Tode, Ernst Friedrich. Maler. Geb. 28. Mai 1858 in Pargola bei Petersburg, widmete sich anfangs dem Studium der Architektur im Polytechnikum zu Riga, wandte sich dann aber in München unter Otto Seitz der Malerei zu. Von 1885–87 lebte er in Charkow als Porträtmaler und ging dann zu weiterer Ausbildung nach Düsseldorf. Von 1891–96 wirkte er als Lehrer an der Rigaschen Kunstgewerbeschule. 1895 gründete er eine Glasmalereianstalt, die sich aus bescheidenen Anfängen in überraschend kurzer Zeit unter seiner Leitung zu einem hervorragenden Kunstinstitut aufgeschwungen hat. Zu den bedeutendsten Arbeiten der Anstalt gehören: Die Fenster der Sakristei der Petrikirche in Riga, die Altarfenster der katholischen Katharinenkirche in Petersburg, die Fenster der reformierten Kirche daselbst, die Altarfenster in der Kirche der Chevalier-Garde daselbst, die Apsidenfenster in der Synagoge in Kiew, die Fenster im Chor der St. Johanneskirche in Riga und die grossen Transeptfenster im Dom zu Riga. Auch mehrere monumentale Arbeiten für Privatbauten in Riga, Moskau und Odessa sind aus der Anstalt hervorgegangen.
W. Neumann, Balt. Maler u. Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 136, 142.
U
Ulprecht, Ernst Markus. Dilettant. Geb. 28. November 1770; gest. 2. Dezember 1831 in Dorpat, war ein Stiefsohn des Professors [Joh. Chr. Brotze] und besass wie dieser ein bedeutendes Zeichentalent. Er studierte in Dorpat, wurde später Konservator des Naturalien-Kabinetts der Universität und hielt Vorlesungen über Mineralogie. Er hat viele hübsche Ansichten livländischer und finnländischer Gegenden gezeichnet, davon mehrere von [K. A. Senff] und J. A. Darnstedt in Kupfer gestochen und zum Teil in der „Livona“ und in „Livona’s Blumenkranz“ veröffentlicht sind.
Rigasche Stadtbl. 1831 S. 401. — Dörptische Beiträge I. 206 ff.
Ungern-Sternberg, Alexander Freiherr v. Maler und Schriftsteller. Geb. 10. April 1806 auf dem Gute Noistfer bei Reval; gest. 24. August 1868, auf dem Gute Dannenwalde bei Stargard in Mecklenburg-Strelitz; studierte von 1826–30 in Dorpat und ging dann nach Petersburg, wo sein hervorragendes Zeichentalent die Aufmerksamkeit der Kaiserin erregte, die ihm zu seiner weiteren Ausbildung eine Unterstützung angedeihen liess. Er widmete sich in Dresden der Malerei und trat hier zu Ludwig Tieck in nahe Beziehungen. Während seines Studienaufenthalts in Stuttgart wurde er mit Gustav Schwab bekannt und durch diesen mit Cotta, auch zu Lenau trat er in ein freundschaftliches Verhältnis. Seit dieser Zeit gab er sich ganz der Schriftstellerei hin und schrieb unter dem Pseudonym A. v. Sternberg.
Baltisches Dichterbuch, herausg. v. J. E. v. Grotthuss.
Ungern-Sternberg, Johann Karl Emanuel Freiherr v. Geb. 23. Januar 1773 auf dem auf der Halbinsel Nucken bei Hapsal belegenen Gute Paschlepp; gest. 30. März 1830 in Reval, zeigte schon als Knabe eine bedeutende künstlerische Veranlagung, die namentlich durch seinen Lehrer Renatus Frühauf im Erziehungsinstitut zu Barby a. d. Elbe eifrig gefördert wurde. Trotzdem wählte er die juristische Laufbahn und bekleidete in der Folge verschiedene Ämter im Dienste der estländischen Ritterschaft, beschäftigte sich aber in seinen Mussestunden mit Zeichnen und Malen und erteilte selbst Unterricht im Zeichnen an der Ritter- und Domschule in Reval. Erst 1806 entschloss er sich dazu sich ausschliesslich mit der Kunst zu beschäftigen. Er begab sich nach Dresden und trat in das Atelier des Professors T. L. Pochmann und arbeitete zugleich unter der Leitung des Professors J. D. Schubert. Er kehrte dann nach Estland zurück, wo er mehrfache Porträtaufträge ausführte. Ein Versuch sich in Petersburg ein ausgiebigeres Tätigkeitsfeld zu verschaffen misslang ihm. 1810 unternahm er eine grössere Reise durch die baltischen Provinzen, um Studien zur Herausgabe einer Sammlung baltischer Ansichten zu machen, auch beschäftigte er sich mit der heimischen Kunstarchäologie durch Zeichnen von Wappen, Siegeln, Grabsteinen usw., geriet dabei jedoch in bedrängte Umstände, so dass er sich genötigt sah, das ihm von der estländischen Ritterschaft angetragene Amt eines Kurators der Revaler Domschule anzunehmen. Ein Versuch, die Bildnisse Dorpater Professoren in Lithographie herauszugeben, schlug fehl durch die Schuld des Druckers. Nur wenige dieser Bildnisse kamen in die Oeffentlichkeit und zwar die der Professoren Jäsche, Dabelow, Deutsch, Lenz und Osann. Ebenso verunglückte die Lithographie einer Innenansicht der Olaikirche nach dem Brande von 1820, von der nur 20 Exemplare in den Handel kamen.
H. Neuss in der Estona 1830 S. 179, 184 und 192. — Balt. Monatsschrift XL. S. 335. Die dort mitgeteilte Erzählung von dem Bilde der Seeschlacht zwischen Russen und Schweden auf der Revaler Reede ist apokryph.