Was uns dieses Werk aber besonders lieb und wert macht, ist seine Materialechtheit. Es ist aus Ton geschaffen und will nichts anderes vorstellen. Seine bunten Farben und die glänzende Glasur geben einen eigenen, seltsamen Reiz.

Abb. 3. Landesmuseum für Sächsische Volkskunst: Krippe von Burkhard-Ebe

Zweitens: Die [Krippe vom Bildhauer Burkhard-Ebe], die er gemeinsam mit seiner Frau hergestellt hat. Sie hatten ihre Kinder damit zur Weihnachtszeit erfreut, und nun erfreut sie im Museum alle Besucher. Die Figuren sind aus einer Tonmasse. Sie tragen aber stoffliche Gewänder, wie die Gestalten der Krippe von Hilda Schlüter, die schon seit Jahren dank der Freigebigkeit eines Gönners im Besitze unseres Museums ist. Ihr gegenüber hat die Neuerwerbung nun auch Aufstellung gefunden. Die blonde Maria, die ihr Kindlein sorgsam auswickelt, ist von wunderlieber Anmut. Joseph blickt zum Himmel empor. Rechts stehen die Könige. Der Mohr ist ein prächtiger Kerl. Eine Truhe, aus der die Geschenke für das Christkind hervorlugen, fordert ganze Aufmerksamkeit für sich. Zwei Hirten nahen betend, während der dritte seinen Dudelsack mit eifriger Hingebung bläst, um das liebe Jesulein zu ergötzen. Mit dem linken Fuße tritt er den Takt zu seiner Musik, die sicherlich alle erfreut. Im Vordergrunde sind die Schafe, die mit den Hirten gekommen sind und ihre Anteilnahme dem Stroh in der Krippe entgegenbringen.

Das Werk hat eine feine, farbige Wirkung. Besonders volkstümlich sind die Wacholderbäumchen, die mit ihrem dunklen Gezweig das Ganze abschließen und an das Weihnachtsgrün der Tannen gemahnen.

Es ist eine alte Überlieferung, Krippenfiguren mit Stoffgewändern zu schmücken. Ich erinnere an die reiche Krippenausstellung im Nationalmuseum zu München. Es kommt in dieser Sitte eine volkskundliche Anschauung zum Ausdruck, die wir z. B. auch bei den Marionettenfiguren und beim Kasperle finden, die ja bekleidete Holzfiguren sind. Es ist das Loslösen vom rein Bildhauerischen der hohen Kunst.

Ein Vergleichen unserer neuen Krippe mit der ihr gegenüber aufgestellten Schlüterschen Anbetung gibt zu vielen Betrachtungen Anlaß.

Ist letztere aus katholischer Art erwachsen – die Jungfrau Maria thront als Himmelskönigin mit hoher goldener Krone, der arme Zimmermann Joseph fehlt – so ist die Neuerwerbung protestantisch. Die Maria ist keine Königin, sondern Mutter, und der Joseph ist ihr Mann und deshalb zur Stelle.

Ich wollte eigentlich noch viel erzählen. Da fällt mir eine Erinnerung ein. Du mein Gott! wenn man älter wird, hat man Erinnerungen.

Ich war auf einem Volksfest und stand neugierig vor einer Bude. Der Ausrufer rief: »Hereinspaziert, meine Herrschaften, hereinspaziert! Innen können Sie alles genau sehen, was ich Ihnen erzählt habe!«