzig. Adam Friedrich Glasig bemerkt nämlich in seiner 1721 erschienenen »Geschichte des Hauses Sachsen«: »Störche pflegen absonderlich zu Leipzig in der Stadt auf den Dächern der Häuser jährlich zu hecken.« Johannes Kleinpaul erwähnt in seinem kulturgeschichtlich wertvollen Büchlein »Anno dazumal« unterm Jahre 1591 ein Nest an der Grimmaischen Straße nahe der Nikolaikirche, und noch 1830 soll nahe der Peterskirche in Löhrs Garten eine besetzte Niststätte gewesen sein. In der Mügelschen »Ehren- und Gedächtnissäule« aus dem Jahre 1709 berichtet der damalige Pastor Fiedler: »Anno 1621, den 28. Juli, ist eine ungewöhnliche und unzählbare Menge Störche hierher kommen / die jedermann mit großer Verwunderung angesehn / haben sich auf Kirche und Schloß niedergelassen / und kaum Raum zu sitzen gefunden. Man hat daraus ominieren und deuten wollen / daß man künftige Zeit würde Gäste ins Land bekommen / wie auch geschehen.« (Dreißigjähriger Krieg.) Aus all diesen Angaben ist zu ersehen, daß es vor zwei- bis dreihundert Jahren im Niederlande noch Störche genug gegeben hat. Der große Rückgang des Storchengeschlechts in Sachsen erfolgte zu Ende des neunzehnten und zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Im Jahre 1906 hat der Ornithologe R. Heyder noch zehn besetzte Nester in Westsachsen festgestellt, alle im Gebiet der vereinigten Mulde und Pleiße, sowie einige bei Oschatz. Rudolf Zimmermann ergänzt und erwähnt fürs Pleißengebiet welche in Regis, bei Berbisdorf, drei in Deutzen, zwei in Blumroda, weitere in Röthigen, Görnitz, Großzössen. Im Muldengebiet waren Storchnester in Großbardau bei Grimma, in Golzern, Gornewitz, Wäldgen, Kühren, in Burkhardtshain bei Wurzen nach meinen Erkundigungen sogar vier. Auch im Tieflande um Oschatz nisteten um 1900 und vorher noch eine Anzahl Störche. Durch Umfragen ist es mir gelungen, diese nunmehr verwaisten Niststätten zu ermitteln. Ich habe ihrer zwölf erfahren können, das Malkwitzer ungerechnet.

Als das älteste ist wohl das Nest von Görzig bei Strehla anzusehen. Nach Mitteilungen soll es bereits den ältesten Leuten des Ortes als Kindern bekanntgewesen sein. Angeblich stammt es aus dem Jahre 1840. Als Standort wird eine Eiche am sogenannten Eichberge angegeben. Als im Jahre 1907 ein Wintersturm das Nest herabwarf, bauten die Störche nicht wieder. Die Eiche selbst brach 1919 infolge hohen Alters zusammen. Noch jetzt sollen sich zeitweilig Störche auf den angrenzenden feuchten Elbwiesen aufhalten. Sicher sind es Gäste von preußischen Nestern, da ja diese Tiere oft sehr weit auf Nahrungssuche fliegen. Im Nachbardorfe von Görzig, in dem schon auf preußischem Gebiet liegenden Paußnitz, ist noch so ein beflogenes Nest. – Eine gleichfalls sehr alte Niststätte war in Lampertswalde an der sogenannten Winterseite des Ortes auf einem Eichbaum inmitten einer Wiese. Eiche und Niststätte sind verschwunden. Wann, ist nicht genau zu ermitteln, soviel ich herausbekommen habe, vor fünfzig bis sechzig Jahren. – In diesem Orte gab es noch zwei weitere Nester. Das erstere war auf einer Pappel des Gutsbesitzers Böhme (Nummer 21). Die Störche nisteten und brüteten hier von 1902 bis 1906. Einer starb in diesem Jahre. Im folgenden Jahre wurde das Nest nur von einem Tiere beflogen, das sich aber nicht paarte. Seit 1908 ist es völlig verwaist. – Die dritte Niststätte war auf dem Dache eines Seitengebäudes bei Gutsbesitzer Frost. – Zwei weitere Nester sind in Zaußwitz gewesen. Genauere Mitteilungen über diese verdanke ich Herrn Kantor Büttner, Zaußwitz. Das eine war bei Gutsbesitzer Oskar Kühne (Gut Nummer 32) auf einer Pappel, das