Gabler, Christoph August. Architekt. Geb. 6. Juni 1820 in Reval; gest. 6. März 1884 daselbst. Zögling der Petersburger Akademie, wurde 1838 mit der silb. Medaille ausgezeichnet und 1839 mit dem Range eines freien Künstlers als Pensionär des Wegebaukorps entlassen. 1844 zum Hilfsarchitekten bei der estländischen Gouvernements-Baubehörde ernannt; 1859 zum Gouvernementsarchitekten befördert. Sein Hauptwerk ist die Johanniskirche in Reval.
Inland 1844 S. 404; 1859 S. 440. G. v. Hansen: Die Kirchen und ehem. Klöster Revals, 1885 S. 80. Industrieztg. 1877 Nº 2. Anzeiger für Libau und Umgegend 1885 Nº 4.
Gaehtgens, Ernst Hermann. Maler. Geb. 5. Oktober 1872 in Nauditten bei Doblen in Kurl., trat in die Kunstschule in Berlin und nach Ablegung des Zeichenlehrerexamens in die dortige Kunstakad. Er malt Bildnisse und Genrebilder und hat mehrere farbige Steinzeichnungen geschaffen. Tätig in Mitau.
Gahlnbäck, Johann Leopold. Architekt und Architekturmaler. Geb. 21. Oktober 1855 im Pastorat Pyha in Estland, absolvierte 1879 die Akad. in Petersburg und bereiste zu weiterer Ausbildung Italien, Frankreich und Holland. 1885–1890 als Gehilfe des Prof. Messmacher beim Bau des Museums der Baron Stieglitzschen Zeichenschule in Petersburg. Zur Zeit Lehrer an diesem Institut. Zu seinen grösseren Bauten gehören: Das Greisenheim der evangel. Gemeinde in Petersburg. — Das Asyl und Diakonissenhaus der reform. Gemeinde daselbst. — Das evang. Kinderheim. — Die Schule der reform. Gemeinden und das Haus Kriwzoff in Petersburg.
Nach Autobiographie.
Gavél, Charlotte Margarethe Elisabeth v. Genremalerin. Geb. 16. Februar 1833 in Livland; gest. 28./16. November 1894 in München. Empfing ihre künstlerische Ausbildung in München und war Mitgl. der dortigen Künstlergenossenschaft. Es gibt von ihr mehrere Genrebilder.
Gebhardt, Franz Karl Eduard v. Historienmaler. Geb. 13. Juni 1838 im Pastorat St. Johannes in Estland als Sohn des dortigen Pastors, kam nach dem Besuch der Domschule zu Reval 1855 auf die Petersburger Akad., verliess diese aber schon 1858, um die Kunstschule in Karlsruhe zu besuchen, in die er nach einer Reise durch Holland und Belgien, und nach einem Studienaufenthalte in Tirol, eintrat. Aber schon 1860 siedelte er nach Düsseldorf über, wo er Schüler von Wilh. Sohn wurde, mit dem ihn bald warme Freundschaft verband. Von Düsseldorf aus unternahm er wiederholt Reisen durch Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Oberitalien. Am 11. März 1874 wurde er an die Stelle von Th. Hildebrandt in das Lehrerkollegium der Düsseldorfer Akad. berufen und neben Röthing mit der Leitung der mittleren Malklasse betraut; 1875 erhielt er die Ernennung zum Professor. Gebhardts ausserordentliche Bedeutung liegt in der Art seiner künstlerischen Auffassung der biblischen Geschichte, als deren vornehmster Interpret er angesehen werden kann. Abweichend von der traditionellen Heiligenmalerei und von jener hyperrealistischen der Schule Vernets lässt er in seinen religiösen Bildern die Menschen seiner Umgebung in die Erscheinung treten und kleidet sie in die Tracht der Reformationszeit, um auch dadurch an jene grosse Zeit zu erinnern. Schwungvolle Komposition, tiefe geistige Auffassung und ein blühendes Kolorit, das sich zuweilen an Dürer und die grossen Vlamen des 16. Jahrhunderts anlehnt, zeichnen seine Werke aus. Gebhardt ist Mitgl. der Akademien zu Berlin, München und Wien. Besitzer der kl. gold. Med. Berlin 1872; der Med. der Wiener Welt-Ausstellung 1873; der Med. II München 1879; der gold. Erzherzog Karl-Ludwig-Med. Wien 1879; der gr. gold. Med. Berlin 1881; des Preisdiploms der Dresdner Aquar. A. 1887; Inhaber verschiedener Orden und stimmfähiger Ritter des preuss. Ordens pour le merite für Wissenschaft und Kunst, 1890. Von Gebhardts Werken seien hier genannt:
