Angenehm zu lesen ist diese (etwa neunzig Seiten umfassende) Plauderei über volkstümliche Musik. Das Buch ist inhaltlich wertvoll; es regt an zum Nachdenken und ist verständlich für jeden Laien, der nach Bildung strebt. Billig ist es zu erstehen; und lustig ist er auch, der ehrliche Musikante! Was wollt ihr mehr?

Günther Lamm.

Richard Schlegel, »Die Vogelwelt des nordwestlichen Sachsenlandes«. Versuch einer Avifauna der Leipziger Flachlandsbucht, zugleich ein Beitrag zur Zoogeographie des Freistaates Sachsen. V und 274 Seiten mit 5 Bildnistafeln. Zu beziehen: Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24. Geh. 11.50 M.

Heimatschutz setzt Heimatkenntnis voraus und Naturschutz ist nur möglich, wenn wir die Natur selbst kennen und über das Vorkommen und die Bedingungen des Vorkommens ihrer Geschöpfe unterrichtet sind. Veröffentlichungen, die diese Kenntnisse fördern, dienen immer auch dem Heimat- und Naturschutz, und der Förderer und Freund der Heimat- und Naturschutzbestrebungen wird sich daher auch mit ihnen befassen müssen. Dies trifft auf ein Buch zu, das mir zur Beurteilung vorliegt und das der »Vogelwelt des nordwestlichen Sachsenlandes« gewidmet ist. Sein Verfasser, Richard Schlegel in Leipzig, ist kein Neuling in der wissenschaftlichen Vogelkunde und im ornithologischen Schrifttum durch manche fleißige Arbeit rühmlichst vertreten. Die Erforschung der Vogelwelt seiner zweiten Heimat – die Wiege Schlegels hat im Erzgebirge gestanden und erzgebirgisches Erbe wohl auch ist seine Freude am Vogel, die Liebe zum gefiederten Volk – ist ihm dabei immer Hauptzweck gewesen, zur Lebensaufgabe geworden. Ein ganzes langes Menschenalter hat er sich dieser Aufgabe gewidmet, und daß sie nicht vergebens gewesen ist, daß Schlegels Tätigkeit reiche Früchte getragen hat, bezeugt sein vorliegendes Buch. Es führt uns in die Vogelwelt eines Gebietes ein, in dessen Bild der in Sachsen in größerer Ausdehnung ja sonst fehlende, der Entwicklung eines reichen Vogellebens aber ganz besonders förderliche Auwald noch einen breiten Raum einnimmt und dessen Vogelbild sich daher auch in manchen wesentlichen Zügen auffallend von den anderer Gegenden unseres sächsischen Vaterlandes unterscheidet, Arten sein eigen nennt, die anderwärts entweder ganz fehlen oder doch zu den Seltenheiten gehören. Der naturschützerischen Fragen nachgehende aufmerksame Leser wird aus den Schlegelschen sehr gründlichen und ins einzelne gehenden Ausführungen bald auch den Einfluß der Kultur herausfühlen, den diese auf das ursprüngliche Vogelbild Nordwestsachsens bereits ausgeübt hat und der in einzelnen Fällen auch schon ein recht verhängnisvoller geworden ist. Machtlos stehen wir ihm meistens gegenüber – die Kultur läßt sich eben nicht zurückschrauben –, oft aber, so will es mir scheinen, könnten wir ihm doch noch Einhalt gebieten, könnten diese oder jene bedrohte Art retten. Nur dürfen wir uns nicht bloß in sentimentalen Klagen ergehen, nicht papierne Resolutionen fassen, sondern müssen handeln, den Stier fest bei den Hörnern packen und vor allem unsere Schutzmaßnahmen spezialisieren, dem Einzelfall Rechnung tragen und ihn nicht nach dem beliebten Schema F behandeln. Wir dürfen aber auch nicht davor zurückschrecken, zugunsten einer gefährdeten Art auch einmal ein paar Individuen einer nicht gefährdeten, häufigeren zu opfern. Die Nachtigall erhalten wir unserer Heimat nicht durch langatmende Zeitungsartikel und Vogelschutzgehölze, sondern einzig und allein durch die Pflege noch vorhandener, ihren Ansprüchen genügender Pflanzengemeinschaften und der Fernhaltung des der Nachtigall unwillkommenen lärmvollen übrigen gefiederten Volkes von diesen Stellen. Diese, mir hier nur so gekommenen Gedanken jedoch nur nebenbei, ich hoffe, sie später ausführlicher einmal bei einer anderen Gelegenheit behandeln zu können. – Dem Schlegelschen Buche wünsche ich die verdiente Verbreitung besonders auch unter den Lesern der Heimatschutz-Mitteilungen; des Verfassers auf die Arbeit verwandter Fleiß kommt besonders dem zum Bewußtsein, der zwei ähnliche, nach dem Schlegelschen Buche erschienene Arbeiten: »Krohns Vogelwelt Schleswig-Holsteins« und Genglers »Vogelwelt Mittelfrankens« kennengelernt hat – die »Vogelwelt des nordwestlichen Sachsenlandes« überragt beide um ein ganz gewaltiges, und in die Anerkennung der Schlegelschen Leistung darf sich daher auch die aufrichtige Freude des Sachsen über die vorbildliche Arbeit des Landsmannes mischen.