andere auf einer Eiche bei Gutsbesitzer Hermann Kühne (Gut Nummer 45). Das Nest auf der Pappel ist 1897 errichtet worden. Die Störche brüteten bis zum trockenen Sommer des Jahres 1911. Die Folge der Trockenheit war eine entsetzliche Mäuseplage, so daß man diesen Nagern mit Phosphor zu Leibe rücken mußte. Die Alten und die schon hochgekommenen drei Jungstörche fraßen solche vergiftete Tiere und gingen daher ein. – Das Nest auf der Eiche von Gutsbesitzer Hermann Kühne hatte 1910 zum letzten Male Storchengäste, doch nur für kurze Zeit. Sie nisteten nicht wieder, weil der Horst schief hing und blieben schließlich ganz weg. – Zum Oschatzer Nest. Genaueres erfuhr ich durch Herrn Uhrmachermeister Lehmann. Die Niststätte war auf dem strohgedeckten Dache eines Hauses, das nahe Ecke Gartenstraße an der Viehweide, nicht weit von der Gasanstalt stand. Es gehörte einem gewissen Streubel. Die Störche brüteten dort von 1867 bis 1870. Als das Haus 1871 umgebaut und mit Ziegeln umgedeckt wurde, errichtete der Besitzer ein Wagenrad darauf, um so die Störche beim Horstbau zu unterstützen. Nach ihrer Rückkehr aus dem Süden siedelten sie sich aber nicht darauf an, obwohl sie sich zuweilen auf Dach und Wagenrad niederließen. Man hat das Paar oft auf dem alten Stadtturme hinterm Amtsgericht beobachtet. Im Jahre 1872 ist es nicht wieder gesehen worden. – Die Störche von Luppa. Sie nisteten lange auf der Brennereiesse des jetzigen Gutes von Rudolf Knoll, Wendisch-Luppa. Wenn dann in den Herbst- und Wintermonaten die kleinen Brennereien in Tätigkeit traten, wurde allemal der Horst durch ein großes, angefachtes Strohbündel weggeräuchert. Nach Mitteilungen des Herrn Gutsauszüglers Winkler, Deutsch-Luppa, sollen die Störche in den achtziger Jahren angeblich nach Malkwitz übergesiedelt sein. Möglich ist es, da die Malkwitzer Linde gerade in dieser Zeit infolge zu dichten Laubwuchses einmal verwaist war. – An der Westgrenze unseres Bezirkes war ein Nest auf dem strohgedeckten Dache einer Scheune in Göttwitz-Döbern. Errichtet 1862 oder 1863, mußte es 1879 entfernt werden, weil das schadhaft gewordene Strohdach durch Schieferdach ersetzt wurde. Neuerdings hat der Wirt der Pappelschenke in demselben Orte, Herr Höhne, auf dem Scheunendache eine Niststätte befestigt, in der Hoffnung, die auf den naheliegenden Wiesen sich aufhaltenden Störche darauf zu bekommen. Leider ohne Erfolg, wie er mitteilt. Wahrscheinlich sind die Gäste der bekannten Göttwitzsee-Wiesen unsere Malkwitzer Freunde.

In der Klostergärtnerei Sornzig entdeckte ich ein Wagenrad auf dem First eines kleinen Wirtschaftsgebäudes. Nach meiner Erkundigung in der Vogtei sollen hier seit zwanzig bis dreißig Jahren keine Störche genistet haben. – Eine Niststätte, die nur ein Jahr von Störchen besucht wurde, war auf einer Erle auf Lonnewitzer Flur. Herr Oberlehrer i. R. Marx teilt dazu mit, daß dieser Baum an einem aus dem Zöschauer Teiche abfließenden Bache nahe der Dresdner–Leipziger Staatsstraße gestanden hat.

Als das jüngste verwaiste Nest ist das von Lorenzkirch anzusehen. Die Störche errichteten es im Jahre 1915 auf einer etwas geköpften Pappel vor dem Gehöft des Gastwirts Förster. In den Jahren 1915 und 1916 sind fünf und drei Junge erbrütet worden. Leider wurde im letzteren Jahre kurz vor der Abreise nach dem Süden das Männchen von einem gewissenlosen Schützen abgeschossen. Das Weibchen erschien 1917 allein wieder und legte unbefruchtete Eier, die sie aber bald wieder abwarf. Eine stumme Anklage gegen den unvernünftigen Schützen! Bis 1921 wurde das Nest von einzelnen Störchen beflogen. Zur Brut kam es jedoch niemals.

