Abb. 5. Gasthaus Himmelmühle mit der neuen Talstraße
Und so ist aufgebaut worden in mühsamer, aber auch aufmunternder, erfreuender Arbeit. Der Dresdner Architekt Oskar Röhle, daneben der Dresdner Kunstmaler Paul Ricken, sind die verantwortlichen Werkmeister gewesen, und alle drei, Architekt, Maler und Bauherr, haben nach dem Grundgedanken geschafft, daß erst eine Wohnstätte für die Menschen, dann Wasser und Verpflegung und dann neuzeitliche Gesundheitlichkeit vorhanden sein müßten, ehe wieder Leben auf dem Himmelmühlhof einziehen dürfte. Wirklich, man ist betroffen, wenn man das fertige Werk betrachtet.
Überkommenes Stiltum ist mit neuem Stilverständnis erhalten und gepflegt. Die Baumeister von 1834 haben mit köstlicher Festigkeit gebaut. Wenn man die Mauern des Schokoladenwerkes sieht, in die zwei Kraftmeier von heute ihre Brüste hineinstemmen könnten, so durchfährt einen Freude: Gott, muß das warm sein hier im Winter! Die Fabrik ist mit schlichter Farbeneinstimmung ausgemalt; Kontor und Werkräume sind in stillen Farben gehalten. Aber durchgängig bewegt man sich eben nicht in Fabriknüchternheit, sondern in bäuerlicher Breite und Behaglichkeit. Und dabei herrscht doch Zwecksinn. Die Verarbeitung ist so geregelt, daß die Rohstoffe mit Fahrstuhl in das oberste Stockwerk gefahren und von da, je nach dem Fortschreiten der Behandlung, Stockwerk um Stockwerk tiefer gefiltert werden. Es geht alles durch Falltrichter; Menschen brauchen sich nicht abzuhetzen.
Abb. 6. Wohnzimmer im Herrenhause
Eine biologische Kläranlage versorgt jeden Bewohner mit den Grundvoraussetzungen neuzeitlicher Reinlichkeit. Eine helle Freude schafft der Anblick der Arbeiterwohnungen – z. B. im Kurzen Haus. In Riesenzimmern, riesenmäßig an Tiefe und Höhe, dabei so hell! liegen die Kinder in ihren Bettchen und schlafen sich stark in der gesunden Luft. Ich werde mich einmal aufmachen und forschen, wo es in der Großstadt eine gleiche Mittelstandswohnung gäbe; ich weiß schon im voraus: da forsche ich vergebens. Die Schule sieht sich von außen sehr sauber und fröhlich an, aber es darf leider zurzeit kein Schulunterricht darinnen gegeben werden. Das junge und rasch zunehmende Geschlecht muß erst groß werden. Eine besondere Beschreibung verdient dann das Gasthaus. Es ist in seinen drei Gaststuben mit wahrem Behagen als ländliche Pfleg- und Erholungsstätte aufgerüstet, bauernbunt an den Wänden, mit starken, hölzernen Tischen und derben Stühlen, dazu großen, hellen Fenstern. Hier verzehren die Arbeitsleute ihr Mittagbrot. Steigt man aber die Stiege hinan, so bekommt man mit den Fremdenzimmern eine pure Lustigkeit zu sehen. Jegliches hat seinen Namen erhalten; dem einen steht auf der Türe »’s Herzel«, dem andern »Himmelschlüssel«, einem dritten »Vuglbeer«. Innen enthalten die Zimmer immer die nötigen Wandmalereien. Sie schauen solchergestalt sehr lieb drein und locken zum Dableiben. Gewaltige Böden über den Wohnungen sind ein Besitz aller Himmelmühl-Häuser.
Abb. 7. Blick auf Warmbad Wiesenbad im Erzgebirge
Bliebe noch das Herrenhaus zu erwähnen, wenn man einiges andere wegstreichen wollte. Das Herrenhaus ist die Wohnung des Fabrikherrn. Es ist der eigentliche Adelsbau des ganzen, mit hohen, herrlichen Zimmern, von denen das Biedermeierzimmer ein Stück Liebhaberei verkörpert, indes die anderen im neuen Geschmack gehalten sind, ohne irgendwie Stil zu verleugnen.