Rud. Zimmermann.

Mitteilungen des Vereins sächsischer Ornithologen. Sonderheft, der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft zur Feier ihres 75jährigen Bestehens dargebracht. VIII und 72 Seiten mit 3 Textkarten, 2 Notenbeispielen und 5 Tafeln.

Der 1922 gegründete Verein sächsischer Ornithologen, der seine Hauptaufgabe in der Erforschung der sächsischen Vogelwelt erblickt und auf diese Weise die wissenschaftlichen Unterlagen für ihren Schutz zu schaffen versucht, hinsichtlich dessen zielbewußter Förderung er sich mit dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz einig weiß – die gründliche und ja auch so erfolgreiche Bestandsaufnahme der heute noch in Sachsen horstenden Wanderfalkenpaare z. B. unternahm er mit Unterstützung des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz – konnte im verflossenen Herbst seinen bisherigen, der Vogelkunde Sachsens gewidmeten »Mitteilungen« eine umfangreichere Veröffentlichung angliedern: ein Sonderheft, das er der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, der ältesten sich der Vogelkunde widmenden Körperschaft des Erdballs, zur Feier ihres 75jährigen Bestehens widmete. Das Heft eröffnet eine historische Studie; Rudolph Zaunick untersucht mit der ihm eigenen Gründlichkeit »F. A. L. Thienemanns Anteil am Zustandekommen der ersten Versammlungen deutscher Ornithologen« und liefert damit zugleich auch die erste eingehendere Lebensschilderung Thienemanns, diesen bei weitem nicht nach Gebühr gewürdigten älteren sächsischen Vogelkundigen. Dem Zaunickschen Beitrag schließt sich eine, vielleicht gerade den Lesern der Heimatschutz-Mitteilungen besonders willkommene, Untersuchung von Hans Förster »Beobachtungen über das Vorkommen der Wasseramsel als Brutvogel in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz« an, in der der Genannte neunzehn Brutpaare, die sich aber wohl noch um eine Anzahl weiterer erhöhen werden, für unser Felsengebirge nachweist, eine Zahl, die zweifellos im Herzen jedes Vogelfreundes helles Entzücken auslösen muß. Faunistischer Natur, wie die Förstersche, ist auch die Erich Dittmannsche Arbeit »Zur Verbreitung des Brachpiepers in Ostsachsen nebst Mitteilungen über seine Lebensweise«, während Richard Heyder, der Sachsens Ornithofaun ist, dem wir ja die erste gründliche Gesamtdarstellung der sächsischen Vogelwelt verdanken, in einer Arbeit »Über die Durchzugsfrequenz nordischer Stelzvögel im Binnenlande« einer der heute umstrittendsten Zugsfragen, dem Zugstraßenproblem, zu Leibe geht und überzeugend nachweist, daß auch der Zug der Stelzvögel nicht straßenförmig, sondern in breiter Front verläuft. Mit der »Stimme des Fichtenkreuzschnabels« befaßt sich Bernh. Hoffmann, den Lesern der Heimatschutz-Mitteilungen durch seine zahlreichen Beiträge auch in diesen ja längst kein Fremder mehr, brutbiologische Arbeiten haben Richard Schlegel (Über ein bei Röhrbach-Belgershain gefundenes und irrtümlich als Rohrdommelei bestimmtes Ei der Stockente) und P. Bernhardt (Eine zweite Brut des Eisvogels), beides ebenfalls wieder bekannte Mitarbeiter an den Heimatschutz-Mitteilungen, sowie der Unterzeichnete (Beobachtungen am »Rohrsänger«kuckuck; ein Beitrag zur Kuckucksfrage) beigesteuert, während E. Mayr die Vogelwelt Sachsens mit derjenigen Vorpommerns vergleicht. – Das in sauberem Druck hergestellte Heft, das auf seinen fünf Kunstdrucktafeln außer einem Bildnis Thienemanns Naturaufnahmen von P. Bernhardt und dem Unterzeichneten bringt, dürfte seines reichen und vielseitigen Inhaltes wegen manchem Vogelfreund Sachsens, der dem Verein sächsischer Ornithologen noch fern steht, einen willkommenen Lesestoff bieten; es ist aus diesem Grunde vom Verein auch in erhöhter Auflage herausgegeben worden und für 3.— M. portofrei durch den Unterzeichneten (Dresden-A., Marienstraße 32) oder die Geschäftsstelle des Heimatschutzes zu beziehen.

Rud. Zimmermann.

Naturschutz

Göttliche Tat.