Verzeichnis verwaister Storch-Niststätten im Oschatzer Land
Lfd. Nr.Name des OrtesPlatz der NiststätteJahr der Errichtg.Jahr der Verwaisg.Grund des Ausbleibens
1.Görzig bei StrehlaAuf einer Eiche am EichbergVor 18401907Abst. des Nestes d. Winterstürme
2.Göttwitz bei WermsdorfAuf Strohdach in Gehöft Nr. 3b1862 od. 631879Umdeckung des Daches
3.LampertswaldeAuf einer Eiche?Vor etwa 50 Jahren?
4.LampertswaldeAuf einer Pappel, hinter Gehöft Nr. 2119021908
5.LampertswaldeAuf dem First eines Seitengebäudes in Gehöft Nr. 36???
6.LonnewitzAuf einer Erle am Abflußbach des Zöschauer TeichesUm 1900?
7.LorenzkirchAuf einer Pappel vor Gehöft Nr. 20a19151921Abschuß eines Alten
8.Wendisch-LuppaAuf der Brennereiesse des Gutes Nr. 7a?Nach 1880?
9.OschatzAuf dem Strohdach eines Hauses Ecke Gartenstraße18671871Umdeckung des Daches
10.SornzigAuf dem First eines kleinen Wirtschaftsgebäudes im KlostergutVor etwa 30 Jahren?
11.ZaußwitzAuf einer Pappel bei Gehöft Nr. 3218971911Verendung d. Mäusegift
12.ZaußwitzAuf einer Eiche bei Gehöft Nr. 4518981910Verleidung des Nestbaues

Über die Gründe dieses raschen Aussterbens der Störche hat ja Klengel in dem Aufsatze »Unsere sächsischen Störche und Storchnester« in Band VI und VII der Heimatschutzmitteilungen genauere Ausführungen gemacht. Fremde und Heimat sind von Einflüssen nicht frei. Viele Tiere erliegen in den warmen Zonen Südafrikas nach dem Genusse vergifteter Heuschrecken. Weiter hat man in diesen Gegenden ganze Züge zu allen Zeiten des Jahres gesehen, was vielleicht mit einer klimatischen Verschiebung zusammenhängt. In der Heimat werden viele ein Opfer der Hochspannungsdrähte, sowie immer noch der Jagdleidenschaft mancher Jäger, obwohl Adebar für Deutschland bereits unter Schutzgesetz steht. Vielleicht liegt es daran, daß er in storchenreichen Gegenden, wie Mecklenburg, Pommern ab und zu Junghasen oder Gelege von Hühnervögeln aufnimmt. Die Ansichten über seine »Nützlichkeit« und »Schädlichkeit« gehen jedenfalls in Jagdkreisen weit auseinander. Um mit Schiller zu sprechen: »Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte«. Wir in Sachsen hätten allen Anlaß, ihn zu schonen. Als Hauptgründe des raschen Aussterbens im nordsächsischen Niederlande kommt wohl hauptsächlich die Entwässerung weiter Strecken Landes in Frage, wodurch ergiebige Nahrungsquellen versperrt werden. Dazu kommt weiter, daß ihm Rauch, Ruß und Fabriklärm, sowie neuerdings das Geknatter der Motorpflüge und Zugmaschinen der Landwirtschaft ungebetene Gäste sind. Ihm wird das friedliche Treiben vergällt, so daß er abwandert. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß auch auf der Reise viele umkommen. Professor Thienemann, Rossitten, hat nachgewiesen, daß viele Vögel mit völlig leerem oder fast leerem Magen fliegen, um schneller vorwärts zu kommen. Dieser Vorteil bringt Nachteile. Dem Kopfe und Hirn fehlt es an Blut. Das schwächt die Urteils- und Sehkraft, so daß die Tiere entgegentretenden Hindernissen wie Schiffstakelwerken, Zäunen, Bäumen oft nicht auszuweichen vermögen, so daß sie flügellahm niederfallen und verenden. Möglich ist es, daß dem männlichen Malkwitzer Storche in diesem Jahre auf der Rückreise ein ähnliches Unheil widerfahren ist, so daß schließlich das Nest verwaisen mußte, weil es das Weibchen nur noch beflog und schließlich ganz wegblieb. Ich habe das Nest noch nicht mit in der Zusammenstellung verwaister Storchnester aufgenommen, da ich hoffe, daß in diesem Jahre sich ein neues Paar einstellt. Über das Nest selbst, das gerade im letzten Jahre sehr vom Unstern des Glücks verfolgt wurde, noch etliche Bemerkungen, besonders über seine Geschichte.

