Inland 1858, S. 480; Rigasche Ztg. 1873 Nº 188; 1886 Nº 87; 1887 Nº 177.

Bernhardt, Erwin. Architekt. Geb. 3. Januar 1852 in Petersburg. Sohn des [Vorigen]. Studierte von 1868–74 Architektur an der Petersburger Bauschule (jetzt Institut der Zivilingenieure) und trat 1874 in den Staatsdienst bei der estländ. Gouvernementsregierung, erhielt 1877 das Diplom eines Ingenieur-Architekten und bekleidete bis 1907 das Amt eines estländischen Gouvernementsingenieurs. Von ihm das Bezirksgerichtsgebäude; das Ausstellungsgebäude des estländischen landwirtschaftlichen Vereins; das Konzertetablissement „Bellevue“ in Katharinenthal bei Reval; die Restaurierung der Lehmpforte, des Turmes der Nikolaikirche, der Olaikirche in Reval und der Schlosskirche in Hapsal. Er erbaute die russischen Kirchen in Felks, Klein-Lechtigal und Jörden, die luth. Kirchen zu Jörden und Haggers, die Grabkapelle zu Etz, das herrschaftliche Wohnhaus auf Gut Kollo, die Wohn- und Fabrikgebäude der Aktiengesellschaft „A. M. Luther“ und „Volta“ und mehrere Privathäuser in Reval.

Nach Autobiographie.

Bernstamm, Leopold Bernhard. Bildhauer. Geb. 20. April 1859 in Riga; kam als 13jähriger Knabe in das Atelier des Prof. D. Jensen in Petersburg und besuchte die Zeichenschule der Kaiserl. Gesellschaft zur Förderung der Künste. 1873 trat er in die Kunstakademie als freier Zuhörer ein, erwarb sich hier mehrere Auszeichnungen durch eine Reihe trefflich gelungener Porträtbüsten und begab sich 1884 zu weiterem Studium nach Italien, wo er in Florenz unter Professor Rivalti arbeitete. Von hier zog er nach Rom und stellte hier seine Arbeiten aus. 1885 hielt er sich in Paris auf, arbeitete unter Mercier und erlangte durch seine Porträts in kurzer Zeit einen solchen Ruf, dass ihm das Amt eines directeur artistique des Museums Grévin angetragen wurde. Er nahm die Berufung an und hatte Gelegenheit eine grosse Anzahl von Porträtbüsten zu schaffen, unter denen die von Ardan, Barte, Légôt, Rechembert, Samari, Chevreuil, Sardou, Déroulède, Lorence, Cabanel, Durant, Falguierre, Mercier, Albert Wolf, Halévi, Renan, Flobert, Coppé, Claressi und Zola als die vorzüglichsten genannt werden. — Von ihm ausserdem die Büsten des Schriftstellers Grigorowitsch (1881), die Rubinsteins für das Konservatorium in Moskau (1882), Wisins für das Alexandertheater in Petersburg (1882). Die Büste des Gelehrten K. Brandt für das zoologische Mus. der Akad. der Wissenschaften. — Die Büsten des Schriftstellers Dostojewski, des Prinzen Peter v. Oldenburg, A. Potechin, A. Ostrowsky, I. Gontscharow, I. Polonsky und M. Saltikow (1882 und 1883) u. a. Ferner von ihm: Au pilori (Eine Ehebrecherin am Schandpfahl). (Paris, 1887.) — Der Henker mit dem Haupte Johannes des Täufers (Paris, 1888). — Der erste Pfeil (Paris 1889) und das Denkmal des Lustspieldichters Eduard Pailleron im Monceau-Park zu Paris. 1905.

Rigasche Ztg. 1881 Nº 52; 1885 Nº 50, 53 und 107; 1886 Nº 52, 173 und 254; 1887 Nº 30. Наши художники I., S. 37 ff.

Berthing, Otto. Porträt- und Historienmaler. Geb. 25. Dezember 1817 zu Alt-Schwaneburg in Livland; gest. angeblich 1885 in Jalta. Wurde nach dem Besuch des Gymnasiums in Dorpat 1835 Schüler des Malers [R. Schwede] (s. d.) in Petersburg, nahm 1840 das Amt eines Zeichenlehrers am Katharinäum in Riga an und ging nach zehnjähriger Verwaltung dieses Amts im Jahre 1850 auf die Antwerpener Akad., wo er Schüler von Wappers wurde und den Unterricht von Dijkmann und Verschaeren genoss. Nach einer Studienreise durch Deutschland kehrte er 1852 nach Riga zurück, ging 1856 nach Paris, 1859 nach Italien und liess sich dann in Odessa nieder. 1862 zog er wieder nach Paris zurück, erlebte dort die Belagerung von 1870 und den Aufstand der Kommune und arbeitete dort noch 1873. — Von seinen Arbeiten sind, ausser einigen Bildnissen, mehrere Genrebilder, wie der Liebesantrag, eine Weinkellerszene und der Wasserkarl (eine in den dreissiger Jahren des 19. Jahrh. sehr bekannte Rigasche Strassenfigur, lith. von [Hauswald] in Riga) bekannt geworden.

Rigasche Stadtbl. 1843, S. 120; 1852, S. 416; 1855, S. 19; 1858, S. 304; 1859, S. 147; Inland 1845, S. 606; 1851, S. 273; 1858, S. 634; Rigasche Ztg. 1872 Nº 16; Наши художники I, S. 39.

Bertschy, Paul Max. Architekt. Geb. 1. Januar 1840 zu Straussberg bei Berlin, empfing seine künstlerische Ausbildung im Auslande und arbeitete dann in den Ateliers mehrerer namhafter Architekten des In- und Auslandes. Von 1871–1902 Stadtarchitekt in Libau. Von ihm wurden ausgeführt: die kathol. Kirche zu Rakischki, 1868–70; die Kirche zu Sesswegen in Livland, geweiht 14. November 1879; die St. Annenkirche in Libau, 1892–93; das Styntzi’sche Mausoleum in Libau; das Nikolaigymnasium 1883–1884; das Bezirksgerichtsgebäude; das Friedensgerichtsgebäude; das Mädchenhospiz; das Stadtkrankenhaus; das städtische Gefängnis; das Kurhaus zu Libau 1871–75, und eine grosse Anzahl Villen und Wohngebäude in und um Libau.

Rigasche Stadtbl. 1865, Nº 12; Rigasche Ztg. 1879 Nº 275; Mitausche Ztg. 1890 Nº 59, 1892 Nº 47, 1893 Nº 101; Libausche Ztg. 1884 Nº 265, 1892 Nº 27; Libauscher Kalender 1876.