Das Bild auf den Poppitzer Brakteaten gibt nun Aufschluß, wo deren Prägestelle zu suchen ist. Nicht allzuweit vom Fundplatz weg. Im zwanzig Kilometer entfernten Meißen. Dort sind sie in den Jahren 1208 bis 1258 von den Bischöfen Bruno II. (III.) 1208 bis 1230, Heinrich 1230 bis 1240 oder Konrad 1240 bis 1258 geprägt worden. Sie gehören mithin zu den älteren Brakteaten, die sich vor den späteren durch ihre Größe, ihre Schönheit (namentlich die selteneren bischöflichen) und durch ihre bessere Prägung auszeichnen. Die hundertsechsundachtzig Münzen, ganze und geteilte, des Poppitzer Fundes zeigen mit nur einer Ausnahme eine auf einem oder zwei Bogen sitzende Figur, den Meißner Bischof, der in den Händen je ein kirchliches Symbol hält, z. B. einen Krummstab ([Abb. 2] Nr. 4, 15 und 20), eine Hostienschachtel (?) (Nr. 5, 10 und 28), ein Patriarchalkreuz (Nr. 1, 19 und 34), ein Malteserkreuz (Nr. 1, 19 und 29), einen Stern (Nr. 11 und 14), ein Kugelkreuzszepter (Nr. 6, 24 und 25), ein Lilienszepter (Nr. 3, 5, 6, 7, 8, 12, 13, 14, 22, 26, 27, 33 und 35), ein Lilienszepter mit Doppelkelch (Nr. 9 und 23), ein Lilienszepter mit Kreuz (Nr. 3, 4, 8 und 21) und eine Fahne (Nr. 2, 30 und 31). So ergeben sich fünfzehn verschiedene Sorten ganzer Brakteaten, denen die zerteilten entsprechen. ([Abb. 2.])
Eine Sonderstellung nehmen die Brakteaten Nr. 16 und 17 ([Abbildung 2]) ein. Sie tragen Schriftzeichen. Die auf Nr. 16 ließen sich entziffern als DId ——D (?) GIIII. Es ist fraglich, ob sich diese Schrift auf den Markgrafen Dietrich den Bedrängten (1195 bis 1221) oder auf den Bischof Dietrich II. von Meißen (1190 bis 1208) bezieht.
Sicher nicht bischöflichen Ursprungs ist der Brakteat Nr. 17. Die Kronen und die Löwenköpfe in den Winkeln des Kreuzes und die Schrift MONETA DOMINI IMPERATORIS weisen auf den Kaiser Otto IV. (1209 bis 1215) hin.
Der Gußkuchen, der erst für einen gewöhnlichen Bleideckel gehalten wurde, wiegt vierhunderteinundvierzig Gramm und besteht, wie die chemische Untersuchung ergab, aus fast reinem Silber, dem nur eine winzige Menge Kupfer und Eisen beigemengt sind. Seine Höhe beträgt 9,5 Millimeter, sein größerer Durchmesser 8 und sein kleinerer 7,2 Zentimeter.
Bedenkt man, daß nach der sich in den Städten allmählich durchsetzenden Kölner Gewichtsordnung das Pfund vierhundertsechsundsechzig Gramm wog und die Hälfte, zweihundertdreiunddreißig Gramm, eine Mark betrug, daß der Poppitzer Fund ein Metallgewicht von fünfhundertsechsundfünfzig Gramm besitzt, also knapp 2,50 Mark Wert darstellt, und bedenkt man, daß man schon Funde bis zu fünftausend Stück Brakteaten gemacht hat, so ist der Poppitzer als ein kleiner zu betrachten. Doch er ist für unsere Riesaer Heimat und auch für unsere sächsische Heimat von um so größerer Bedeutung. Zum ersten Male gelang ein solcher Fund in unserer Gegend, der aus unserer heimischen Diözese Meißen stammt. Er kann geschlossen, Topf, Silberbarren und Brakteaten in unserer Heimat von der Allgemeinheit betrachtet werden. Das ist der Einsicht und dem Opfersinn der Gemeinde Poppitz zu verdanken, die den Fund in anerkennenswerter Weise dem Riesaer Heimatmuseum spendete.
Vom Steinkreuz bei Großerkmannsdorf
Von Th. Leuschner, Dresden-Loschwitz
Nicht weit vom Dorf an der Straße nach Radeberg lauern bewaffnete Männer, Bauern aus Großerkmannsdorf. Der Wald verbirgt sie. Michel Merkel, der Erbrichter, ist ihr Führer. Der hat in der Frühe erkundet, ein Trupp kaiserlicher Soldaten käme mit ein paar Salzwagen aus Radeberg. »Ihr Bauernschinder! Euch wollen wir’s geben! Ihr habt uns genug geplagt! Soldatenblut für Bauernblut!«
Sie lauschen. Still bleibt’s im Wald, auf der Straße.
Die Kaiserlichen sind noch ein ganzes Stück davon. Aber auf ihrer Hut sind sie! Der Kornett hat sein Pistol geladen in der Faust. Vom Pferd herab überschaut er die Straße. Nichts, was verdächtig sein könnte! Er hängt den Gedanken nach. Heute früh war er mit ein paar Musketieren nach Radeberg gezogen, Salz sollte er auf Befehl ins Lager bringen. Hier an der Grenze zwischen der Lausitz und Kursachsen war dafür Stapel- und Zollstätte. Nur wenige Vorräte waren dagewesen. Ein paar Bürger hat er aus Vorsicht gezwungen, mit Musketen bewaffnet die Wagen zu begleiten.