Es ist alt und soll ursprünglich, bereits 1852, auf dem strohgedeckten Dache eines Gehöftes gewesen sein. Im Winter des Jahres 1873 starb die Besitzerin des Gutes, die diesen Tieren immer besonderen Schutz gewährte. Nach der Rückkehr aus dem Süden nahmen die Störche die alte Niststätte nicht an, sondern bezogen die hohe Friedhofslinde, die in unmittelbarer Nähe des Grabes ihrer Beschützerin war. Das mag zufällig geschehen sein, doch sah die Bevölkerung in diesem Tun ein Zeichen von Treue und Anhänglichkeit. Ein Beweis, welche Rolle der Storch im Volksglauben spielt. Jährlich sind im Nest zwei bis fünf Junge erbrütet worden. Einmal, in den achtziger Jahren, blieben die Störche aus, als die Linde oben recht zugewachsen war. Ein Schornsteinfeger stellte den Schaden ab, der ausgeästete Baum wurde im nächsten Jahr erneut beflogen. Die Jahre kamen und gingen. Die Linde wurde morsch, so daß man schließlich einmal ihren Sturz befürchten mußte. Da beschlossen 1923 die Kirchgemeindevertretung Malkwitz und Kircheninspektion Oschatz unter Teilnahme eines Vertreters des Heimatschutzes (Klengel, Meißen), am Firste des nahen Kirchendaches ein dauerhaftes Wagenrad zu befestigen. Der Plan wurde ausgeführt, der Storch nahm die Niststätte nicht an, sondern ging wieder nach dem altgewohnten Horst. Mir kam schon in dieser Sitzung der Gedanke einer Auszementierung der Linde, da ich aber nur als Gast zugegen war, machte ich davon keinen Gebrauch. In den Jahren 1923 und 1924 kamen zwei und drei Dunenjunge hoch. Sie wurden beringt und tragen die Nummern 11 741 bis 11 745 der Vogelwarte Rossitten. Einzelfragen über die Störche, wie Zugrichtung, Zugschnelligkeit, Heimat- und Nesttreue, Dauerehe usw. sollen durch solche Beringungen immer mehr geklärt werden. Anfang April 1925 kehrte das Malkwitzer Storchenweibchen zurück. Das Männchen blieb aus, so daß schließlich auch das Weibchen dem Neste fernblieb. Am 22. September trat nun das Unglück ein, von dem bereits in der Tagespresse berichtet wurde. Die morsche Linde wurde bei heiterstem Herbstwetter, sagen wir ein Opfer der Windstille. Der »Heimatschutz« ließ um diese Zeit einen Aufsatz durch sächsische Tageszeitungen gehen, betitelt »Erhaltung von Naturdenkmälern«. Der betreffende Mitarbeiter spricht da von der Malkwitzer Linde als einem herrlichen Naturdenkmal, um das wir ärmer geworden sind. Er fragt weiter, ob dieses beklagenswerte Ereignis nicht noch für eine lange Reihe von Jahren hätte aufgehalten werden können, wenn man rechtzeitig für eine zweckentsprechende Sicherung des Baumes gesorgt hätte. Zunächst ist da zu bemerken, daß der Baum an sich, man wolle mich recht verstehen, gar kein Naturdenkmal mehr war; denn einen Lindenstumpf, der seit drei Jahren nicht mehr ausschlug und so die Spuren sich verjüngenden Lebens an sich gezeigt hätte, kann man nicht als solches bezeichnen. Für die Sicherung des Nestes war bereits Anfang 1923, wie weiter oben erwähnt, etwas geschehen. In diesem Frühjahre nun will sich die Gemeinde ebenfalls wieder dafür einsetzen, daß sich ein Storchenpaar an der verwaisten Stätte niederläßt. Es wird an derselben Stelle von drei acht bis zehn Meter langen starken Stämmen eine Art Dreibock (/|\) errichtet und darauf ein Wagenrad befestigt. Ob die Störche das neue Heim annehmen? Wir hoffen es zuversichtlich. Freilich scheint es mir bald, als wäre die Zeit nicht mehr ferne, da es auch von den Störchen Sachsens heißt: Die Ruinen des einen braucht die allzeit wirksame Natur zum Leben des anderen. Die vielen verwaisten Nester reden eine zu deutliche Sprache.