Die Wagen poltern durch den stillen Wald.

Da auf einmal tauchen hinter den Bäumen die Bauern auf, ihre Büchsen knallen los. Der Rauch verzieht – sie haben schlecht getroffen. Aber schon hat der Kornett den Anführer erkannt, ein wohlgezielter Schuß, und Michel Merkel sinkt verwundet zur Erde. Die Bauern überkommt ein Schreck, sie springen und fliehen in den Wald hinein. Die Fuhrleute hauen auf die Gäule ein, schnell rattern die Wagen davon.

Und nun ist’s wieder still.

Geraume Zeit vergeht. Die Bauern wagen sich heran, sie tragen den Schwerverwundeten ins Erbgericht. Keine Pflege hilft, am zehnten Tage danach ist er ein stiller, toter Mann. –

Wo jetzt am Ende des Dorfes das verwitterte Steinkreuz steht, dort soll es gewesen sein, daß Michel Merkel in seinem Blute gelegen hat. Ein Mordkreuz nennen es die Leute heute noch. Doch, wer weiß das so genau? Auch das Kirchenbuch des Dorfes berichtet von dem Kreuze nichts, nur hat der Pfarrer von damals eingetragen:

»1634 Mittwoch in der Marterwoche (war 2. April) gingen auf Begehren etliche aus unsrem Dorfe mit Musqueten auff Radeberg, etliche salzwagen aufzuhalten, damit sie nicht den Kaiserlichen zukämen. Darunter war auch Michel Merkel. Weil aber die Radeberger den Salzwagen beystunden und die Unsrigen meistenteils nicht stunden, ward Michel Merkel von dem Conovier der Salzwagen, so ein Kornett sein sollte, geschossen, an welchem Schusse Er den Sonntag Quasimodogeniti (war den 13. April) starb und wurde den 14. begraben.«

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei
Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden – Photographische Platten »Sigurd« und »Satrap«,
photographische, sowie kinematographische Aufnahme- und Wiedergabeapparate »Ernemann«
Photographische Aufnahmen: Max Nowak

Sächsischer Bauern-Kalender 1926

Herausgegeben von der Landwirtschaftskammer für Sachsen
Bearbeitet von Dr. Horst Höfer, Meißen
Bildschmuck von A. Weßner-Collenbey

Zum fünften Male nimmt der stattliche Bauern-Kalender seinen Weg hinaus in das sächsische Land. Was er bei seinem erstmaligen Erscheinen versprach, hat er treulich gehalten; er ist ein Kulturwerk geworden, auf das wir Sachsen stolz sein können. Der künstlerisch vollendet ausgestattete Kalender ist als Pionier des guten Geschmacks in das Bauernhaus gezogen, wo er vielfach der bevorzugte Lesestoff des Jahres ist, und hat dort die ärmlichen, ja oft erbärmlichen Kalendermachwerke früherer Zeit verdrängt und den Sinn für das Gute und Schöne geweckt. Aber nicht nur das! Der Bauern-Kalender ist auch ein treuer Pfleger des Schollenbewußtseins und der Heimatliebe. In jedem der vielen prächtigen Bilder von der Meisterhand A. Weßner-Collenbeys spiegelt sichs wieder: Wie schön ist doch unser liebes Sachsenland! Und aus jedem der zahlreichen, belehrenden und unterhaltenden Aufsätze klingts hervor: Wie reich ist unser Bauernland und wie kraftvoll und stark ist noch unser Bauernstand, der Urquell unserer Volkskraft. Nicht nur der Landmann wird seine Freude an dem prächtigen Kalenderbuche haben, jeder Freund des ländlichen Sachsens – und wer wäre das nicht! – wird sich mit hohem Genuß hinein vertiefen. Daß die Auswahl des Stoffes und die ganze Zusammenstellung und Ausstattung des Kalenders nichts zu wünschen übrig lassen, war nach dem, was die früheren Jahrgänge geboten haben, nicht anders zu erwarten.