I. Oelgemälde.
Selbstporträt aus der Jugendzeit (Bes. Dom-Mus. Riga). — Christi Einzug in Jerusalem, 1863 (Bes. Fabrikbes. J. Ruhr, Euskirchen). — Auferweckung von Jairi Töchterlein, 1864 (Bes. J. Ruhr, Euskirchen). Rad. von [A. Neumann], Zeitschr. für bild. Kunst, 1872. — Der arme Lazarus, 1865 (Nach Kalifornien verkauft). — Kreuzigung Christi, 1866 (Bes. Domkirche zu Reval). — Aus der Reformationszeit, 1868 (Berlin Privatbes.). — Ecce homo, 1870 (Bes. Luché Bauer, Berlin). — Das letzte Abendmahl, 1870 (Bes. National-Gal. Berlin, 1872). Rad. v. W. Unger, Zeitschr. für bild. Kunst, 1874. Kunsthist. Bilderbogen, Holzsch. Nº 283. — Christus am Kreuz, 1873 (Bes. Kunsthalle, Hamburg). — Porträt des Hn. Pieper, Düsseldorf, 1873. — Zwei Gelehrte, 1874 (Bes. E. Botkin, Moskau). Unter dem Titel: „Joh. Müller Regiomontanus erklärt dem Nürnberger Mathematiker Bernh. Walter die Bedeutung des Pendels“ im Daheim, 1876. — Porträt des Bürgermeisters Wortmann in Düsseldorf, 1874 (Im Bes. des Dargestellten). — Religionsgespräch, 1875 (Bes. Ferd. Reichenheim, Berlin). — Junges Ehepaar am Fenster, 1875 (Privatbes., Hamburg). — Die Jünger von Emmaus, 1876 (Bes. Alex. v. Harder, Karlsruhe). — Heimführung (Bes. die Erben des Barons Alex. v. Uexküll-Heimar. Abb. im Daheim, 1882). — Aus dem Reformationszeitalter. Ein Reformator seine Gedanken niederschreibend, wobei ihm seine Frau über die Schulter blickt, 1877 (Bes. städt. Mus., Leipzig). — Ein kleiner Christuskopf, 1877 (Bes. Kaufmann Hollmann, Hamburg). — Christuskopf, 1878 (Bes. Kirche zu Lauckwitz bei Berlin). — Christuskopf, 1878 (Bes. E. Schulte, Düsseldorf). — Altdeutsche Hausfrau, 1878 (Bes. E. Schulte, Düsseldorf). — Mutterglück (Bes. H. Sthamer, Hamburg). — Porträt des Barons Schilling auf Jürgensburg, Estland, 1879. — Porträt des Barons Gustav Gideon Schilling, 1879 (Bes. Baron Georg Schilling, Petersburg). — Porträt des Fabrikbesitzers K. Pönsgen, Düsseldorf, 1879. — Christi Himmelfahrt, 1881 (Bes. National-Gal., Berlin, angekauft 1881. Holzschn. in d. Zeitschr. für bild. Kunst, 1882; Abb. im Daheim, 1882. Rad. von Fr. Boettcher). — Christus auf dem Meere wandelnd, erhebt den versinkenden Petrus. Altargem. für die Kirche zu Ziegenhals. Abb. im Daheim, 1881. — Die Klosterschüler, 1882. Abb. im Daheim, 1884 und in Kunst für Alle, 1887. — Pietà, 1883 (Bes. Kgl.-Gal., Dresden, angekauft 1884). — Christus am Kreuz. Altargem. der luth. Kirche zu Joachimstal bei Narva. — Bei der Arbeit (Abb. im Daheim, 1886). — Christus mit dem Kelch (Privatbes., Liegnitz). — Die alte Stadtverfassung. — Porträt des Pastors Huhn in Reval (Bes. Olaikirche, Reval). — Der ungläubige Thomas, 1889 (Abb. Kunst für Alle, 1890. Bes. Kunsthalle in Düsseldorf). — Christi Darstellung vor dem Volk. Skizze (Bes. Kunsthalle, Düsseldorf; Geschenk des Künstlers), 1890. — Christus in Bethanien, 1891 (Bes. Gal. zu Bremen). — Die Wandgemälde im Kloster zu Loccum, 1891 vollendet. — Der reiche Jüngling, 1892 (Bes. Düsseldorfer Kunsthalle). — Bergpredigt, 1893 (Bes. Louis Weddigen, Wiesbaden). — Jakob mit dem Engel ringend, 1894 (Bes. Gal., Dresden). — Jesus zwischen den Schriftgelehrten im Tempel, 1893. — Die Heilung des Gichtbrüchigen, 1894 (Bes. Mus. Breslau). — Die Auferweckung des Lazarus, 1896. — Die Jünger in Emmaus, 1897. — Die Verklärung Christi, 1897 (Altargem. für die Kirche zu Kokenhusen in Livland). — Elias in der Wüste, 1898. — Christus und Nikodemus, 1898. — Verba Magistri, 1900 (Bes. Geheimr. Prof. Dr. O. Jäger, Berlin). — Die Wandgemälde in der Friedenskirche zu Düsseldorf, vollendet 1906. — Christus auf dem Meere, 1901 (Mus. zu Essen). — Eine Streitfrage, 1902 (Privatbes. in Frankfurt a/M.). — Johannes im Kerker, 1907. — Tod des Lazarus, 1908 (Bes. Prof. Oeder, Düsseldorf; Orig. Skizze im Bes. von Dr. W. Neumann, Riga). — Der verlorene Sohn, 1907. — Der Tod Mosis (Bes. Kunsthändler G. Paffrath, Düsseldorf). — Christus bei Maria und Martha, 1908.
II. Oelgemälde und Studien in balt. Privatbesitz.