Wermsdorf und seine Schlösser
Von Hugo Krämer, Wermsdorf
Aufnahmen des Heimatschutzes
Wermsdorf, du Perle des Oschatzer Niederlandes, nicht mit Unrecht hat dich der Volksmund so bezeichnet! Rauschende Wälder, im Sonnenschein glitzernde Seen umrahmen dich. Über dir, auf sanft ansteigendem Hügel, grüßt die majestätische Hubertusburg, und unten im Tale träumt das alte Jagdschloß, umgeben von alten, hochgiebligen Häusern und dem idyllischen Schloßpark, seinen Dornröschenschlaf. Die Linde im Schloßhofe, der melodisch plätschernde Brunnen, sie wissen mancherlei zu erzählen von vergangenen Zeiten, Zeiten des Glanzes und Zeiten der Not, von fürstlichem Jagdgepränge und rauhen Kriegswirren. Ja, du liebe, traute Linde! Wie oft habe ich sinnend unter deinen breithängenden Zweigen gesessen! Und dann sind all die Bilder vergangener Tage an meinem geistigen Auge vorübergezogen.
Abb. 1. Schloß Wermsdorf. Nordflügel. (Vorderansicht.) Rechts unten König-Albert-Denkmal
Vierhundert Jahre zurück! 1523 war es, als die beiden Brüder Dietrich und Ernst von Starschedel neben Mutzschen auch mit Wermsdorf belehnt wurden. Da, wo heute die Pferdeställe des Jagdschlosses stehen, erstand ein Herrenhaus mit Getreidehaus, Scheunen und Stallungen, umgeben von einem Wallgraben und blühenden Gärten. Ein ansehnlicher Bau, der so manchen Edelsitz seiner Zeit in den Schatten stellte. Jedoch nicht lange erfreuten sich die von Starschedel ihres Besitzes. Kurfürst August I., gewöhnlich »Vater August« genannt, war von seinem Regierungsantritt an bemüht, die Staatseinkünfte durch Errichtung von Kammergütern und Erwerbung von Wäldern zu vermehren. So kaufte er auch 1565 das Rittergut Wermsdorf samt dem zugehörigen Wald, der damals einen Flächenraum von etwa dreitausend Ackern einnahm. Später wurde der Waldbesitz mehr und mehr vergrößert, und diesem Walde verdankt Wermsdorf dann auch die Rolle, die es in der sächsischen Geschichte gespielt hat. Denn wie das Leben am sächsischen Hof ohne Jagd nicht denkbar war, so ist diese wiederum in Sachsen mit dem Namen Wermsdorf aufs engste verknüpft.
Abb. 2. Schloß Wermsdorf. Rechts Ostflügel, erbaut 1618. Mitte Nordflügel, erbaut 1608. Links Stallungen: Hier stand das ehemalige Starschedelsche Herrenhaus, das 1721 wegen Baufälligkeit abgetragen wurde
Schon August I. kam oft nach Wermsdorf, um dem edlen Weidwerk obzuliegen, und der rein bäuerliche Ort – es gab damals hier zehn Pferdner und vierzehn Gärtner – sah von da ab des öfteren hohe Gäste. Bald erwies sich das Starschedelsche Schloß zur Aufnahme des Kurfürsten und seines Gefolges als zu klein. Deshalb ließ er 1574 da, wo jetzt die Oberforstmeisterei steht, ein neues Jagdhaus aufführen, wahrscheinlich lediglich zur Unterbringung des Jagdgefolges und Personals. Doch genügte auch das nicht auf die Dauer. Die Nachfolger Augusts, Christian II. (1591 bis 1611) und Johann Georg I. (1611 bis 1656), die gleichfalls eifrige Jäger waren, stellten höhere Ansprüche. Der Bau eines größeren Schlosses war geplant und wurde auch schon 1608 begonnen. Dabei mußten die Bauern des Ortes und der Umgebung Frondienste leisten. Sie fuhren Ziegel von Trebsen und Püchau an und erhielten nur während der Ernte vierzehn Tage Urlaub. Im Dezember 1610 wurde das neue Jagdschloß durch den Bauleiter Steger (den Bauplan hatte Baumeister Simon entworfen) übergeben. Noch stand nur der heutige Nordflügel. Er enthielt im Erdgeschoß, außer Flur und Küche, des Kurfürsten Stube als Versammlungsort des Gefolges mit zwei Kammern, die Stube des Jägermeisters v. Ziegesar mit drei Kammern und Vorgemach, im Obergeschoß, das von Holzwerk mit Ziegeln durchsetzt war, Stuben und Kammern. Die Einrichtung war äußerst bescheiden; denn als Inventar werden angeführt Decken mit eingeschobenen Tafeln, an den Wänden hinlaufende Bänke, Kleiderrechen, wenig Tische, ein Himmelbett des Kurfürsten und Spannbetten für das Gefolge. Bald wurde auf Befehl des Kurfürsten das Obergeschoß massiv aufgeführt und zwei neue Flügel angebaut. 1626 war das Schloß in seiner jetzigen Gestalt fertig. Mitten in dem furchtbaren Dreißigjährigen Kriege. Noch bis 1628 kam der Kurfürst nach Wermsdorf, um zu jagen; dann mußte er, gezwungen durch die widrigen Verhältnisse des Krieges, die Jagd aufgeben. Wiederholt zog die sengende und mordende Soldateska auch durch Wermsdorf, wiederholt war das Schloß der Plünderung preisgegeben. 1639 kamen die Schweden und legten Feuer im Schloß an. Rasches, tatkräftiges Eingreifen der Bewohner verhinderte ein weiteres Umsichgreifen des Brandes, und notdürftig wurden die entstandenen Schäden repariert. Als 1681 Mutzschen völlig abgebrannt war, mangelte es an Gelegenheit, das Amtshaus unterzubringen. Durch kurfürstlichen Befehl wurde der Nordflügel des Schlosses als Amtsexpedition und Wohnung für den Amtsschösser eingerichtet. Erst 1685 kam Johann Georg III. mit seinen Ministern und mit General Flemming wieder zur Jagd hier an.