Bleiben ein paar Wertstückchen – Nippes, sagt man gebildet. Ich meine vornehmlich den kleinen Pavillon im Garteneck. Über die moosübergangenen Steine einer Mauer sieht man zur Zschopaurinne durch; vor einem aber steht ein romantisches Tempelchen. Es ist rund gebaut, mit dorerartigen Säulen und einer weißgestrichenen Holzbalustrade herum, mit großen Fenstern voll Stabwerkes zum Stübchen inmitten. Und das Stübchen ist ein kleines festliches Gemach. Ringsherum sind bunte Bilder über die Fenster und in die Nischen gemalt; sie stellen im wesentlichen die vier Jahreszeiten dar – der Geschmack zwischen Ludwig Richter und Runge spielend. Wer waren die Künstler zu dem allen? Dies hübsche Häusel verdient noch weiteren Ausbau.
Wandert man aber noch einmal die breite Kastanienallee zum Herrenhaus zurück, so stockt man vor zwei alten runden Säulen am Eingang. Dem Charakter nach sind es Überreste des 18. Jahrhunderts, aus der Gleim- und Höltyzeit, der Überlieferung nach freilich nicht. Bescheiden wir uns beim Rätsel!
Und steigen wir so, Gedanken im Sinne, vom Tale zur Höhe zurück. Lassen wir das erste Schokoladenwerk des Erzgebirges – die Himmelmühle ist es! – liegen in der beschaulichen Friedlichkeit seines Bezirkes von Arbeit und Lebensgenuß. Wir sehen über den spitzen Tannen den Erzgebirgshimmel in hellblauem Flusse, und weiße Wölkchen flattern darüber hin. Die Einsamkeit will uns wieder fangen, und einsam scheint auch das Stück Menschenwerk im Grunde, einsam in seine Traulichkeit gehegt. Nichts weiter als ein Blick Heimat, aber eben Gott sei Dank, trotz vergangener Anfechtung: Heimat!
Fußnote:
[6] Dieses ist das Schmerzenskind des Besitzers, das Gebäude befindet sich im Verfall. Man sollte meinen, daß es auch höhere Stellen bekümmern müßte, hier keinen Schandfleck entstehen zu lassen.
Bücherbesprechungen
Franciscus Nagler, »Ein lustiger Musikante« (Nummer 16 der Zellenbücherei im Verlage Dürr und Weber G. m. b. H., Leipzig-Gaschwitz).
Eine meist recht kindische Art Operette, die kunstlose Potpourriform der Kinomusik, Jazzbands, Schlagerlieder und Schlagertänze ohne Lebenskraft, nur einmal aufleuchtend und dann auf immer vergessen – wir wollen es deutlich sagen: das ist die Volksmusik von heute, die Musik, die das Volk aufnimmt. Kein Lied im Herzen; keine Melodie, die von Vater und Mutter zu Kindern und Enkeln weiterklingt! – Wir wollen versuchen, es besser zu machen und die Lebensfreude, die ja doch schließlich auch aus der gegenwärtigen Volksmusik spricht, in richtige, natürliche Bahnen zu lenken.
Das will der »Lustige Musikante«! Er ist uns daher herzlich willkommen! Heiteren Gemütes wird er uns vorgestellt. Er ist der rechte Musikante aus dem Volke mit dem reichen, warmen Herzen. »Er freuet sich mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden.« Von allem, was zu ihm in Beziehung steht, plaudert der Verfasser: von fahrenden Sängern, Spielleuten, Stadtpfeifern, Dorf- und Bettelmusikanten; dann vom Dorf- und Kleinstadtkantor, von der Kirchenmusik, den Gesang- und Musikvereinen. Ein lustiges Leben mit Sang und Klang! – Inmitten des Frohsinnes aber taucht mancher ernsthafte Gedanke auf. Jeder würde eine Besprechung für sich fordern. Daher kann an dieser Stelle nur auf einzelne hingewiesen werden. Tapfer sagt uns der Verfasser seine trefflichen Meinungen über moderne und klassische Musik, über Gelegenheits-, Schul- und Hausmusik, über Einfachheit und Natürlichkeit auf musikalischem Gebiete, über den Geschmack des Publikums, über die Notwendigkeit einer deutschen volkstümlichen Oper, besonders der komischen Oper und des Singspiels usw.