’s is Feieromd, ’s is Feieromd,
Es Tochwark is vullbracht,
’s gieht alles seiner Hamit zu,
Ganz sachte schleicht de Nacht.«
Um diese Zeit, als er sich im »Tiroler« eine kleine Verkaufsstelle seiner Lieder eingerichtet hatte und des Sonntags oft mit einem Rucksack voll hinauszog über die Berge, floß reich der Liederquell in seinem Innern, wenn er mit Freunden aus fern und nah zusammensaß, dann rollte froh und heiter das alte österreichische Musikantenblut in ihm, dann ward wohl auch mal »derzehlt on Hetz gemacht bis oft nach Mitternacht«. Aber dann zog es ihn wieder hinaus in die heilige Ruh des Waldes, wo so »stad« der Wind weht – und das »Zäßichla« singt. »Ja frei ist der Mensch när do draußen in Wald«, wo »der Wilpertschütz hie dorch de Fichten schleicht« und im Dickicht die Schwämme sich verstecken. Dort draußen in der tiefen Einsamkeit stieg ihm auch einst aus seines Herzensgrund eines seiner lustigsten und volkstümlichsten Lieder: »Da Draakschenk«. Immer wieder kehrte er heim zum liebsten Erdenfleck, ins Vaterhaus zu den Seinen; denn sie brauchten ihn und seine Hilfe. Er fühlte, daß hier die Wurzeln seiner Kraft und seiner Lieder waren; nimmer vergaß er in Dankbarkeit das »arme Stüwel«, aus dem all seine Heimatsänge stammen.
Wie viele zogen von Gottesgab, Preßnitz, Reitschdorf und Kesselwald aus ihrer Heimat in die Fremde. Die Gabe der edlen Musika und das wanderlustige erzgebirgische Gemüt steckte in ihnen und trieb sie von Ort zu Ort, aber glücklich sind sie draußen nicht geworden. Vöglein, die sich in die Welt verflogen. Im Volksmund wurden die böhmischen Musikanten die »Fatzer« genannt. Mit dem Lammetierholz (Klarinette), der Harmonie, der Fiedel und dem Waldhorn zogen sie in fremden Städten, auf Jahrmärkten, unter fremden Menschen rast- und ruhelos umher, abgesprengt von ihrem Volkstum. – –
Im Gasthaus am Fuße des Fichtelberges, von den Einheimischen das »Neue Haus« genannt, ging es vor zwei Jahrzehnten schon immer lustig zu. Da sangen zur Fremdenzeit die alten Schubert-Leute, das »blinde Madl«, der Wolf Tonl und der alte, blinde Vater Lehnhardt. Aber was sie sangen, waren zumeist bayrische, Wiener und Tiroler Lieder. Wohl waren das frohe, muntere Weisen; das erzgebirgische Lied gab es damals noch nicht. Das hat als erster Anton Günther, der erste und beste Volkssänger des Erzgebirges, geschaffen. Bald verlangten die Fremden, die immer zahlreicher, selbst in sturmbrausender Winterszeit heraufkamen, nur noch die lieben, anheimelnden Sänge des Erzgebirges zu hören, sangen sie begeistert mit, trugen sie weiter und erhoben damit manches Gemüt, das durch das seichte Operettenlied schon angekränkelt war. Namentlich am Heimatorte des Dichters selbst erklangen sie aus allen Schankstätten. Wer erinnerte sich da nicht des kleinen »Annl«, im Tiroler, die dem Dichter alle seine Lieder ablauschte und so rührend auf der Gitarre den Gästen vortragen konnte? Musikkapellen und Harfinisten sangen sie auf ihren Reisen, so daß sie heute in ganz Deutschland und weit darüber hinaus bekannt sind. So ward Anton Günther mit seinen Liedern der Lobkünder seiner erzgebirgischen Heimat draußen in der weiten Welt, und der Segen kam von einem kleinen, schlichten Haus und kehrte wieder dahin zurück, ins Vaterhaus, einem »Hüttl, när aus Holz gebaut«.
Unweit davon hat sich der Volksdichter ein eigenes Heim geschaffen. Es ist ebenso schlicht wie das alte Haus, aber es ist umklungen von seinen Liedern. Wie oft kommen nicht eine fremde Wanderschar oder eine Schulklasse und singen vor seiner Tür das volkstümlichste seiner Lieder: »Wu da Wälder hamlich rauschen« oder ein paar alte Musikanten kehren heim und singen ihm: »Vergaß dei Hamit net«. Auch allerlei neugierige Leute tauchen hin und wieder auf, die da meinen, einen Dichtersmann mit der Brille, immer mit Büchel und Feder bewaffnet, zu sehen, und sie finden einen biederen, schlichten Erzgebirgler im Ehrenkleid des Werktags, der für Weib, Kinder und Heimatscholle schafft, getreu seinem Wahlspruch:
»Aafach on racht,
Gerod raus on net schlacht,